27. November 2018, 14:00 Uhr

Störche

20 Storchenneste in der Wetterau abgetragen

Wegen Absturzgefahr hat das Forstamt Nidda Storchenhorste auf Plattformen vorsorglich abgetragen. Für zwei in Bingenheim brütende Storchenpaare heißt es im Frühjahr: Neu bauen.
27. November 2018, 14:00 Uhr
Etwa 100 Storchenpaare brüten in der Wetterau – fast alle auf sogenannten Storchenplattformen. 20 Nester auf Plattformen hat das Forstamt Nidda vorsorglich mit Spaten abtragen lassen. (Foto: pv)

Ein Storchennest wächst und wächst und wächst. Jedes Jahr kommen die Vögel Tausende Kilometer aus ihren Winterquartieren vom anderen Ende der Welt zurück an ihren angestammten Nistplatz – und bauen ihr Heim weiter aus. Ein Nest aus Zweigen, Gras und Laub kann Hunderte Kilogramm schwer werden – zu viel für einige Storchenplattformen in der Wetterau. Damit die Nester nicht irgendwann von den Masten herabstürzen, ist das Forstamt Nidda vor einiger Zeit aktiv geworden. Rund 20 Nester auf Storchenplattformen im Wetteraukreis hat die Behörde von einer Firma abtragen lassen. Zwei Masten in Bingenheim wurden ganz abgebaut und sollen im Frühjahr durch neue Masten ersetzt werden.

 

Holzmasten gerissen

»Die Nester auf den Plattformen waren zu hoch und hätten abbrechen können«, sagt Udo Seum vom NABU Bingenheim und Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in der Wetterau. Außerdem: »Wenn wir nicht gehandelt hätten, wären die beiden Masten bei einem starken Sturm vielleicht umgefallen.« Die zwei Holzmasten an Horloff und Stockborn seien bereits am oberen Ende gerissen gewesen. Für Spaziergänger habe jedoch keine Gefahr bestanden, erklärt Walter Schmidt, zuständig für Naturschutz beim Forstamt Nidda.

In der Wetterau brüten nach HGON-Angaben rund 100 Storchenpaare, fast alle auf eigens dafür eingerichteten Plattformen. Derzeit sind die Nester jedoch verlassen, weil die Vögel gen Süden nach Afrika gezogen sind. Bei gut 20 Prozent der verlassenen Horste hatten Mitarbeiter der beauftragten Firma Ende August, Anfang September Nistmaterial mit Spaten abgetragen, um sie leichter zu machen.

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Gerüchte über Gründe

Die maximale Zuglast eines Holzmastes beträgt etwa 250 Kilogramm. Ältere Storchennester können durchaus schwerer werden. Die zwei neuen Maste für Bingenheim sollen daher nicht mehr aus Holz, sondern aus Metall sein. Gekostet haben die bisherigen Maßnahmen 3200 Euro.

Gerüchte, nach denen der NABU die Masten entfernt habe, um bedrohte Amphibien zu schützen, wiesen Seum und Schmidt zurück. »Natürlich fressen Störche Amphibien«, sagt Seum. »Aber das Angebot ist überall groß genug.« Die bedrohte Knoblauchkröte, die im Bingenheimer Ried vorkomme, laufe dem Storch zum Beispiel gar nicht über den Weg. Während die Kröte nachts aktiv sei, gehe der Storch tagsüber auf Nahrungssuche.

Für die Störche, die im nächsten Jahr in die Wetterau zurückkommen, heißt es dann: Der Frühjahrsputz ist schon gemacht. Heu, Gras und Äste müssen vor allem die zwei Bingenheimer Storchenpaare neu heranschaffen. Das Nest aus dem Vorjahr besetzten die Männchen, die zuerst zurückkämen, erklärt Seum. Dem Standort seien sie in der Regel treu – übrigens mehr als ihren Weibchen. Gut möglich, dass eine andere Storchendame im Nest sitzt, wenn die Partnerin aus dem letzten Jahr zurückkehrt. Zumindest in Bingenheim kann sich eine möglich Nebenbuhlerin auf eines nicht verlassen: auf ein gemachtes Nest.

Info

Heim in luftiger Höhe

Störche nisten allgemein gerne auf erhöhten Plätzen. Dazugehören natürliche Orte wie Felsen oder Astgabeln, aber auch vom Menschen gemachte Strukturen wie Dächer, Strommasten oder den extra eingerichteten Storchenplattformen. In luftiger Höhe sind ihre Jungen besser vor Raubtieren wie dem Marder geschützt. Zudem nisten Störche gerne an Orten, von denen aus sie ihre Futtergebiete überblicken können. Des Weiteren kommen die erhöhte Nistplätze dem Flugstil der großen Vögel entgegen. Allerdings kommen auch Bodenbruten bei Störchen vor – sie sind jedoch höchst selten. Aus den letzten 70 Jahren sind gerade einmal sechs Fälle dokumentiert, in denen Störche ihre Nester ebenerdig gebaut haben. (Quelle: NABU)

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