19. Februar 2018, 20:11 Uhr

Demo

150 Menschen protestieren gegen AfD-Jugend

Breiter Widerstand stellte sich am Samstag dem Bundeskongress der AfD-Jugend in Büdingen entgegen. Aus deren Reihen schallten Parolen herüber, die von der NPD bekannt sind.
19. Februar 2018, 20:11 Uhr
Viele Teilnehmer der Gegendemonstration ordnen die AfD einem klaren Spektrum zu.

»Wer Deutschland nicht kennt, soll Deutschland verlassen«, skandierten Teilnehmer des AfD-Bundeskongresses und »Jeder hasst die Antifa«. Rund 360 Teilnehmer waren am Samstag aus ganz Deutschland nach Büdingen gereist. Obwohl viele sich mit Anzügen und Krawatten ein seriöses Aussehen zu geben bemüht hatten, versuchten sie wiederholt und teilweise auch tätlich, die politischen Gegner zu provozieren. Mit Sprechchören wie »Hier regiert die AfD« und »Büdingen ist unsere Stadt« forderten sie die rund 150 Gegendemonstranten aus der Region heraus. »Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda«, entgegneten diese.

Der Grünen-Landratskandidat Thomas Zebunke wies darauf hin, dass sowohl die AfD als auch ihre Jugendorganisation die Nähe zu rechtsextremen Gruppierungen wie Pegida oder der Identitären Bewegung suchten. Er erinnerte an die Aschermittwoch-Rede des AfD-Vorsitzenden aus Sachsen-Anhalt André Poggenburg, in der dieser Türken verunglimpft hatte.

»Gutes Netzwerk gegen Rechtsextremismus«

Rieke Thomas, 2. Vorsitzende der Antifaschistischen Bildungsinitiative, die mit dem Büdinger Bündnis für Demokratie die Gegendemonstration organisiert hatte, freute sich, dass ein gutes Netzwerk gegen Rechtsextremismus entstanden sei. Der Büdinger Pfarrer Andreas Weik etwa sprach sich gegen die Vereinnahmung des Christentums durch die AfD aus. Deren Ideologie widerspreche Grundsätzen des christlichen Glaubens. Ebenso sprach er sich dagegen aus, dass die Rechtsextremen Flüchtlinge nutzten, um Angst vor einer angeblichen Islamisierung zu schüren. Nur ein Viertel der Flüchtlinge sei Muslime. »Der weitaus größere Teil sind Christen, die verfolgt werden«, erklärte Weik.

Linken-Kreistagsabgeordnete El Fechtali wandte sich gegen Kritik, Proteste würden die AfD aufwerten. Die Partei selbst stelle fest, dass dieser Protest der AfD zusätzliche Kosten verursache und zu dem Eindruck beitrage, »dass die AfD ein Stigma trägt und man sich nicht mit ihr zeigen solle.« Das mache sie für die bürgerliche Mitte unwählbar, zitierte El Fechtali aus AfD-Einschätzungen. Es sei falsch, die AfD zu ignorieren. Dort, wo sich ihr Widerstand entgegenstelle, seien die Wahlergebnisse schlechter.

Zwei Platzverweise

Andreas Knippel von der Jungen Union Büdingen sagte, mit AfD, Pegida und NPD seien Diskriminierung, Diffamierung und Gewalt zurückgekehrt, von denen man angenommen habe, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg der Vergangenheit angehörten. Das Wiedererstarken von Menschenfeindlichkeit sei nicht die Folge von Not oder einer Krise. Sie sei die Reaktion auf die Flucht von Menschen vor Krieg, Terror, Folter und Verfolgung nach Deutschland. Statt eine Haltung gegen die Fluchtursachen zu beziehen, würden die hilfesuchenden Menschen verachtet.

Trotz der Versuche der AfD-Jugend, die Gegendemonstranten über die Polizeiabsperrung hinweg zu provozieren, verliefen beide Veranstaltungen friedlich. Es kam lediglich zu einem kleineren Zwischenfall, als zwei Teilnehmer des Bundeskongresses der AfD-Jugend versuchten, sich unter die Gegendemonstranten zu mischen. Als sie gebeten wurden, die Kundgebung zu verlassen, rempelten sie im Weggehen Demonstranten an. Die Polizei erteilte ihnen einen Platzverweis.

»Heil«-Rufe in der Ferienwohnung

Den seriösen Anschein, den sich die Teilnehmer des Bundeskongresses zu geben versuchten, wahrten größere Gruppen offenbar nicht in den Ferienwohnungen, in denen sie zum Teil übernachteten. Eine Vermieterin berichtete, dass zu dem guten Dutzend Gäste, denen sie Zimmer vermietet hatte, ohne zu wissen, dass diese Teilnehmer des Bundeskongresses seien, im Laufe des Freitagabends immer mehr Besucher gekommen seien. Diese seien teilweise sogar über das Gartentor geklettert. Schließlich seien ungefähr 50 bis 60 Gäste in den Zimmern gewesen. Sie hätten bis in die tiefe Nacht laut gesungen und jedes Lied mit drei »Heil«-Rufen beendet. »Ich habe gedacht, dass die AfD ein bisschen gemäßigter ist als die Rechtsextremen«, sagte die Vermieterin. »Die sind genauso.«

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