16. November 2014, 19:18 Uhr

»Friedberg leuchtet«: Viel Glanz, wenig Licht

Friedberg (har). Es war genau 18 Uhr. Ein lauter Knall erschreckte die Menschen auf der Kaiserstraße. »Feuer« schrie ein Mann. Viele Zuschauer verfolgten das Spektakel, das die Theater AG der Augustinerschule quasi als Eröffnung von »Friedberg leuchtet« am Samstagabend veranstaltete.
16. November 2014, 19:18 Uhr
Das Wetterau-Museum erstrahlt in einem weichen Licht. (Foto: Harald Schuchardt)

Das nachgespielte Bombenattentat auf das Rathaus – gedacht als Ablenkung für einen Überfall auf die benachbarte Reichsbankaußenstelle im Jahre 1910 – war eine von zahlreichen Aktionen bei »Friedberg leuchtet«, veranstaltet von »Friedberg hat’s«. Kaum hatte die Feuerwehr den Brand gelöscht und sich der Rauch aus den Räumen verzogen, konnten sich die Besucher im Flur eine Dokumentation zu dem Bombenattentat anschauen.

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Oft war kaum ein Durchkommen, ebenso wie in den gemeinsamen Geschäftsräumen von Geschichtsverein und Volksbühne. Hier wurde von Susanne Keller das Buch zum Attentat sowie Theaterkarten angeboten. Immer mehr füllte sich die für den Autoverkehr gesperrte Kaiserstraße.

Doch eines wurde vermisst: Zusätzliche Beleuchtung. Nur einige wenige Häuser waren angestrahlt. Die Leuchtbälle in den Bäumen blieben ebenso ausgeschaltet wie die Lichterketten der Weihnachtsbeleuchtung. »Hier leuchten nur die kalten Neonröhren der Geschäfte«, sagte ein enttäuschter Friedberger.

Hochbetrieb im Museum

Doch es gab eine Ausnahme: Das Wetterau-Museum in der Haagstraße war von Horst Weber und seinem Eurosound-Team in ein tolles gelbes Licht getaucht worden. Das Gebäude wurde unzählige Male fotografiert. Gleiches galt für die Lichtinstallation im Museumshof und in der aktuellen Kunstvereinsausstellung »Hangover Gardens«.

Hier sorgte Lasse-Marc Riek für elektronischen Sound. Weitgehend dunkel war es im Wetterau-Museum. Mit Taschenlampen konnten die Besucher die Exponate selbst anleuchten. »Es brummt richtig«, freute sich Museumsleiter Johannes Kögler über die große Resonanz. Die 30 bereitgestellten Taschenlampen waren ständig vergriffen.

Zur Tanzfläche wurde ein Teil des südlichen Stadtkirchenplatzes. Gruppen der Tanzschule Wehrheim-Gierok zeigten Hip Hop, Zumba und Kindertanz. An einer angeleuchteten weißen Wand neben dem Stadtkircheneingang konnten sich die Besucher als Schattenspieler betätigen.

Geöffnet war auch die Stadtkirche, in der Kantor Ulrich Seeger ein Orgelkonzert gab. Im Central-Studio faszinierte eine Laser-Show.

»Michael-Keller-Wasserspiele«

Der Hingucker auf der Kaiserstraße war eine Disco-Kugel auf der zum Teil freigegebenen Baustelle Elvis-Platz. Der gerade begonnene Regen hielt viele Besucher nicht ab, um kurz vor 20 Uhr auf den Platz zu kommen und die erstmals eingeschalteten Wasserspiele anzuschauen. »Das also sind die Michael-Keller-Wasserspiele«, spottete eine Besucherin. Da musste selbst das Stadtoberhaupt lachen. »Die Resonanz ist prima«, freute sich der Bürgermeister.

Der Regen setzte den bis dahin sehr gut besuchten Aktionen auf der Straße zu. Am Stand der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) wurden Sonnenbrillen auf ihre UV-Verträglichkeit getestet. Das THM-Orchester unter der Leitung von Mundharmonikavirtuose René Giessen begeisterte mit Rock und Rap oder mit »Spiel mir das Lied vom Tod«.

Gegenüber spielten die beiden Clowndoktoren »Dr. Männlein« und »Dr. Furioso« fröhlich auf, während der Rotary-Club Waffeln und Würstchen anbot. Auf der Kaiserstraße hatte der Poetry-Slam-Wettbewerb begonnen, den Andreas Arnold moderierte. Wetterauer Slamer wie Ulf Eisenkrämer, Thorsten Zeller und Hessenmeisterin Leticia Wahl überraschten manchen Slam-unerfahrenen Zuhörer mit ihren Texten. Musikschullehrer Markus Ruckes spielte aus dem Fenster des Bettenhauses Decher kurze Stücke auf der Trompete. Als der Regen zunahm, wurde der Wettbewerb kurzerhand in das Bettenhaus verlegt. Abgebrochen wurde dagegen der Lichtzauber der Agentur »Aktionsfeuer« vor Bürotechnik König.

»Das macht Spaß«, freute sich der neun Jahre alte Linus, der mit seinem kleinen Bruder Tore und Oma Sigrid Wienert aus Karben mit Taschenlampen Bilder in die Luft malte. Die wurden mit einer Kamera langzeitbelichtetet aufgezeichnet.

Während es auf der Straße selbst ruhiger wurde, herrschte in den Gaststätten und in vielen bis 22 Uhr geöffneten Geschäften reger Betrieb. Im Ticket-Shop verbreitete »Makia« Partystimmung.

Gegen 22.15 Uhr »brannte« plötzlich das Dachgeschoss des Modehauses Ruths. Schnell war die Feuerwehr zur Stelle und löschte den imaginären Dachstuhlbrand. Mit der Drehleiter wurde zunächst Geschäftsführer Jochen Ruths »gerettet«. Es folgte Musical-Sängerin Bettina Skottke.

Die sang von der Leiter herab den James-Bond-Titel »Skyfall« und »Music« von John Miles. Trotz des strömenden Regens beobachteten noch überraschend viele Besucher das spektakuläre Finale von »Friedberg leuchtet«. Nur etwas mehr Beleuchtung dürfte es nächstes Jahr schon sein.

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