Universal-Zirkus Renz: Erst Prügelattacke, dann Pleite

Friedberg-Ockstadt/Duisburg (jw). Der in Ockstadt ansässige Zirkus Universal Renz hat Insolvenz angemeldet. Das berichtet die WAZ im Zusammenhang mit einem Prozess vor dem Amtsgericht Duisburg. Dort wurde Zirkusdirektor Daniel Renz wegen einer Prügelattacke gegen einen Besucher zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
10. September 2013, 18:38 Uhr
Daumen hoch? Daumen runter! Daniel Renz hat nicht nur Ärger mit der Justiz. (nic)

Renz war am Dienstag telefonisch nicht zu erreichen. Die Internetseite des Zirkusunternehmens ist derzeit abgeschaltet. In Ockstadt, wo sich die Familie Renz vor 13 Jahren auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot angesiedelt hat, hieß es, man habe »keine Ahnung« und wolle dazu »auch nichts sagen«.

Immer wieder sorgte der Zirkus Universal Renz zuletzt für Negativschlagzeilen. Mal ging es um die Elefantenkuh Maja, die nach einer Erkrankung starb, mal um einen Braunbären, der bei einem Gastspiel in Kassel ausriss, einen Polizisten anfiel und erschossen werden musste. Zuletzt sorgte Daniel Renz’ Bruder René, Betreiber der Ockstädter Alligatorenfarm, für einen Aufschrei unter Tierschützern, nachdem die Elefantenkuh Mädi nach offenbar strapaziöser Reise bei einem Gastspiel in Estland verendete.

»Ein Gastspiel der besonderen Art gab Daniel Renz am Montag am Amtsgericht«, schreibt die WAZ. Der 46-Jährige versuchte den Richter in Duisburg von seiner Unschuld zu überzeugen, was aber nicht gelang. Am 2. Januar soll Renz, der mehrfach vorbestraft ist, einem Zirkusbesucher ins Gesicht geschlagen und in die Rippen getreten haben. Der Besucher, ein 41-jähriger Mann, hatte eine Zirkus-Freikarte an eine ihm unbekannte Person verschenkt, die gerade Eintrittskarten kaufen wollte. Wie ein Zeuge vor Gericht sagte, sei das Personal an der Kasse darüber erbost gewesen. Schließlich sei ein Mann in einer schwarz-goldenen Uniform erschienen und habe nach einem kurzen Disput zugeschlagen. Später identifizierte das Opfer Daniel Renz über Fotos im Internet.

Daniel Renz beteuerte laut WAZ seine Unschuld, habe aber auch nicht sagen können, wer der Schläger war. Letztlich hielt das Gericht die Darstellung des Opfers für glaubhafter und verurteilte Renz wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Zudem muss er 50 Sozialstunden leisten. Laut dem Amtsgericht Friedberg hat Renz am vergangenen Samstag Privatinsolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Tim Schneider aus Fernwald bestellt.

»Die Skandale des Zirkus Renz nehmen einfach kein Ende«, kommentiert der Sprecher der Wetterauer Grünen Marcus Stadler die Meldung von der Verurteilung und der Pleite des Unternehmens. »Das Versagen von Schwarz-Gelb in der Tierschutzgesetzgebung schlägt jetzt mit aller Härte zu«, erläutert der Landtagskandidat, der sich Sorgen um die Tiere macht: »Trotz der Festschreibung des Tierschutzes im Grundgesetz vor zehn Jahren sind Tiere bis heute rechtlich eine Sache. Das bedeutet, dass im Zuge einer Pleite ein Insolvenzverwalter zu bestellen ist, der die Verwaltung oder hier besser die Verantwortung übernimmt.« Doch dies könne dauern. »Dann müsste erst einmal der Kreis mit seinem Veterinäramt ran. Der korrekte Weg wäre die Verbringung zur Versorgung ins kreiseigene Tierheim in Rödgen, das ja eine vorbildliche Wildtierauffangstation besitzt.« Doch ist es laut Stadler »mehr als utopisch anzunehmen, dass hier die zwei afrikanischen Elefanten Baby und Mausi oder gar die Tiger Unterschlupf finden«.

Stadler kritisiert auch, dass das Veterinäramt des Wetteraukreises Renz nicht die Genehmigung zur Zurschaustellung von Tieren entzogen hat – »trotz früher bekannter Verurteilungen und zahlreicher Einträge über Tierschutzvergehen«. Wenn zudem die wirtschaftliche Zuverlässigkeit der Person nicht gegeben sei, was die Pleite nun bestätige, könnten auf den Kreis »sehr hohe Versorgungskosten zukommen«, schreibt Stadler.

»Schickt die Dickhäuter in Rente«

Der Grünen-Politiker begrüßt, dass immer mehr Kommunen Auftrittsverbote für Wildtier-Zirkusse erlassen. »Alte arthritische Elefanten mit psychischen Störungen aufgrund ihrer lang andauernden falschen Haltung finden immer weniger Menschen kurzweilig und lustig.« Es sei längst überfällig, diese Missstände bundesweit zu verbieten. Doch solange das zuständige Ministerium von der CSU geführt werde, sei kein Wandel in Sicht. Stadler will bei einer tiergerechten Lösung behilflich sein. »Es muss schnellstmöglich ein Plan her, der die artgerechte Versorgung der Tiere von Daniel Renz sicherstellt. Die Tiere an den nächstbesten Zirkus weiter zu verkaufen, ist von allen die schlechteste Lösung.« Stattdessen müssten Altersruhesitze für die Tiere gefunden werden. Stadler: »Schickt die Dickhäuter endlich in Rente.«

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