16. August 2013, 15:48 Uhr

Unzertrennlich: Nico und sein Diabetikerwarnhund

Friedberg-Ockstadt (har). Wenn der neunjährige Nico Kaiser erkrankt, kratzt und bellt sein Hund Luke. Stimmt etwas nicht, macht er schon mal nachts das Licht an und weckt die Familie. Der Australien Shepherd ist ein richtiger Lebensretter, denn sein Herrchen ist an Diabetes Typ I erkrankt. Luke wurde zum Diabetikerwarnhund ausgebildet.
16. August 2013, 15:48 Uhr
»Jetzt kann ich alleine draußen spielen«: Nico und Diabetikerwarnhund Luke sind ein tolles Team. (Foto: har)

Eine kostspielige Sache, doch die Familie Kaiser bekam von vielen Seiten Unterstützung. So zahlt der Rotary Club Bad Nauheim/Friedberg in den kommenden Monaten das Futter von Luke, ein Tierarzt aus Butzbach, ebenfalls Rotary-Mitglied, übernimmt die fälligen Impfungen kostenlos.

Nico und Luke sind unzertrennlich. Doch es ist mehr als Freundschaft, was die beiden verbindet. »Nico fühlt und spürt seine Unterzuckerung nicht«, erzählt Vater Steffen, der die Diabetes-Kinderselbsthilfegruppe im Wetteraukreis leitet und Jugendleiter im Landesverband des Deutschen Diabetiker Bund ist. Kinder lassen sich oft schwer auf die richtige Insulinmenge einstellen. Bei Unterzuckerung stößt der Körper den Stoff Azeton aus. Diabeteswarnhunde wie Luke bemerken den veränderten Geruch ihrer Besitzer, melden das und werden so zu Lebensrettern.

»Nico wird bei einer Unterzuckerung käseweiß, aber er wurde noch nie ohnmächtig«, erzählen Vater Steffen und Mutter Stephanie. Seit fast acht Jahren bestimmt die Diabeteserkrankung das Leben der Familie Kaiser. Im Oktober 2005 wurde bei Nicos vier Jahre älterer Schwester Lena Diabetes Typ I festgestellt, ein halbes Jahr später folgte bei Nico diese Diagnose. Da dachte noch niemand in der Familie daran, einen Diabeteswarnhund anzuschaffen, zumal es da schon die zwölfjährige Mini-Yorki-Pekinesen-Mischling Sissi gibt.

Suche nach einem Hund

Eine Reportage im Fernsehen über Diabetikerwarnhunde, die Nico vor knapp zwei Jahren sah, gab den Ausschlag. »Da kann ich alleine draußen spielen und habe jemanden, der auf mich aufpasst«, stellte er fest. Die Familie recherchierte im Internet und stieß auf das »Hundezentrum im MKK« von Lisa Giesel in Hanau-Mittelbuchen. Nur bestimmte Rassen eigneten sich für eine Ausbildung zum Diabetikerwarnhund, erfuhr Steffen Kaiser. Auch sollte der Hund nicht ängstlich oder aggressiv sein, Spieltrieb besitzen, lernbegierig sein und keinen Schutztrieb besitzen. Die Familie entschied sich für einen Australian Shepherd und fand mit der Familie Hammer aus Mittelhof im Westerwald einen Züchter. An das erste Telefongespräch erinnert sich Steffen Kaiser noch genau. »Frau Hammer sagte mir, sie hätte drei Welpen, aber nur einer käme für die Ausbildung in Frage.« Als die Kaisers dann nach Mittelhof fuhren, geschah etwas »Einmaliges«, wie Muter Stephanie sagt: »Der Zwinger wurde geöffnet, Luke lief sofort auf Nico zu und die beiden waren die nächsten drei Stunden unzertrennlich.«

Einsatz in der Schule

Am Karfreitag letzten Jahres wurde Luke nach Ockstadt geholt. »Das war für mich das schönste Ostergeschenk«, erzählt Nico. Als Luke neun Monate alt war, begann im Oktober die Ausbildung bei Lisa Giesel in Hanau. Luke entpuppte sich schnell als Glücksfall. Schon nach vier Wochen schlug er zum ersten Mal auf ein T-Shirt an, das Nico bei einer Unterzuckerung getragen hat. »Das war unglaublich früh«, erzählt Vater Steffen. Doch Luke überraschte die Familie noch mehr: So schlug er bereits mehrmals bei einer Unterzuckerungen von Tochter Lena an und sogar beim Opa, der an Diabetes II erkrankt ist, hat Luke schon gebellt. »Er erkennt sogar schon Überzuckerungen. Das ist normalerweise erst nach gut einem Jahr Ausbildung der Fall.« Noch ist der 20 Monate alte Hund recht verspielt, doch er wird immer ruhiger. Im Herbst soll Nico den Hund in die Schule mitnehmen. »Derzeit würde Luke den Unterricht kräftig aufmischen«, lacht Stephanie Kaiser.

Hohe Kosten

Der ideale Hund war also gefunden, doch was blieb, waren erhebliche Kosten für Anschaffung und Ausbildung. Unterstützung gab es vom Ausbildungsteam des Hundesportvereins Ockstadt. »Wir sind Franz und Maria Reimche und allen im Verein sehr dankbar«, sagt Steffen Kaiser. Er schrieb zahlreiche gemeinnützige Organisationen an, bat um finanzielle Unterstützung. Alleine die Ausbildung des Hundes kostet 4000 Euro. Zunächst aber hagelte es Absagen. Die Wende kam am 22. Dezember in Form eines Briefes der »Aktion Kindertraum«. Die erfüllt nicht nur die Herzenswünsche schwer erkrankter Kinder, sondern übernimmt auch Kosten für Maßnahmen, die nicht vom Staat oder den Krankenkassen getragen werden. Der Verein mit Sitz in Hannover übernahm die gesamten Ausbildungskosten. »Das war das schönste Weihnachtsgeschenk«, erzählt Nico, der nach den Ferien die 4. Klasse der Ockstädter Grundschule besucht.

Vor kurzem meldete sich der Rotary-Club Bad Nauheim/Friedberg. Der damalige Präsident Wolfgang Fertsch und sein Vorstand beschlossen, eine Patenschaft für Luke zu übernehmen und die Kosten für das Hundefutter in den kommenden Monate zu tragen. Der Beschluss wurde auch vom amtierenden Präsidenten Prof. Hans Rückert mitgetragen. Zusätzlich erklärte sich Tierarzt Dr. Henrik Hofmann aus Butzbach, ebenfalls Mitglied des Rotary Clubs, bereit, die anfallenden Impfungen kostenlos durchzuführen.

»Wir danken einfach allen, die uns unterstützen«, sagt Steffen Kaiser. Wer Nico und Luke einmal sehen und mehr über einen Diabetikerwarnhund wissen will, sollte am 21. September zum Stand des Deutschen Diabetiker Bundes und der Kinderselbsthilfegruppe auf der »Selbsthilfemeile« in Bad Nauheim kommen. Hundetrainerin Lisa Giesel wird dort über ihre Arbeit berichten. Mehr Informationen, auch über die Kinderselbsthilfegruppe, der 14 Familien aus der Wetterau angehören, gibt es bei Steffen Kaiser, Tel. 0 60 31/6 49 22 oder per E-Mail an kaiser.-steffen@web.de.

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