28. November 2012, 17:53 Uhr

Baustellen-Ärger: Suche nach Verbesserungen

Friedberg (jw). »Wir wollen den Zustand der Baustelle bis Weihnachten verbessern.« Nachdem die WZ am Mittwoch über den Ärger der Firmen im Industriegebiet Nord berichtet hatte, waren noch am gleichen Tag der Baubevollmächtigte Gerth Walther von der Deges GmbH sowie Mitarbeiter des städtischen Bauamtes vor Ort.
28. November 2012, 17:53 Uhr
Abrissarbeiten: Das Wasser der Usa wird derzeit in Höhe der Gießener Straße durch zwei Röhren geleitet, die Brücke wird fast komplett erneuert. (Foto: nic)

Die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) ist von Hessen Mobil mit der Bauüberwachung der Brückenerneuerung in der Gießener Straße betraut worden. Da die Brücke seit Oktober und noch bis Ende April geschlossen bleibt und die Ausschilderung der Baustelle viele Kunden davon abhält, überhaupt ins Industriegebiet an der Gießener Straße zu fahren, klagen die dortigen Firmen über hohe Umsatzeinbußen.

Ein Hauptkritikpunkt der Firmen sind die beiden Absperrbaken an der (weiterhin offenen) Zufahrt zum Industriegebiet im Norden (am B 3-Zubringer). »Die Baken waren zu Beginn der Bauarbeiten durchaus sinnvoll. Ohne sie wären alle Verkehrsteilnehmer weiter in die Gießener Straße gefahren«, sagte Stefan Hodes von Hessen Mobil. Und dort hätten sie dann vor der abgesperrten Usabrücke gestanden. Der Pressesprecher weiß aber auch, dass sich die Situation mittlerweile entspannt hat. So einfach entfernen lassen sich die Baken nicht. Hodes: »Die Baken sind Teil der verkehrsrechtlichen Anlagen rund um die Baustelle und mit verschiedenen Behörden abgestimmt. Wir werden jetzt das Gespräch mit allen Beteiligten suchen, um zu einer Lösung zu kommen.«

Laut Gerth Walther (Deges) wird sich die Brückensanierung noch bis ins Frühjahr hinziehen, auch wenn es sich »um eine für unsere Verhältnisse kleinere Baustelle handelt«. Die Deges, eine hundertprozentige Tochter der Bundesrepublik und der Länder, betreut derzeit in Hessen unter anderem den Bau der Ortsumgehung Wöllstadt, aber auch die Sanierung der Lahnbrücke in Limburg und der Karl-Ulrich-Brücke zwischen Offenbach und Frankfurt-Fechenheim. Dagegen ist die in den 1930er-Jahren errichtete Usabrücke in Friedberg ein »kleiner Fisch«. Dennoch muss viel getan werden. Zunächst wurde das Wasser in zwei große Röhren umgeleitet. Die Unterseite der Brücke wird derzeit saniert, hier muss ein Stahlprofil eingebracht werden, die Fundamente und das Mauerwerk werden ebenso erneuert wie der Deckenbelag. Laut einem Gutachten von Hessen Mobil war die Brücke nicht mehr tragfähig. Ist sie saniert, trägt sie wieder bis zu 60 Tonnen.

Zwischen 10 und 15 Bauarbeiter sind täglich an der Baustelle beschäftigt. Walther: »Die Arbeiter tun ihr Möglichstes. Aber wenn’s Frost gibt, bekommen wir Probleme.« Ein weiterer Kritikpunkt der Firmen ist die Sauberkeit der Baustelle. Dafür ist die Stadt zuständig, die – bevor Hessen Mobil die Decke der Gießener Straße erneuern lässt – derzeit neue Kanäle verlegt.

Mitarbeiter des Stadtbauamtes waren am Mittwochnachmittag vor Ort. Wie Bürgermeister Michael Keller sagte, seien die Arbeiten in Kürze beendet. Beschwerden über Schmutz habe es im Rathaus bislang nicht gegeben. Die Verschmutzung gebe es nur punktuell und je nach Witterung. »Wenn es Beschwerden gab, dann wegen der ausbleibenden Kundenfrequenz.« Auch Keller hält es nicht für sinnvoll, das Industriegebiet Nord mit den Baken weiterhin quasi abzusperren. »Tatsächlich ist nur die Durchfahrt gesperrt. Durch die Baken entsteht aber der Eindruck, man könne überhaupt nicht in die Gießener Straße fahren.« Das müsse geändert werden.

Raiffeisenmarkt bangt um Kunden

Dass mehrere Bauarbeiten gleichzeitig laufen – auch dies war kritisiert worden –, lässt sich laut Keller nicht vermeiden. »Wenn Hessen Mobil im März die Straßenoberfläche neu anlegen lässt, müssen wir vorher den Kanal verlegen. Sonst reißen wir nachher eine fertige Straße wieder auf.« Keller hat versprochen, den Firmen bei der Aufstellung von Schilderbäumen, mit denen die Unternehmen für sich werben können, zu helfen. »Ich habe bereits den Kontakt zur Aktionsgemeinschaft Friedberg-Nord gesucht.«

Der Knackpunkt bei der Sache: Die Werbeschilder werden die Firmen wohl aus eigener Tasche zahlen müssen. »Dass dies auf unsere Kosten geht, finde ich nicht gerade toll«, drückt sich Rüdiger Hartmann, Leiter des Raiffeisen-Marktes an den 24 Hallen, diplomatisch aus. »Wir haben aufgrund der Baustelle bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang, wegen der Sperrung kommen kaum noch Kunden. Da sollten uns die Behörden schon mal unter die Arme greifen. « Werbeschilder, die Hartmann auf eigene Kosten aufhängen ließ, wurden nach wenigen Tagen entfernt. Als die WZ vor Ort war, stand eines der Schilder in zerknautschtem Zustand hinter einer Absperrung – für potenzielle Kunden nicht sicht- und wahrnehmbar. Der Futterverkauf ist deutlich zurückgegangen. Im Frühjahr decken sich Garten- und Balkonbesitzer mit neuen Pflanzen und Dünger ein. Hartmann hofft, dass sich die Situation dann verbessert hat und die Kunden wieder vermehrt kommen, trotz der Baustelle.

Für den Raiffeisenmarkt wie auch für den Reifendienst gibt es seit Mittwoch ein weiteres Problem. Hinter den 24 Hallen beginnen demnächst die Arbeiten an der Kinderfarm Jimbala. Unter den 24 Hallen wurden deshalb Bauzäune aufgestellt. Hartmann: »Jetzt können die zum Teil sehr langen Lkw, die uns mit Waren beliefern, dort nicht mehr oder nur noch sehr schlecht drehen.«

»Für die Firmen ist die Baustelle ruinös«

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