30. August 2011, 12:05 Uhr

Zur Bürgermeisterwahl: WZ stellt Michael Keller vor

Friedberg (hau). Am kommenden Sonntag, 4. September, wird der Bürgermeister gewählt. Die WZ stellt die beiden Kandidaten – Michael Keller (SPD) und Sven Weiberg (Die Linke) – aus einer etwas anderen als der rein politischen Perspektive vor.
30. August 2011, 12:05 Uhr
Amtsinhaber Michael Keller auf einem seiner vier »Ks«, die er als Hauptaufgabenfeld in den nächsten Jahren sieht, der Kaiserstraße. (Foto: hau)

»Ah, so ein Klassenzimmer hätte ich auch gerne gehabt!« Offen geht Michael Keller auf die Schulklasse zu, die sich für ihren Deutschunterricht auf dem »größten Balkon der Wetterau« im Burggarten gemütlich eingerichtet hat. »Sie sind auf Urlaub hier?«, fragt die Lehrerin. Kurzes Stutzen, dann Lachen: »Nein, ich bin der Bürgermeister.« »Oh, entschuldigen Sie bitte, ich bin nicht von hier.« Dass man ihn auf der Straße nicht erkennt, passiert Friedbergs Rathauschef selten. Mit der sparsamen Plakatierung im Bürgermeisterwahlkampf ist die Ausnahme auch nicht zu erklären. »Eigentlich habe ich ja seit sechs Jahren Wahlkampf, da spielen die letzten drei Wochen nicht die große Rolle«, schätzt Keller. Er fände es höchst bedauerlich, wenn die Wahlbeteiligung so niedrig ausfiele wie derzeit bei nur zwei Kandidaten befürchtet. »Es geht um was: um die Zukunft unserer Stadt«, betont Keller. Gerne würde er weiterführen, was er als Kulturamtsleiter, als Erster Stadtrat und in den letzten sechs Jahren – nach dem dritten Anlauf – als Bürgermeister vorangebracht habe. Auf viele Bereiche in seiner Stadt ist Keller stolz. »Der Klosterbau ist mein Kind«, denkt er beispielsweise zurück an die »Revitalisierung einer Ruine« und an die Zusammenlegung von Bibliothek und Archiv. »So etwas geht aber nur gemeinsam«, betont er. »Seit über 40 Jahren begleite ich die kommunalen Belange und war immer am Ball, mal mehr und mal weniger«, sagt Keller. Und: »Allein kann man keine Großbrände löschen, nicht für die Würde des Menschen kämpfen, dem Adolfsturm seine Wetterfahne zurückgeben, das Alte Hallenbad oder den Turm auf dem Winterstein wieder aufbauen«, betont Keller seine Hoffnung auf eine hohe Wahlbeteiligung mündiger Bürger.

Stets in Bewegung

Geboren drei Tage vor dem Heiligen Abend des Jahres 1949 im Bürgerhospital, hat es Keller in seiner Heimatstadt gehalten. Als er die Volksschule besuchte, war die Adolf-Reichwein-Schule noch ganz neu – »ein gut gelungener Schulbau und die erste Volksschule nach der Musterschule«, erinnert sich Keller. Nach dem Abitur 1968 an der Augustinerschule studierte er Geschichte und Politikwissenschaften in Gießen, legte seine beiden Staatsexamen ab und setzte sich fortan für Friedberg ein.

»Damals lag einfach Politik in der Luft«, erzählt Keller von seiner Prägung durch Willy Brandt, durch den Kampf um mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit – und von der Polarisierung durch Brandt und Strauß. »Das hat alle bewegt«, stellt er fest, »heute sind DAX-Werte oder König Fußball viel zu stark in den Vordergrund gerückt.«

Natürlich bedeute das Amt eine große Herausforderung und Kraftanstrengung. »Disziplin und Konzentration muss man schon haben – und den Überblick behalten«, hält Keller nichts davon, sich zu sehr zu verengen. Ihm sei körperliche und geistige Bewegung seit jeher wichtig. Mit großer Konsequenz ist Keller mit seiner Frau Susanne laufenderweise unterwegs, auf dem Mountainbike oder am liebsten mit dem Rennrad »auf Sause durch Wetterau und Taunus«, aber auch jeden Herbst am Comer See.

Geistige Bewegung verschafft Keller sich am liebsten beim Lesen, bei Kulturveranstaltungen, Kinobesuchen oder beim Musik hören. »Man will ja nicht dümmer werden«, erzählt er, wohl »buchlastig« zu sein und gerade die Hindenburg-Biografie gelesen zu haben. Nicht ganz nachvollziehen könne seine Frau sein Faible für den »Herrn der Ringe«. Den habe er immer wieder gelesen und sich auch drei Filmversionen angeschaut. »Auch Avatar fand ich berauschend.« Als Chef der Volksbühne hänge sein Herz besonders am Theater. Als herausragendes musikalisches Erlebnis hat er die letztjährigen »Carmina Burana« im Zirkuszelt in Erinnerung.

»Auch Reisen bildet«

»Auch Reisen bildet«, fallen Michael Keller große Reisen mit seiner Frau nach Australien oder Kalifornien, zum Mount Everest, nach Hongkong, Bali oder Nepal ein. Wie klein Europa ist und »wie gelassen man wird, wenn man sieht, wie andere leben«, empfindet Keller als wichtigen Blick über den eigenen Tellerrand. Zugleich habe man sich mitunter auf den »Spuren der Söhne« bewegt: Benjamin (27) und Dominik (24) haben sich beide fürs »Business«-Studium entschieden, mitunter am »anderen Ende der Erde«. »Zudem leisten wir uns einen schönen Garten«, freut sich Keller über den Ausgleich zum intensiven Bürgermeisteramt. »Ohne die familiäre Unterstützung ginge das gar nicht.« »Ich bin gerne bei den Menschen«, findet Keller es klasse, wenn es bei Hausbesuchen anlässlich von Geburtstagen oder Jubiläen »in Richtung Bürgerversammlung geht«. »Ich bin kritikfähig und helfe wo ich kann«, legt Keller Wert darauf, dass sein Zimmer im Rathaus immer offen ist für jeden, der Rat sucht. Schwerpunkte seien die vier Kellerschen »Ks«: »Kaserne, Kaiserstraße, Klima, Kinder«. Zusammen mit der Verwaltung und Friedbergs Bürgern wolle er die Stadt weiter voranbringen. »Die Wähler täten Herrn Keller und der Stadt gut, wenn sie am Sonntag fünf Minuten fürs Wahlbüro einsetzten.«

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