29. Juli 2011, 13:05 Uhr

Ein Zwölf-Familienhaus als erster Schritt

Friedberg (ini/ütz). Das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Fauerbach bietet an der Fritz-Reuter-Straße und entlang der Fauerbacher Straße keinen schönen Anblick. Dort breitet sich großflächig Brachland aus, bewachsen von Gestrüpp und Gras. Einzig ein Schild einer Immobilienfirma zeugt davon, dass es für das Gelände Pläne zur Verwertung gibt. Ist das Gelände eine Investitionsruine? »Nein«, erklärt Dieter Rose, kaufmännischer Leiter der Firma Bücher.
29. Juli 2011, 13:05 Uhr
Die Lücke zwischen vorhandener Bebauung und Kindergarten soll ab Herbst geschlossen werden. (Foto: Nici Merz)

»Eine Weile haben wir nichts gemacht, doch jetzt geht es wieder weiter.«

Das Idsteiner Immobilienunternehmen ist seit den 1990er Jahren Eigentümer des Areals der ehemaligen Zuckerfabrik. 1994 wurden im nördlichen Teil die ersten Häuser an der Fauerbacher Straße gebaut, die heute längst zum Stadtbild am Friedhof gehören. 150 Wohnungen und der Kindergarten gehörten zum ersten Bauabschnitt, der 2000 fertiggestellt wurde. Die Bebauung macht derzeit etwa ein Drittel der Fläche aus.

Der Eigentümer der Firma, Dietmar Bücher, hatte schon damals erklärt, man werde nur so viel bauen, wie man auch verkaufen könne. So geschah es auch. Aufgrund der sich immer mehr verschlechternden Lage auf dem Immobilienmarkt geschah nun elf Jahre lang nichts. Das Unternehmen hatte zwischenzeitlich bei der Stadt nachgefragt, ob man nicht den Bebauungsplan - er sieht nur Wohnbebauung vor - ändern und Verbrauchermärkte an der Ecke Fritz-Reuter-Straße/Fauerbacher Straße errichten könnte. Die Stadt hatte dies abgelehnt; die Märkte - Tegut, Lidl und Futterhaus - stehen auf dem Gelände der früheren Firma Schwarz & Ulrich. Der Rest des Zuckerfabrikgeländes blieb also weiter unbebaut. »Wir hatten eine längere Durststrecke«, sagt Rose.

Eigentumswohnungen entstehen

Aber das soll sich ändern. Wie Rose berichtet, soll im Herbst mit dem Bau eines Zwölf-Familienhauses begonnen werden, das die Lücke zwischen den vorhandenen Häusern und dem Kindergarten im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Zuckerfabrik schließen soll. Auch eine Straße wird gebaut, und Parkplätze werden in einer Tiefgarage geschaffen. Entstehen werden - wie gehabt - Eigentumswohnungen für, so Rose, »gutbürgerliches Klientel«, also keine Luxuswohnungen, aber auch keine »Baracken«.

Der Grundsatz von Firmeninhaber Bücher gelte weiter: »Die Bebauung erfolgt Stück um Stück«, so Rose. Wieso gerade jetzt weitergebaut wird? Das habe auch mit den hohen Staatsverschuldungen, beispielsweise von Griechenland, zu tun. Rose: »Die Leute neigen derzeit mehr dazu, ihr Geld wieder in Sachwerten anzulegen.« Wann es es nach dem Zwölf-Familienhaus weitergeht, vermag Rose nicht zu sagen. Nach wie vor gelte der Grundsatz von Firmeninhaber Bücher, nur dann zu bauen, wenn es die Marktlage hergibt. Es kann also noch einige zeit vergehen, bis das rund 50 000 Quadratmeter große Areal der Zuckerfabrik komplett bebaut ist.

Einst glanzvolle Zeiten der Zuckerfabrik

Die Zuckerfabrik gab 100 Jahre lang zahlreichen Menschen Arbeit und war einer der Gründe für den Ausbau des Güterbahnhofs, der zu einem der bedeutendsten in der Region wurde. Die Aktien-Zuckerfabrik Wetterau wurde 1882 vom Fürstlich Stolbergischen Hüttenamt in Isenburg im Harz gegründet. Das Aktienkapital betrug bei der Gründung 835 200 Mark. 1894 und 1910 bis 1914 wurde die Fabrik erweitert. Statt bis dahin eine Million Zentner Zuckerrüben konnte nun das Doppelte verarbeitet werden. 1938 wurde eine Kartoffelflockenfabrik angegliedert.

Bei den Bombenangriffen auf Friedberg in den Jahren 1944 und 1945 wurde auch die Zuckerfabrik stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurde zu etwa 60 Prozent zerstört, nach dem Krieg aber wieder aufgebaut und in den folgenden zwei Jahrzehnten wiederum erweitert. Das Aus kam 1982, genau 100 Jahre nach ihrer Gründung. Die Aktien-Zuckerfabrik Wetterau wurde der Südzucker AG eingegliedert; die Fabrikgebäude in den Folgejahren abgerissen.

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