16. Februar 2011, 19:08 Uhr

Vor der Schule rasch noch ein Massaker

Friedberg (jw). Vor der ersten Schulstunde wird noch rasch ein Massaker im Flughafen angerichtet: MPs knattern, Menschen schreien, Blut spritzt, bis alle Passanten dahingemetzelt sind. Schöne neue Medienwelt. Wissen Eltern, was ihre Kinder im Internet treiben?
16. Februar 2011, 19:08 Uhr
Gewaltexzesse in Computerspielen, Pornos und Mobbing: Das Internet birgt viele Gefahren, von denen die Eltern oft nichts wissen. (Foto: pv)

Friedberg (jw). Vor der ersten Schulstunde wird noch rasch ein Massaker im Flughafen angerichtet: MPs knattern, Menschen schreien, Blut spritzt, bis alle Passanten dahingemetzelt sind. Schöne neue Medienwelt. Wissen Eltern, was ihre Kinder im Internet treiben? »Die meisten wissen es nicht«, sagt Günter Steppich. Am Dienstagabend sprach der IT-Fachberater für Jugendmedienschutz beim Kultusministerium vor rund 600 Eltern aller Friedberger Schulen in der Stadthalle zum Thema »Risiken der Neuen Medien«. Mit teils erschreckenden Bildern, Statistiken und Fakten verdeutlichte Steppich, dass die »Generation Kassettenrekorder« - die Eltern - in den meisten Fällen nicht weiß, was die »digitalen Eingeborenen« - ihre Kinder - vor dem Computer treiben. Es geht um Gewaltspiele, sexuelle Praktiken in allen nur erdenklichen Spielarten, um Mobbing, Spielesucht, die völlige Offenlegung der Privatsphäre und um einen rapiden Leistungsabfall der Kinder in der Schule.

Zwei Stunden konfrontierte Steppich Eltern und Lehrer mit Fakten, die einem Spam-Gewitter gleichkamen - doch diese Nachrichten lassen sich nicht einfach im elektronischen Mülleimer versenken. Das Kürzel »www« bedeutet für Steppich, wann, wie lange und welche Websites die Kinder aufrufen. Viele Eltern sind ahnungslos. Sie wissen nicht, was File-Sharing ist (mehr oder weniger kostenspieliges Herunterladen von Liedern), Begriffe wie »Happy Slapping« (Passanten werden grundlos geschlagen, Schüler filmen mit Handys) oder »Snuff Video« (Filmen eines Mordes) sind für sie Fremdwörter. Für viele Kinder gehören sie zum Alltag.

Laut einer Umfrage halten 80 Prozent der Eltern die Computer- und Handynutzung ihrer Kinder für unproblematisch. 80 Prozent der 12- bis 19-Jährigen sagen, ihre Eltern hätten keine Ahnung von neuen Medien, genauso viele Jugendliche haben unangenehme Erfahrungen im Internet gemacht - mit Datenouting, sexueller Belästigung, Extremismus, Magersuchtwebsites und so weiter. Pornos würden von vielen Jungen als »Betriebsanleitung« verstanden, sagte Steppich. Dies gilt auch für Gewaltexzesse in Spielen. Die US-Armee hat früher die Tötungsbereitschaft der Soldaten von 30 auf 75 Prozent erhöht, indem sie den Soldaten virtuelle Trainingsmethoden zur Verfügung stellte. »Kein Amokläufer hat diese Spiele nicht gespielt«, verdeutlichte Steppich, dass Ballerspiele bei exzessiver Nutzung die Gewaltbereitschaft anfeuern. Altersfreigaben? Werden nicht beachtet. Spielekonsolen? Dienen als Babysitter. SchülerVZ und Facebook? Funktionieren wie »Datenkraken«, die auf ein »Leben im virtuellen Glashaus« zielen. E-Mail-Adressen mit Namen und Geburtsjahr, Fotos von Mädchen in Bikini, Angaben über Wohnort und Hobbys - »da freut sich der Pädophile«, so Steppich.

Neueste Masche: Online-Mobbing

Die neueste Masche heißt Online-Mobbing. Auf Internetseiten werden Kinder angestiftet, über Mitschüler oder Lehrer herzuziehen. Steppich schilderte drastische Beispiele, auch bezüglich der Konsequenzen: In vielen Fällen seien es die Opfer, die aus der Klasse genommen werden müssten. »Wir brauchen mehr qualifizierte Computernutzung in der Schule und mehr Kontrolle zu Hause«, sagte Steppich. Acht Schulen hatten zu dem Vortrag eingeladen, den Ursula Brandt-Sandkühler, Koordinatorin für Gewaltprävention an der Augustinerschule, mit dem Bildungsforum des Stadtmarketings organisiert hatte. »Wir wollen aufklären und setzen das in der Schule fort«, sagte Brandt-Sandkühler. »Das Interesse ist so groß, wie wir uns das gewünscht haben«, meinte Bürgermeister Michael Keller.

Sicheres Internet

Der IT-Fachberater und Lehrer Günter Steppich verrät auf der Internetseite www.medien-sicher.de, wie Eltern ihre Kinder vor den zahlreichen Gefahren im Internet schützen können. Hier gibt es auch das Handbuch zum Vortrag und einen Link zum Vortrag, der in 17 Folgen auf dem Videoportal Youtube zu sehen ist. Die wichtigsten Ratschläge:

- keine Bildschirme und Onlinezugänge im Kinderzimmer;

- bildschirmfreie Hobbys wie Sport oder Musik fördern;

- Kinder nicht nicht unkontrolliert surfen lassen;

- keine unkontrollierte und unbegrenzte Nutzung von mobilen Geräten (WLAN, Bluetooth im iPod-Touch);

- Kinder- und Jugendschutzsoftware nutzen (fragfinn.de, jugendschutzprogramm.de);

- keine Administratorrechte für Kinder am PC;

- Eltern sollten sich mit PC und Handy vertraut machen;

- Eltern sollten klare Nutzungsregeln festlegen;

- Eltern sollten sich an Altersfreigaben und das Jugendschutzgesetz halten.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Eltern
  • Facebook
  • Flughäfen
  • Internet
  • Massaker
  • Michael Keller
  • Musikverein Griedel
  • SchülerVZ
  • YouTube
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.