19. Februar 2016, 18:23 Uhr

Clinch zwischen Veterinäramtsleiter und Peta eskaliert

Wetteraukreis (bk). Im Clinch liegen der Leiter des Wetterauer Fachdienstes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung, Dr. Rudolf Müller, und die Tierschutzorganisation Peta seit Jahren.
19. Februar 2016, 18:23 Uhr
Dr. Rudolf Müller (Foto: Red)

Die Kontrahenten streiten gerne, wobei es nicht zuletzt um die Haltungsbedingungen von Zirkus-Tieren geht. Jetzt ist die Auseinandersetzung eskaliert, weil Müller die Tierschützer in einer E-Mail als »Faschisten« bezeichnet hat. Peta-Pressesprecherin Jana Fuhrmann ist empört, die Organisation hat Anzeige wegen Beleidigung bei der Staatsanwaltschaft Gießen erstattet. Zudem wurde beim Innen- und beim Umweltministerium Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Amtsleiter eingereicht. »Wir fordern seine sofortige Suspendierung«, betont Fuhrmann. Dazu wird es nicht kommen, denn die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt, wie Sprecherin Dr. Julia Bussweiler bestätigt.

Wie Peta behauptet, habe Müller seine »Faschisten«-Äußerung per Rundmail an etwa 90 Personen verschickt, darunter Behördenmitarbeiter und Vertreter der Zirkus- und Zoobranche. Der Fachdienstleiter habe seinen dienstlichen Mail-Account und die Signatur als Leiter der Behörde verwandt. Diese Behauptung von Peta ist den Ermittlungsergebnissen zufolge falsch. »Es handelte sich zweifelsfrei um eine vertrauliche Mail, die von Dr. Müller an eine Person verschickt wurde. Auf unbekanntem Weg ist das Schreiben weitergeleitet worden«, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Laut Bussweiler ist der Tatbestand der Beleidigung nicht erfüllt. Müller habe sein »Werturteil« nur einer Person bekannt gemacht. Hätte es sich tatsächlich um eine Rundmail gehandelt, wäre eine Beleidigung in Frage gekommen. Auch dann, wenn Müller Vertreter von Peta im persönlichen Gespräch als »Faschisten« bezeichnet hätte.

Obwohl sich Müller somit nicht strafbar gemacht hat, üben die Tierschützer deutliche Kritik an dem Veterinärmediziner: »Die Entgleisung, Peta als Faschisten zu bezeichnen, ist der Gipfel von Rudolf Müllers langjährigen Bestrebungen, dem Tierschutz zu schaden. Er nutzt dafür sein Amt als Behördenleiter schamlos aus – obwohl er laut Beamtengesetz zur Neutralität verpflichtet ist. Müller ist eine Schande für das hessische Veterinärwesen«, sagt Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von Peta. Müller handele stets zugunsten von Tiernutzern, insbesondere von Zirkusbetrieben. Für die Jahre 2012, 2013 und 2015 wurde der Wetterauer Fachdienst deshalb von Peta zur »tierfeindlichsten Veterinärbehörde Deutschlands« gekürt. In diesem Zusammenhang verweist Peta auch auf einen Leserbrief Müllers in der WZ. Wie der Fachdienstleiter vor einem Jahr geschrieben hatte, veranstalteten radikale Tierschützer eine »Hexenjagd wie im Mittelalter« gegen Zirkusbetriebe, auch gegen gut geführte. Andere Meinungen, selbst wenn sie von Fachleuten kämen, würden nicht akzeptiert. Gegner würden von solchen »sogenannten Tierschutzorganisationen« beleidigt und sogar bedroht. Zu dem Vorwurf, Peta mit Faschisten gleichgesetzt zu haben, war von Müller am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Er macht Urlaub.

Unterstützung in ihrer Kritik an Müller erhält Peta von den Grünen. Der tierschutzpolitische Sprecher der Kreistagsfraktion, Marcus Stadler, zeigt sich »bestürzt, aber nicht überrascht« angesichts des neuerlichen Streits. Der Veterinärmediziner mache leider allzu häufig keinen Hehl aus seiner negativen Grundeinstellung gegenüber Tierschützern. Die Grünen fordern deshalb, einen Tierschutzbeauftragten fürs Veterinäramt einzustellen.

Konsequenzen wird die »vertrauliche Äußerung« Müllers für ihn sehr wahrscheinlich nicht haben. Das Umweltministerium erklärt, für disziplinarrechtliche Dinge sei der Landrat zuständig. Wie dessen Sprecher Michael Elsaß meint, stelle die Äußerung des Fachdienstleiters ausschließlich dessen persönliche Meinung dar. Mehr wollte Elsaß derzeit nicht sagen. (Foto: WZ-Archiv)

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