25. August 2014, 19:18 Uhr

Gute Ernte trotz warmen Winters

Wetteraukreis (ini). Hier und da sind noch Strohballen auf den Feldern zu sehen, doch meist weht der Wind über leere Stoppelfelder. Die Getreideernte in der Wetterau ist vorbei. Es war eine gute Ernte mit hohen Erträge, auch wenn die Qualität, vor allem des Weizens, nicht an die des vergangenen Jahres heranreicht.
25. August 2014, 19:18 Uhr
Das Getreide ist geerntet. Zeit für die Erntegespräche. (Foto: Jutta Martini)

Traditionsgemäß lädt die Beratungsstelle Friedberg des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) Ende August zusammen mit örtlichen Vereinen zu den »Wetterauer Erntegesprächen«. Hier wird über die Versuchsergebnisse des Versuchsstandortes Nieder-Weisel berichtet, und die Landwirte erhalten Empfehlungen für die Aussaat in der kommenden Saison.

Auf große Resonanz stieß das Erntegespräch vergangene Woche in Nieder-Mockstadt. Mehr als 100 Teilnehmer konnte Holger Starck, Vorsitzender des Vereins für Landwirtschaftliche Fortbildung Friedberg (VlF), begrüßen. Neben dem Referat von Rainer Cloos (LLH) hatten die Vorträge zu Änderungen in der EU-Agrarförderung und zur Entwicklung der Märkte mit Vermarktungstipps für die Landwirte für ein volles Haus in der Goldbachhalle gesorgt.

Cloos zeigte zunächst Wetterdaten der vergangenen Saison vom Herbst 2013 bis zum Sommer 2014 und erklärte die Besonderheiten der Witterung, die großen Anteil am Ertrag hatte. Geprägt war die Saison von großen Niederschlagsmengen im Herbst, einem Winter, »der nicht stattfand«, und Trockenheit im zeitigen Frühjahr. »Der exorbitant warme Winter hat uns große Probleme gebracht«, berichtete Cloos von Pflanzenkrankheiten wie Gelbrost, Braunrost oder Halmbruch (»Den hatten wir das erste Mal seit 20 Jahren«). Zudem mussten auf den Versuchsfeldern teils verminderte Wirkungen von Unkrautbekämpfungsmitteln festgestellt werden. Dennoch wurde sowohl mehr Wintergerste als auch Weizen im Vergleich zum Vorjahr geerntet.

Große Erntemengen, nicht nur beim Getreide, sondern auch bei den Ölfrüchten wie Raps (und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der Welt) setzen jedoch die Preise unter Druck. Das verdeutlichte Carl Offergeld von der RWZ Rhein-Main zusammen mit seinen Kollegen Frank Luckhardt und Ralf Gärtner. Doch nicht allein Erntemengen und Verbrauch spielten bei der Preisentwicklung eine Rolle, sondern auch Faktoren wie politische Unruhen, der Ölpreis, die Bevölkerungsentwicklung, der Klimawandel oder die internationalen Finanzmärkte. »Die Preise im vergangenen Jahr waren trotz einer guten Ernte relativ hoch. Es gab so viele Exporte wie noch nie«, zeigte Offergeld mit Schaubildern, wie gefragt deutscher Weizen war. Doch sei in diesem Jahr die Qualität schlechter; vor allem der Eiweißgehalt geringer. Entsprechend weniger erhielten die Landwirte für ihre Erzeugnisse. »Setzen Sie trotz des niedrigen Preisniveaus nicht alles auf eine Karte.« Der Fachmann riet zu Einlagerung und schrittweiser Vermarktung, je nach aktueller Preisentwicklung.

EU-Förderung wird umgestellt

Das schwierigste Thema bearbeitete Anna Mawick vom Landwirtschaftszentrum Eichhof des LLH. Die Agrarförderung der Europäischen Union spielt für die Landwirte eine große Rolle – und es stehen grundlegende Änderungen bevor. Mawick stellte die bisher bekannten Eckpunkte der neuen EU-Agrarförderung vor, die die bisherige Direktzahlungsregelung ab 2015 ablöst. Vieles, so wurde deutlich, ist noch nicht endgültig entschieden, so dass genaue Planungen für die individuellen Prämien für die Landwirte derzeit noch nicht möglich sind.

Die Betriebswirtschaftsberaterin erläuterte die Kleinerzeugerregelung, die Basisprämie, die Junglandwirtprämie und ging ausführlicher auf die Ökologisierungsprämie, das sogenannte Greening, ein. Die Ökologisierung werde ab 2015 gut 30 Prozent der Prämien ausmachen. Zu den Maßnahmen, die die Landwirte für die Prämie nachweisen müssten, gehörten Anbaudiversifizierung, Erhalt von Dauergrünland und die Schaffung ökologischer Vorrangflächen auf Ackerflächen. Mit Ersterem sollen reine Monokulturen verhindert werden. Ökologische Vorrangflächen müssten 5 Prozent der Ackerflächen ausmachen, erklärte Mawick. Dazu zählten unter anderem Landschaftselemente wie Feldgehölze, Wald- und Feldränder, Zwischenfruchtanbau und der Anbau stickstoffbindender und Eiweißpflanzen. »Konzentrieren Sie sich auf die ökologischen Vorrangflächen, die in ihrer Anwendung schon relativ klar sind«, riet Mawick angesichts der vielen Fragezeichen, die in der Verordnung noch enthalten sind. »2016 liegen dann hoffentlich alle notwendigen Regelungen vor.«

Wer die genauen Ergebnisse und Anbauempfehlungen des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen in Friedberg (LLH) hören will, hat dazu am morgigen Dienstag um 19 Uhr im Bürgerhaus in Ranstadt Gelegenheit.

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