17. Mai 2014, 15:58 Uhr

Biogasanlage in Florstadt wird nicht gebaut

Florstadt (kai). Paukenschlag in Florstadt: Die Biogasanlage wird nicht gebaut. Das gab Investor Juwi aus Wörrstadt am Freitag bekannt.
17. Mai 2014, 15:58 Uhr
Das Feld bleibt frei: Investor Juwi gibt bekannt, dass die EEG-Novelle das Projekt unwirtschaftlich macht. (Foto: Nicole Merz)

»Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und die damit einhergehenden nachteiligen Änderungen für die Biogasbranche machen einen wirtschaftlichen Betrieb der geplanten Anlage leider unmöglich«, heißt es in einer Pressemitteilung.

»Die Nachricht hat uns erschüttert, sie hat eingeschlagen wie eine Bombe«, sagt Herwig Marloff. Als Vorsitzender der Wetterauer Zuckerrübenanbauer hatte er sich für den Bau der Anlage eingesetzt. Über Südzucker, den Partner der Rübenanbauer, gab es Verträge, die die Abnahme für die Biogasproduktion zusicherten. »Das Projekt war als Pilotanlage geplant, in der hauptsächlich Zuckerrüben zu Gas vergoren werden sollten.« Mit der Aufgabe der Pläne verschlechtere sich die Situation der Anbauer in der Wetterau. »Wir haben mit die höchsten Zuckerrübenerträge in ganz Europa«, sagt Marloff. Durch die Anlage wären für ein Teil der Wetterauer Rüben die weiten Transportwege zu den Zuckerfabriken in Offstein und Wabern weggefallen. Marloff: »Mit der Biogas-Produktion wäre niemand zum Millionär geworden, aber die Anlage wäre ein Baustein gewesen, die Landwirtschaft breiter aufzustellen.«

Die Landwirte, die Zuckerrüben nach Florstadt liefern wollten, erhielten am Freitag Anrufe vom Investor, dass er sein Vorhaben aufgibt. Laut Marloff sind bei der Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Argumente der Landwirtschaft nicht beachtet worden. »Das Problem für uns ist, dass wir nicht mehr viele Alternativen haben.« Einen Schuldigen für das Scheitern des Projekts könne er nicht ausmachen. »Es ist die politische Großwetterlage.«

In seiner Mitteilung weißt Investor Juwi auf die Bedeutung der Biogasanlagen als zentraler Baustein der Energiewende hin. Die hohe Flexibilität von Biogas ergänze die Unwägbarkeiten bei der Produktion von klimafreundlichem Wind- und Sonnenstrom. »Trotz intensiver Bemühungen der Biogasbranche ist es nicht gelungen, den Gesetzgeber in Berlin umzustimmen«, heißt es. Die gesunkene Grundvergütung, der Wegfall des Bonus für nachwachsende Rohstoffe sowie der gestrichene Gasaufbereitungsbonus machten einen wirtschaftlichen Betrieb der geplanten Anlage in Florstadt unmöglich.

»Ich bin enttäuscht«, sagt der Florstädter Bürgermeister Herbert Unger (SPD). Es sei bedauerlich für die Wetterauer Landwirtschaft. Enttäuscht sei er von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der bei der EEG-Novellierung Schritte in die falsche Richtung zugelassen habe. »Jede Maßnahme gegen regenerative Energien bedeutet ein Schritt zurück zur Atomkraft«, findet Unger. Die Anlage in Florstadt an der Gemarkungsgrenze zu Dorn-Assenheim sei auf dem »großen Altar der Energiepolitik« geopfert worden. In allen Vorgesprächen mit Fachbehörden sei der Bau begrüßt worden, die Marschroute klar festgelegt gewesen. Das Aus sei mehr als bedauerlich. Damit seien die Verträge, die Juwi mit dem Grundstückseigentümer geschlossen habe, hinfällig. Soweit er informiert ist, seien diese an die Realisierung des Baus geknüpft gewesen.

Freude bei Bürgerinitiative

Auch Landrat Joachim Arnold (SPD) bedauert das Aus. Er kenne die Kalkulation des Investors nicht, es sei allerdings immer schwierig, wenn der Erfolg eines Projekts zu sehr von den Förderrichtlinien abhänge. »Der Rückzug trifft die Wetterauer Zuckerrübenanbauer besonders hart«, sagt Arnold. Zuckerrüben seien in der Fruchtfolge wichtig, sie wachsen in der Region besonders gut und ertragreich. Die Biogasanlage wäre eine Chance für die Landwirte gewesen, wenn die Zuckerproduktion durch zu weite Wege zu den Fabriken wegfalle. Trotz des Stopps ist Arnold überzeugt davon, dass Biogas die Energie der Zukunft liefert. »Wir brauchen Speichermedien, da ist Methangas ideal.« Arnold: »Diesmal ist die Wetterau nicht zum Zug gekommen, aber was nicht ist, kann noch werden.« Erfreut über die Aufgabe des Bauvorhabens ist Kathrin Schmidt von der Dorn-Assenheimer Initiative gegen das Projekt. »Das gibt es nicht, das ist eine interessante Nachricht«, sagte sie. Die Initiative werde weiter dafür eintreten, die Ortsdurchfahrt Dorn-Assenheim sicherer zu gestalten.

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