30. April 2014, 13:28 Uhr

Friedel Münch ist im Alter von 87 Jahren gestorben

Wetteraukreis (dab/WZ). Friedel Münch ist am Sonntag im Alter von 87 Jahren gestorben. Sein Name ist mit Superlativen verbunden wie kaum ein anderer im Motorradbau, um seine Maschinen ranken sich Mythen.
30. April 2014, 13:28 Uhr
Friedel Münch 1967 auf einer Mammut, damals das schnellste Motorrad der Welt, vor seiner Motorradfabrik in Ossenheim. (Foto: pv)

Als Münch am 27. Februar 1966 sein neues Motorrad vorstellte, war die Fachwelt geplättet. So etwas hatte man noch nicht gesehen – eine Straßenmaschine mit einem Vierzylinder-Automotor, 55 PS stark und über 180 Sachen schnell! Die »Münch Mammut«, die offiziell »Münch 4« genannt wurde, war das erste »Big Bike« der Geschichte. Sein Lebenswerk krönte er 34 Jahre später mit der »Mammut 2000« – wieder das größte, schwerste und teuerste Motorrad der Welt. Zuletzt lebte der geniale Konstrukteur in Altenstadt.

Friedel Münch wurde am 6. Februar 1927 in Dorn-Assenheim geboren, sein Vater hatte eine Auto- und Motorrad-Werkstatt in Nieder-Florstadt und nahm seinen Sohn schon im Kindesalter mit zu den Motorrad-Bergrennen auf dem nahen Schottenring. Kein Wunder, dass sich der Junge für Motorräder begeisterte und, von 1941 bis 1944, eine Kfz-Schlosserlehre machte. 1948 bastelte er im Keller der väterlichen Werkstatt an der Ecke Altenstädter Straße/Friedensstraße seine erste Rennmaschine zusammen – aus einer 500er »Horex S 5« und selbstkonstruierten Teilen. Damit lehrte er im Frühjahr am Hockenheimring der Konkurrenz das Fürchten. Kurz darauf entwarf er ein neues Triebwerk für seine »Münch-Spezial«, und war jetzt kaum noch zu schlagen. Doch im Jahr darauf beendete ein schwerer Sturz seine Rennfahrerkarriere. Münch machte trotzdem weiter, förderte nun Nachwuchsrennfahrer wie Klaus Endern, den späteren Weltmeister.

1954 holten ihn die Bad Homburger Horex-Werke in ihre Versuchs- und Rennabteilung. Als die Firma 1958 in Konkurs ging, kaufte Münch die Produktionsanlagen, deckte sich mit Ersatzteilen ein, machte erst die Meisterprüfung und sich danach in Nieder-Florstadt mit einer eigenen Werkstatt selbstständig. Münch tüftelte immer weitere technische Verbesserungen aus und hatte 1965 eine geniale Idee: Er frisierte den 55-PS-Motor des gerade auf den Markt gekommenen NSU Prinz 1000 TT zum Motorradtriebwerk um, nicht ohne dabei ein halbes Dutzend Erfindungen zu realisieren,

wie eine völlig neue Trommelbremse, die ersten Gussräder, die erste Benzineinspritzung und den ersten Turboauflader für ein Motorrad. Am 28. Februar 1966 präsentierte Münch eine Sensation: Das erste Straßenmotorrad mit Vierzylinder-Automotor, das größte, schwerste, schnellste und teuerste Zweirad der Welt. Die »Mammut« schlug ein wie eine Bombe, Münch war plötzlich weltberühmt. Er durfte »sein Kind« allerdings nicht Mammut nennen, weil ein Fahrradhersteller den Namen für sich beanspruchte. Bis 1980 wurden von der offiziell »Münch-4« genannten Maschine exakt 476 Stück gebaut. Hollywoodstars und arabische Scheichs liebten sie ebenso wie Gunter Sachs oder Modedesigner Luigi Colani. Dennoch blieb der Konstrukteur seinem Prinzip treu: Jede Maschine fertigte er in hochwertiger Handarbeit.

Das Geschäft brummte, die Werkstatt in Nieder-Florstadt reichte nicht mehr aus, und auch eine erste Motorradfabrik in Ossenheim wurde bald zu klein. Ende der 1960er Jahre entstand für zwei Millionen Mark ein neues größeres Werk, diesmal im Altenstädter Ortsteil Waldsiedlung, für fast 40 Mitarbeiter. Doch ein Geschäftspartner sorgte dafür, dass die Firma in andere Hände überging und schließlich 1974 geschlossen wurde. Münch wagte einen Neuanfang in Erbstadt, dann in Laubach, erfand und produzierte weiter. Der Erfolg seiner »Mammut« ließ den Konstrukteur nicht ruhen: In ihm lebte der Erfindergeist. Immer wieder verbesserte er seine Maschinen, baute andere Motoren ein, entwickelte neue Feinheiten und steigerte die PS-Zahl. Mitte 1991 riss ihn ein Schlaganfall aus dem gewohnten Schaffen, aber mit eisernem Willen kam er wieder auf die Beine, konnte zwar nicht mehr Motorrad fahren, saß aber bald wieder am Steuer seines Autos.

Knapp zehn Jahre später, im Alter von 73 Jahren, kehrte die Legende zurück. Münch konstruierte eine Neuauflage: die »Münch Mammut 2000«. Das mit sagenhaften 260 PS stärkste Serienmotorrad der Welt kostete 85 000 Euro und wurde in hochwertiger Handarbeit gebaut. Von 2000 bis 2008 widmete sich Münch ganz dem Motoren-Museum im Laubacher Bürgelweg, wo die Besucher hingerissen waren, wenn ihnen der legendäre Konstrukteur seine Schätze höchstpersönlich präsentierte.

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