02. Februar 2014, 13:18 Uhr

Bis zu 20 Millionen Euro Rübengeld

Wetteraukreis (kai). Die Wetterauer Zuckerrübenbauern sind Spitze: Sie erzeugten auf 3950 Hektar 77 Tonnen Rüben je Hektar mit einem Zuckergehalt von 17,7 Prozent.
02. Februar 2014, 13:18 Uhr
Zuversichtlich, dass der Zuckerrübenanbau nach dem Wegfall der Quoten rentabel bleibt, zeigen sich die 200 Landwirte nach dem 14. Wetterauer Rübentag – auch weil mit Biogasanlagen, wie eine in Florstadt geplant ist, neue Absatzmärkte entstehen. (Fotos: dpa/kai)

»Damit sind wir der Anbauverband mit dem höchsten Zuckerertrag im Südzuckergebiet«, rief Verbandsvorsitzender Herwig Marloff den mehr als 200 Landwirten zu, die am Donnerstag zum 14. Wetterauer Rübentag ins Florstädter Bürgerhaus gekommen waren. Bei dem Ranking profitierten die Wetterauer von den schlechten Ernten in Bayern.

Landwirte, Anbauverband und Südzucker zeigen sich zufrieden mit der Kampagne 2013. »Es war eine schwierige Ernte, die wir hervorragend gemeistert haben«, sagte Marloff. »Im Konzern gab es Probleme bei den Erträgen, in der Wetterau lief alles hervorragend«, lobte Manfred Kröhl von Südzucker. Der Südzucker-Schnitt liege bei 66,8 Tonnen. In der Wetterau sei der dritthöchste jemals geerntete Ertrag eingefahren worden.

Preislich liefere die Zuckerrübe nach wie vor den höchsten Deckungsgrad einer Feldfrucht, rechnete Verbandsgeschäftsführer Manfred Menz vor. Der Basispreis, den die Anbauverbände mit Südzucker aushandelten, liegt bei 37,50 Euro – 6,50 Euro niedriger als im Vorjahr. Hinzu kommen Zuschläge für Qualität, Fracht, nachhaltigen Anbau und die widrigen Erntebedingungen. Damit fließe zwischen 15 und 20 Millionen Euro Rübengeld ins Wetterauer Anbaugebiet, das sich von Limburg bis Gelnhausen und von Frankfurt bis Gießen erstreckt.

Große Regenmengen erschwerten die Ernte. Folge: Mehr Erde haftete an den Rüben. Durchschnittlich enthielt jede der 15 671 Fuhren, die zu den beiden Zuckerfabriken nach Wabern und Offstein gekarrt wurde, 12,4 Prozent Schmutz. Doppelt so viel wie in trockenen Jahren. »Unser Schlammteich, der für zwei Jahre ausgelegt ist, war nach der Kampagne voll«, berichtete Peter Fecke, Leiter der Waberner Zuckerrübenabteilung. Er hatte speziell ein Lob für die Wetterauer Bio-Rüben-Erzeuger parat: Sie ernteten je Hektar 54 Tonnen Zuckerrüben, im Durchschnitt liegt der Bio-Ertrag bei 44 Tonnen und 17,3 Prozent Zucker. Fecke motivierte die Landwirte, die Planungsportale im Internet zu nutzen, um den Zuckerrübenanbau noch effizienter zu gestalten. Ziel müsse es sein, herauszufinden, warum in einzelnen Regionen wie Florstadt oder Wölfersheim die Erträge sehr unterschiedlich sind. Spitzenbetriebe schafften es, 100 Tonnen Rüben je Hektar zu ernten, andere kämen nur auf 60 Tonnen. Er empfahl, das umfangreiche Beratungsangebot zu nutzen, damit überall Spitzenernten eingefahren werden könnten.

Preisschwankungen zu befürchten

Dies sei im Hinblick auf die sich ändernden Bedingungen am Rübenmarkt wichtig, ergänzte Südzuckervorstand Dr. Thomas Kirchberg. Denn in drei Jahren gibt es einen politischen Einschnitt: Nach 49 Jahren fällt die Quotenregelung und damit der regulierende Rübenmindestpreis weg. »Sie garantierte Marktstabilität und Versorgungssicherheit«, sagte Kirchberg. Durch den Verlust dieser Marktinstrumente sei mit großen Mengen- und Preisschwankungen zu rechnen. »Es wird unverzichtbar sein, die Effizienz auf allen Stufen der Erzeugung – vom Acker bis zum Kunden – zu verbessern.«

Ziel sei es, dass die jetzigen Lieferrechte als Basis für die weitere Zusammenarbeit mit Südzucker dienten, erklärte Marloff. Kirchberg versprach, ab 2017 die vorhandenen Produktionskapazitäten für Zucker voll auslasten zu wollen. Ein Instrument seien verlängerte Kampagnen. Problematisch sei die Entfernung zu den Zuckerfabriken. Für die Wetterau sprächen das Potenzial, die Leistung, die gute Infrastruktur, die gute Zusammenarbeit beim Roden und in der Logistik. »Schwierige Jahre« mit stark schwankenden Preisen erwartet Kirchberg für 2017 bis 2020, danach geht er davon aus, dass sich der Zuckerrübenmarkt stabilisiert.

Zuversichtlich geben sich die Anbauer selbst. Die Zahlen sprechen für sie: Nach der letzten großen Zäsur im Zuckerrübenanbau mit dem Ausscheiden vielen Anbauer, gesunkenen Preisen und der Schließung der Fabrik in Groß-Gerau sei inzwischen preislich wieder ein Niveau erreicht wie vor dem Einschnitt. »Die Wetterau ohne Zuckerrüben ist für mich undenkbar«, betonte Marloff. Seit 131 Jahren werden in der Region Rüben angebaut. »Das wird auch so bleiben.«

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