Freispruch im Prozess um Rewe-Überfall

Florstadt (tan). Mit der Aufhebung des Urteils aus der ersten Instanz und Freisprüchen für beide Angeklagten endete am Dienstag das Berufungsverfahren vor einer Kammer des Gießener Landgerichts zum Überfall auf die Rewe-Filiale in Nieder-Florstadt.
04. September 2013, 14:08 Uhr
Wer die Rewe-Filiale am 21. Februar 2011 überfallen hat, bleibt unklar. Fest steht laut Strafkammer am Landgericht Gießen nur, dass es die beiden angeklagten Männer aus der Wetterau nicht waren. (Foto: nol)

Die Strafkammer unter Vorsitz von Dr. Johannes Nink war überzeugt, dass sämtliche Indizien nicht für den Schuldbeweis der Angeklagten ausreichen. Zwar habe es Verdachtsmomente gegeben, die anfangs gegen sie gesprochen hätten, letztlich fehle es aber schon am Motiv.

Die beiden Männer, ein 24-Jähriger und ein 50-Jähriger, waren vor dem Amtsgericht Friedberg zu jeweils acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden, weil sie am 21. Februar 2011 den Überfall auf den Rewe-Markt vorgetäuscht haben sollten. Gemeinschaftlicher Diebstahl und das Vortäuschen einer Straftat war ihnen zur Last gelegt worden.

Die Angeklagten hatten in dem Indizienprozess mehrfach bestritten, etwas mit dem Überfall zu tun zu haben. Der Jüngere der beiden, der damals im Markt gearbeitet hatte, hatte am Tatmorgen die Filiale geöffnet und berichtet, von einem Unbekannten mit einem spitzen Gegenstand bedroht worden zu sein und daraufhin 17 000 Euro aus dem Tresor herausgegeben zu haben.

Verteidiger André Schäfer beantragte Freispruch und betonte in seinem Pladoyer, dass unverständlicherweise das Opfer zum Täter gemacht worden sei. Nur weil sein Mandant aus Pflichtbewusstsein früher als geplant zur Arbeit erschienen sei, sei ihm dies negativ ausgelegt worden. Im Prozess sei herausgekommen, dass sich am Morgen der Tat einige Möglichkeiten geboten hätten, sich zu verstecken und seinem Mandanten aufzulauern. Verteidiger Mark Spänle, der den 50-jährigen Angeklagten vertrat, betonte, die Indizien seien nicht ausreichend. So seien zum Beispiel auf den Geldscheinen, die bei einer Hausdurchsuchung bei seinem Mandanten sichergestellt worden waren, keine Spuren mit einer Verbindung zur Tat gefunden worden.

Auch Staatsanwalt Michael Wenzel beantragte, beide Angeklagte freizusprechen. Der Vorwurf des vorgetäuschten Überfalls lasse sich nicht erhärten. Zwar sei der Verdacht auf den 50-jährigen Angeklagten gefallen, weil dieser große Summen Bargeld in seinem Haus gehabt habe, offensichtlich sei das Geld aber Schwarzgeld, das der Mann auf die Seite gelegt habe. Wenzel betonte allerdings auch, dass die Zeugenaussage des Sohnes des älteren Angeklagten nicht glaubwürdig gewesen sei. Ein Indiz des Prozesses war, dass das Handy des 50-Jährigen zur Tatzeit in einer Funkzelle in der Nähe des Tatorts geortet worden war. Der Sohn hatte zunächst ausgesagt, mit dem Handy seines Vaters im nahegelegenen Bordell gewesen zu sein. Später hatte er seine Aussage korrigiert und behauptet, in der Spielothek gewesen zu sein. Das habe er nicht zugeben wollen, weil er seinem Vater schon einmal »Geld fürs Zocken« gestohlen habe.

Richter Dr. Nink bestätigte in der Urteilsbegründung, dass der 24-jährige Angeklagte zunächst als Opfer des Überfalls behandelt worden sei. Erst die Aussage einer Zeugin habe die Ermittlungen auf den 50-jährigen Angeklagten gelenkt, in dessen Gaststätte auch der 24-Jährige häufig war. Als die Polizei dann die Finanzen des älteren Mannes geprüft und schließlich große Mengen Bargeld gefunden habe, obwohl der Mann mit seinem Betrieb keine großen Gewinne erwirtschaftete, »wurde der Bogen rund«. Im Rahmen des Prozesses habe man sich allerdings einen Überblick über die Finanzlage des Mannes schaffen können. Nach voller Überzeugung des Gerichts hätten beide Männer zudem kein Motiv für die Tat. Nink betonte, die Tatsache, dass sich ein Alibi nicht beweisen lasse, lasse im Umkehrschluss noch nicht auf eine Täterschaft eines Angeklagten schließen.

Überfall auf Rewe: Angeklagter beschreibt angeblichen Täter Überfall auf Rewe: Bordelle, Beerdigungen, Bargeld Vor Gericht: Überfall auf Rewe-Filiale nur fingiert?

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