08. Mai 2015, 18:13 Uhr

Zwei Brüder, vier Räder, ein Abenteuer

Florstadt-Staden (lk). BenefIstanbul haben Ingo und Detlev Niemeyer ihr Abenteuer getauft – eine Benefizfahrt mit dem Rad von Hannover nach Istanbul. 4000 Kilometer wollen die Brüder zugunsten der Parkinsonforschung radeln. Für Detlev Niemeyer ist die Herausforderung besonders groß: Er leidet an Parkinson.
08. Mai 2015, 18:13 Uhr
Empfang am Schneckenhaus (v. l.): Ingo Niemeyer, Hermann Terweiden, Detlev Niemeyer und Stephanie Heinze informieren über die Benefiztour. (Foto: Laura Kaufmann)

Auf ihrer Tour haben die Brüder nun im Schneckenhaus im Florstädter Stadtteil Staden gestoppt.

Detlev Niemeyer bemerkt, dass seine linke Körperhälfte immer wieder zittert. Beim Kartenspielen und Zeitunglesen fällt es ihm besonders auf. »Ich bin vielleicht überarbeitet«, tut er die Beschwerden zunächst ab. Als das Zittern nicht verschwindet, geht Niemeyer zum Arzt. Die Diagnose: Morbus Parkinson.

Etwa zwei Jahre liegt der Arztbesuch zurück. Seither hat sich seine Krankheit verschlimmert. »Sport ist gut, um entgegenzuwirken«, weiß der Bremerhavener. Derzeit treibt der 52-Jährige fast den ganzen Tag Sport: Mit seinem Bruder Ingo radelt er nach Istanbul – eine Benefizfahrt zugunsten der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung in Staden. Jeder gestrampelte Kilometer soll Geld einbringen. Außerdem wollen die Brüder mit der BenefIstanbul-Aktion auf die Krankheit aufmerksam machen.

Los ging die Tour am vergangenen Freitag in Hannover. Am 10. Juli wollen die Niemeyers am Bosporus ankommen. Dafür müssen sie nicht weniger als die Alpen überqueren, durch Österreich und die Schweiz nach Italien radeln, entlang der Adria durch Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und weiter nach Albanien fahren, bevor es über Mazedonien durch Griechenland in die Türkei geht. 4000 Kilometer, zwölf Länder, zehn Wochen. Der Weg ist lang. Dementsprechend haben Detlev und Ingo Niemeyer ordentlich Gepäck dabei. Zusammen etwas über 80 Kilogramm. Schlafen wollen sie im Zelt auf Campingplätzen.

»Eine Fahrt mit viel Rückenwind«

Am Mittwoch haben die Brüder eine Verschnaufpause in Staden eingelegt. Dort wurden sie von Hermann Terweiden, Gründer der Hilde-Ulrichs-Stiftung, und Stephanie Heinze, Geschäftsführerin der Stiftung, begrüßt. Terweiden weiß aus eigener Erfahrung: »Parkinson ist eine ganz blöde Krankheit, mit der man die dollsten Dinge erlebt. « Und er ist der Meinung: »Es ist wichtig, die Öffentlichkeit über die Krankheit zu informieren.« Heinze berichtet: »Zehn Prozent der Neuerkrankten sind unter 40 Jahre alt.« Wesentlich sei, dass Betroffene sich nicht in ihrem Schneckenhaus versteckten, sondern aktiv und im Leben blieben.

Florstadts Bürgermeister Herbert Unger, wünscht den Brüdern viel Rückenwind auf ihrer Fahrt, und Anne Herzberger von der Bürgerhilfe, die die Parkinson-Selbsthilfegruppe Wetterau betreut, zitiert ein afrikanisches Sprichwort: »Viele kleine Leite, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht der Welt verändern.« Zuletzt singen Kinder der Kita Mikäsch den Radlern ein Lied, bevor sie Ingo und Detlev Niemeyer 10 Euro überreichen, die sie selbst gesammelt haben. Insgesamt haben die Brüder bereits über 13 900 Euro auf dem Spendenkonto. Das Geld geht an die Hilde-Ulrichs-Stiftung, die Betroffene berät und die Erforschung nicht medikamentöser Behandlungsmethoden bei Parkinson fördert.

Auf die BenefIstanbul-Idee kam der 46-jährige Ingo Niemeyer schon vor Monaten »Letztes Jahr bin ich 45 Jahre alt geworden. Da habe ich auf meine To-Do-Liste geschaut, was ich schon erledigt habe und was nicht.« Drei große To-Dos waren noch offen: In jungen Jahren habe er davon geträumt, mit dem Fahrrad einmal ums Mittelmeer zu fahren. Außerdem habe er in einer Reportage die Prinzeninseln vor Istanbul gesehen, die er gerne besuchen wolle. Und drittens habe er etwas Gemeinnütziges tun wollen. Benef-Istanbul war geboren. Nachdem seine Frau ihr Einverständnis gegeben hatte, ging er zu seinem Arbeitgeber, bat um zehn Wochen Urlaub. »Der hat sich vielleicht gefreut«, grinst der Bauingenieur, der die Route konzipiert hat. Gefahren werden – mit Rücksicht auf Detlev Niemeyers Erkrankung – etwa 75 Kilometer pro Tag. Außerdem wollen die Brüder viele Pausen einlegen.

Bammel vor den Alpen

Detlev Niemeyer, der bei Frosta in der Produktion arbeitet, erzählt, seit der Diagnose versuche er, ganz normal weiterzuleben. »Aber ich habe einige Einschränkungen.« So sei seine Trittfrequenz auf dem Rad nicht so gut und unrund. Außerdem seien seine Muskeln nach einem Tag auf dem Fahrrad verhärtet. »Das sind meine aber auch«, ergänzt Ingo Niemeyer lachend.

Was die Brüder machen, wenn sie nicht wie geplant am 10. Juli in Istanbul ankommen? »Vor allem ein blödes Gesicht«, sagt Ingo Niemeyer und verrät, dass im Fall der Fälle eben mal eine Etappe mit dem Zug gefahren werden müsse, schließlich seien die Rückflüge bereits gebucht. Auf eigene Kosten, versteht sich. So wie die komplette Reise. Sorge, dass sie es nicht schaffen könnten, haben die Brüder nicht. Nur etwas Bammel vor den Alpen. Richtige Berge gibt es in ihrer norddeutschen Heimat schließlich nicht.

Die Brüder berichten auf der Homepage www.benefistanbul.com regelmäßig von ihrer Reise. Informationen zum Spendenstand und zum Spendenkonto gibt es dort ebenfalls.

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