17. April 2013, 16:08 Uhr

Butzbacher Schulen demonstrieren gegen Rechts

Butzbach (en). Nicht alle machten mit, aber viele: Auf dem Marktplatz trafen sich gestern Mittag rund 200 Jugendliche aus der Schrenzer- und der Stadtschule, vor allem aber vom Weidiggymnasium. Dabei hatten sie Transparente und selbst gemalte und geschriebene Plakate gegen rechtsradikale Umtriebe.
17. April 2013, 16:08 Uhr
Butzbachs Schüler gehen gegen rechtsradikale Umtriebe auf die Straße. (Foto: Engel)

»Butzbach Nazifrei« war auf den Schildern zu lesen, »Butzbach ist bunt« oder »Kein Platz für Rassismus«.

Am Gymnasium im Vogelsang hatte sich der Schülerzug formiert, abgesichert durch die Polizei ging’s die Kleeberger Straße hinunter und dann nicht wie geplant direkt zum Marktplatz, sondern den Küchengartenweg hinunter und die Griedeler hinauf bis ins historische Stadtzentrum.

Dort wurden die Schüler schon von den Rednern der Kundgebung erwartet: Oliver Weilandt vom Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz, Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa-Bi) und Bürgermeister Michael Merle.

»Die Rechten pöbeln, Politiker vertuschen«, machte Oliver Weilandt auch diejenigen für das Erstarken der Neo-Nazis und Populisten verantwortlich, die nichts dagegen unternehmen. Namentlich prangerte er den heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier an, der die politische Verantwortung für die Taktik nach dem NSU-Mord von Kassel quasi vor den Augen eines Verfassungsschützers habe übernehmen müssen, statt im Amt zu bleiben und auf der Karriereleiter zu klettern. »Wehret den Anfängen«, war Weilandts These, »zuerst schleichen die Mörder, dann marschieren sie«. Mitschüler mit rechtsradikalen Emblemen auf der Kleidung sollten offen darauf angesprochen werden, ebenso Bekannte und Verwandte, die – ob in Feierlaune oder nicht – allzu nationale Sprüche klopfen.

Rechte Parolen aus der Mitte

Andreas Balser erinnerte an Butzbachs dunkle Jahre, als der NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll von Hoch-Weisel aus agierte und agitierte. Dass er und der größte Teil seiner Gesinnungsgenossen das Dorf und die Wetterau verlassen hätten, sei ein Verdienst des geschlossenen Widerstandes. Aktuell seien die Rechten in Butzbach kein großes Problem, wenngleich es in den Stadtteilen nach wie vor Sympathisanten der NPD und rechtslastiger Nachwuchsorganisationen gebe, auch wohnten in Besucher der Neonazi-Partys von Gettenau. Etwas überrascht schien Balser vom (Nicht-)Wissen der Schüler über die Gruppe »Old Brothers«. Aber auch ohne aktuelle Probleme in Butzbach müsse man rechtsradikale Thesen ernst nehmen, kämen sie doch nicht selten aus den bürgerlichen Parteien, quasi aus der »Mitte der Gesellschaft«. »Kein Bier für Nazis in Butzbacher Kneipen«, forderte Balser abschließend, wohl wissend, dass das aus mehreren Gründen kaum in die Praxis umzusetzen sein dürfte.

Auch Bürgermeister Merle erinnerte an die Wöll-Zeit in Hoch-Weisel und den schlussendlich erfolgreichen Widerstand, für den er dem Bündnis für Demokratie und Toleranz noch einmal ausdrücklich dankte. Wenn sich aus dem Pulk der 200 Demonstranten einige entschließen könnten, langfristig im Butzbacher Bündnis mitzuarbeiten, wäre das ein »tolles Signal«, sagte Merle und lobte sowohl die kreativen Plakate als auch die Organisatoren der Schüler-Demo.

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