02. Dezember 2009, 17:52 Uhr

Stadt bekommt weitere »Stolpersteine«

Butzbach (bd). Im nächsten Frühjahr wird der Kölner Künstler Gunter Demnik weitere »Stolpersteine« zum Gedenken an den Tod jüdischer Einwohner verlegt. Das kündigte Museumsleiter Dr. Dieter Wolf in der jüngsten, gut besuchten Versammlung des Butzbacher Bündnisses im Weidig-Gymnasium an.
02. Dezember 2009, 17:52 Uhr

Butzbach (bd). Im nächsten Frühjahr wird der Kölner Künstler Gunter Demnik weitere »Stolpersteine« zum Gedenken an den Tod jüdischer Einwohner verlegt. Das kündigte Museumsleiter Dr. Dieter Wolf in der jüngsten, gut besuchten Versammlung des Butzbacher Bündnisses im Weidig-Gymnasium an.

Bei den »Stolpersteine« gehe es darum, inne zu halten und an das grausame Schicksal der deportierten und getöteten Menschen zu denken. Bislang seien in der Griedeler Straße 15 Steine gesetzt worden. Am 10. Mai komme Demnik wieder nach Butzbach, um in der Innenstadt weitere Steine zu setzen, zum Beispiel in der Wetzlarer und der Kasernenstraße vor Häusern, in denen Juden lebten.

Auch vor dem Haus, in dem der von den Nazis schwer misshandelte christliche Gewerkschafter Hubert Timmer in der Weidigstraße gewohnt habe, werde Demnik einen Stolperstein im Gehweg versenken, kündigte Wolf an. Ein Stolperstein ist eine Gedenktafel aus Messing, rund zehn Quadratzentimeter groß, in der der Name und die Daten des Naziopfers eingraviert sind.

Gunter Demnik hat laut Wolf in ganz Europa mittlerweile über 20 000 Steine verlegt. Er bestehe darauf, die ganze Arbeit mit eigenen Händen auszuführen, so dass es zu Verzögerungen kommen könne. Butzbach werde er nach dem Termin im Mai mit Sicherheit noch mehrmals aufsuchen, denn er müsse in der Kernstadt und in den Stadtteilen noch etwa zehn Steine setzen.

Dr. Wolf lobte in diesem Zusammenhang die Bereitschaft der Stadt und ihrer Bürger, den Künstler zu unterstützen. Einmütig hatten alle Fraktionen des Stadtparlaments das Vorhaben unterstützt, an den letzten freigewählten Wohnorten von Nazi-Opfern die Stolpersteine zu setzen. Das spreche für Butzbach als liberale und weltoffene Gemeinschaft.

Anders als etwa im benachbarten Wetzlar, in Fulda oder in Groß-Gerau sei der Kölner in Butzbach höchst willkommen.

Butzbacher Naziopfer seien überwiegend Juden gewesen, die meist in Treblinka umgekommen seien, wenn ihnen nicht in letzter Minute noch die Flucht ins Exil gelungen sei. Auch christliche Gewerkschafter wie Hubert Timmer, Bibelforscher wie Georg Lutz, christliche Lehrer wie Emil Darabski oder der Papierfabrikant und Kommunist Josef Oppenheimer seien von den braunen Schergen verurteilt, misshandelt und umgebracht worden.

Auch sie dürften nicht in Vergessenheit geraten, ebensowenig die junge Jüdin Astrid Löwenherz, die in Münster im jetzigen Kreisjugendheim Hubertus gelebt habe. Sie sei 1942 von der Polizei abgeholt und nach Theresienstadt gebracht worden, wo sie 1943 an Hunger und Entkräftung gestorben sei.

»Näher kann man den Opfern des Nationalsozialismus im Alltag nicht kommen als mit den Stolpersteinen«, stellte Dr. Wolf fest. Sie seien das ideale Rüstzeug, um Neonazis und Auschwitzleugnern entgegenzutreten. Unverständnis bringe er allen entgegen, die sich gegen das Setzen der Stolpersteine aussprächen.

Ausgerechnet Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, habe davon gesprochen, dass man mit den Stolpersteinen »die Opfer mit Füßen trete«, dass man die Opfer ein zweites Mal traktiere, weil sie sich nicht mehr wehren könnten. Sie habe mit diesen unangemessenen Äußerungen eine Minderheitenmeinung vertreten.

In dieser Hinsicht stimmte dem Museumsleiter Ortsvorsteher Fritz Grimminger zu. Es gebe einen Trend, den geschichtlichen Wahrheiten nicht mehr ins Auge zu blicken. Allen Relativierern gelte es, entgegenzutreten.

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