15. August 2014, 18:18 Uhr

Schöffe plaudert, Prozess um Drogenhandel platzt

Büdingen (jwn). Der Prozess gegen zwei mutmaßliche Drogenhändler vor dem Büdinger Amtsgericht ist ohne Urteil zu Ende gegangen. Grund: Einer der Schöffen hat mit seinem Nachbarn vergangene Woche über das laufende Verfahren gesprochen. Das Problem dabei: Der Nachbar war als Zeuge zum Prozess am Donnerstag geladen.
15. August 2014, 18:18 Uhr
(Foto: dpa)

Wegen mutmaßlicher Befangenheit des Schöffen muss das Verfahren jetzt neu aufgerollt werden – dann allerdings in einer anderen Besetzung des Gerichts.

Die beiden Angeklagten, der 41 Jahre alte Fred K. aus Büdingen und der 38 Jahre alte Stefan B. aus Gedern (beide Namen geändert, die Redaktion), waren angeklagt, von September 2010 bis Juli 2011 mehrere Kilo Amphetamin verkauft zuhaben. Beide stritten die Vorwürfe vom ersten Tag der Verhandlung ab, zahlreiche Zeugen hatten Erinnerungslücken (die WZ berichtete). Ein 28-Jähriger, der aktuell selbst wegen Drogenhandels im Gefängnis sitzt, hatte die beiden Männer schwer belastet. Die Verteidigung der Angeklagten hatte, kurz bevor Richterin Lachmann die Beweisaufnahmen schließen wollte, beantragt, dass zwei weitere Männer gehört werden sollten. Es ging vor allem um die Glaubwürdigkeit bereits vernommener Zeugen. Einer der beiden Männer, die am Donnerstag noch aussagen sollten, ist ein Orleshausener, der ebenfalls wegen Drogenhandels im Gefängnis gesessen hat. Er war im Zusammenhang mit den Drogengeschäften eines 43-Jährigen verurteilt worden, der auch an die beiden Angeklagten Amphetamin verkauft haben soll, sich während des Prozesses gegen die Männer jedoch an nichts mehr erinnern wollte oder konnte.

Alle Zeugen werden erneut gehört

Noch bevor die Verhandlung des Schöffengerichts startete und der Orleshausener gehört werden konnte , überraschte Verteidiger Rolf Kärcher mit dem Antrag, einer der beiden Schöffen sei befangen. Kärcher stellte zudem die Fortsetzung des Verfahrens in Frage. Der Verteidiger erläuterte, jener Schöffe sei Nachbar des Orleshauseners, habe mit diesem über den Prozess gesprochen und ihn auch darüber informiert, wozu er während der Verhandlung vernommen werden solle – nämlich über die Drogengeschäfte mit dem 43-Jährigen. »Es geht um dessen Glaubwürdigkeit«, soll der Schöffe ihn informiert haben, berichtete der Orleshausener dem Gericht. Besagter Schöffe räumte das sofort ein, damit war der Prozess geplatzt.

Der Staatsanwältin Yvonne Vockert sagte: »Ich habe mein Plädoyer fix und fertig, weil für mich die Schuld der beiden Angeklagten im Sinne der Anklage längst bewiesen ist – und dann das.«

Das Verfahren wird neu aufgerollt werden. Die Angeklagten und sämtliche Zeugen werden nochmals gehört. Ein Problem sieht die Staatsanwältin vor allem in der Motivation der Zeugen. »Die hatten im jetzigen Verfahren teilweise große Erinnerungslücken und die werden in dem neuen Verfahren sicherlich nicht kleiner«, kommentierte Vockert das Aussageverhalten der Zeugen im Beisein der beiden Angeklagten, die als nicht gerade zimperlich bekannt seien.

Fred K. und Stefan B. verließen das Gerichtsgebäude in Begleitung ihrer Anwälte und Lebenspartnerinnen mit recht zuversichtlichem Gesichtsausdruck.

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