Waldarbeiten

Wo jetzt Bäume fallen

Revierförster Helmut Link ist sauer. Sein Terminplan zum Bewirtschafen und Pflege der Karbener und Bad Vilbeler Wälder ist völlig durcheinandergeraten. Schuld daran ist der viel zu nasse Winter.
13. Februar 2018, 05:00 Uhr

Normalerweise fangen wir mit den notwendigen Baumfällarbeiten Anfang Dezember an. In diesem Winter ist bisher alles anders«, erklärt Revierförster Helmut Link. »Der Winter ist viel zu nass, und die Waldwege sind für schweres Gerät ohne größere Schäden einfach nicht mehr befahrbar.«

Das Revier, um das sich Link kümmert, reicht von Bad Vilbel bis Florstadt. Der Zeitplan für die Arbeiten ist genauestens abgestimmt. Die Waldpflege steht ganz oben an. Durch sie werden in Altbeständen die ältesten oder auch erkrankte Bäume nach und nach entnommen, sodass junge Keimlinge, die bereits in den Startlöchern stehen und auf das Sonnenlicht warten, nun zu stattlichen Bäumen heranwachsen können. »Geplante und gezielte Holznutzung hilft dabei, unseren Wald fit für die Zukunft zu machen«, begründet Link das Durchforsten der Wälder. Die Mischung junger und alter, dicker und dünner Bäume verschiedenster Baumarten sorge für einen stabilen Waldaufbau und werde durch die Waldpflege gesteuert. Trotz der Nässe in den vergangenen Wochen sind die Baumfällarbeiten im Bad Vilbeler Wald bereits abgeschlossen. Noch nicht ganz so weit sind Link und seine Mannschaft im Karbener Wald.

Ein H für Habitatbaum

Das Baumfällen ist laut Bundesnaturschutzgesetz zwischen dem 1. März und dem 30. September zwar verboten, allerdings gibt es davon Ausnahmen. Diese betreffen das Fällen zu Bauzwecken sowie behördlich angeordnete Maßnahmen. Dazugehört auch die professionelle Waldpflege. »Wir fahren die Arbeiten dann natürlich auch zurück und achten besonders auf Bäume mit Höhlen oder großen Vogelhorsten, denn die stellen eine wichtige Lebensgrundlage für viele seltene Arten wie Fledermäuse oder Kolkraben dar. Wir hessischen Förster kennzeichnen diese Bäume dann mit einem »H« für Habitatbaum«, erklärt Link.

Moderne Maschinen in jungen Beständen

Die Forstarbeiten in jungen Beständen werden meist mit modernen Erntemaschinen ausgeführt. Auf ausgewählten Rückegassen bewegt sich dieser Harvester. Er greife mit seinem bis zu zehn Meter langen Arm die markierten Bäume. Die zerlegten Stämme werden anschließend an einen Waldweg transportiert, wo sie ein Lastwagen abholen kann. Um den Boden der Rückegassen zu schonen, sind die Forstmaschinen mit bodenschonenden Breitreifen ausgestattet.

Neues Leben in den Spuren

Für Link sind die tiefen Spuren der schweren Maschinen auf den Wegen aber kein Beinbruch. »Sie ärgern zwar die Spaziergänger, weil diese dann auf dem Weg hin und herspringen müssen, doch es gibt auch einen Gewinner und das ist die Natur, denn die schafft in den tiefen Spuren umgehend kleine Biotope«, verrät Link.

Waldränder im Fokus

Sorgen bereitet hingegen der Holzwirtschaft das Wetter und wenn deswegen die Zufuhr unterbrochen ist. »Die Industrie braucht unser Holz. Stillstand bei uns kommt einem Drama gleich. Denn egal, ob Möbel oder Papier, sehr vieles basiert auf dem Grundstoff Holz«, erklärt Link. Weil die Arbeiter momentan wegen der großen Nässe nicht tief genug in den Wald vordringen können, kümmern sich Link und seine Mannschaft um die Waldränder. Beispielsweise oberhalb Rendels in Richtung Schöneck. »Die Landwirte haben mich gebeten, die Landwirtschaftswege freizuschneiden, damit sie mit ihren Maschinen ihre Felder bis zu den Rändern bearbeiten können«, sagt Link. Damit der Rückschnitt am Waldrand auch optisch wirkt, hat er einen stufenweisen Rückschnitt auf etwa 700 Meter angeordnet. Für den Abtransport muss das Wetter jetzt nur noch besser werden.

 

Infokasten

Ideale Zeit für Waldarbeiter

Der Zugang zu den Bäumen ist jahreszeitlich verschieden gut möglich, da der Untergrund und der Bewuchs sich um den jeweiligen Baum ändert. Die Transportwege sind unterschiedlich beschaffen, je nach Jahreszeit und je nach Wetter. Deshalb liegt die beste Jahreszeit zum Fällen zwischen Spätherbst und dem frühen Winter also von Ende Oktober bis Anfang Februar. In dieser Zeit entstehe durch die zugefrorenen Waldwege und Gassen beim Rücken der Bäume der geringste Schaden am Waldboden. Diese Zeit ist auch die günstigste für Privatpersonen, um ihr zuvor gekauftes Brennholz zu holen. Denn während der Brutzeit, also ab dem 1. März, sind auch sie nur noch auf den Waldwegen geduldet. (jwn)

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