13. September 2018, 20:03 Uhr

Unglücke verhindern

Wird der Ritterweiher in Bad Vilbel eingezäunt?

Vor etwa zwei Jahren ereignete sich ein tragischer Unfall in Nordhessen, drei Kinder ertranken in einem Dorfteich. Das könnte nun auch Konsequenzen für den Ritterweiher in Bad Vilbel haben.
13. September 2018, 20:03 Uhr
NMA , 1 Kommentar
Damit auch zukünftig niemand aus dem Ritterweiher gerettet werden muss, überlegt die Stadt Bad Vilbel, das Gewässer zu umzäunen. (Foto: nma)

Oma, wo sind die Entchen?«, fragt der dreijährige Leon und zieht seine Oma dabei ungeduldig am Ärmel. »Da gehen wir gleich mal hin, aber du musst versprechen, dich an meiner Hand festzuhalten«, entgegnet seine Oma Renate Immelt. Bewachsen von Vegetation ist das Ufer des Ritterweihers, doch dicht ist diese nicht. Der Zugang zum Wasser ist einfach und nach Regen entsprechend matschig. Auch eine flache Steintreppe bietet problemlosen Zugang zum Ufer.

Renate Immelt kommt mit ihrem Enkel Leon häufig zum Ritterweiher oder eher zu dem großen Spielplatz, der sich am Weiher befindet. Aus den Augen lässt sie den Kleinen nie, erzählt sie, doch flitze dieser manchmal plötzlich los in Richtung Ufer, um eine Ente zu verfolgen. Die Gefahren von öffentlich zugänglichen Gewässern für Kinder – ein Thema, das in jüngster Vergangenheit in Hessen zu einigen Diskussionen geführt hat.

 

Bürgermeister muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten

Vor wenigen Wochen ist ein Zweijähriger in einem Wassergraben im Frankfurter Zoo ertrunken, und auch ein Fall aus Nordhessen ist sicherlich vielen Menschen im Gedächtnis geblieben. Drei Geschwisterkinder ertranken im Juni 2016 in einem Dorfteich in Neukirchen. Lange schlugen sich Gerichte mit der Frage nach der Schuld herum, in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass der Bürgermeister der Gemeinde sich in den drei Fällen wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten habe.

Eine Entwicklung nach langem hin und her der Gerichte, die in Bad Vilbel nicht ungehört bleibt: »Es gab bereits Sicherheitsbegehungen am Ritterweiher mit Vertretern der öffentlichen Versicherungsgesellschaft und der Stadt Bad Vilbel«, erläutert Stadtsprecher Yannick Schwander. »Es sieht so aus, dass man Kommunen wohl verpflichtet, solche ruhenden Gewässer zu umzäunen.« Dabei gehe es allerdings nur um größere, ruhende Gewässer, wie eben den Ritterweiher, nicht um Fließgewässer wie die Nidda.

 

Ritterweiher direkt neben großem Spielplatz

Diese Sicherheitsbegehungen seien keine Routinekontrollen gewesen, berichtet er weiter, sondern seien tatsächlich der verschärften Situation geschuldet gewesen. Ob man zukünftig den Ritterweiher einzäunen werde, werde aktuell in der Verwaltung geprüft. Sicherlich fließt in diese Bewertung mit ein, dass sich der Ritterweiher direkt neben einem großen Spielplatz befindet.

Der Fall Ritterweiher wird auch auf Facebook heiß diskutiert. In einer geschlossenen Gruppe, in der mehrere tausend Vilbeler Themen und Probleme der Stadt diskutieren, lässt ein Nutzer seinem Ärger über die Entscheidung der nordhessischen Gerichte, den Bürgermeister auf die Anklagebank zu setzen, freien Lauf: »Auch wenn die Eltern bestraft genug sind, in diesem Fall haben das die Eltern zu verantworten und sollten juristisch belangt werden. Nicht der Bürgermeister.« Kleine Kinder seien wie Wirbelwinde, eine Sekunde der Unachtsamkeit reiche schon aus. Ein offenes Gewässer an einem Spielplatz, wie es am Ritterweiher der Fall ist, bleibe ein Spiel mit dem Feuer, findet der Vilbeler. Das sehen aber nicht alle so: »Kinder sollen den Umgang mit Risiken lernen«, entgegnet ein anderer Nutzer. Weitere sagen, man müsse nach dieser Logik auch alle Flüsse oder Straßen einzäunen, um Kinder zu beschützen.

 

Zaun als Vorsichtsmaßnahme

Auch Renate Immelt hat eine klare Meinung zu dem Thema, während der kleine Leon über den Spielplatz läuft. »Ich passe sehr auf, dass ihm nichts passiert. Trotzdem fände ich es gut, den Weiher einzuzäunen.« Sie selbst sei Anwohnerin seit Jahrzehnten und am Weiher aufgewachsen und habe auch an dessen Rändern gespielt. »Damals hat das niemanden interessiert, dass es eine gewisse Gefahr gibt und das hat ja auch funktioniert. Aber ich persönlich halte die Idee, hier einen Zaun aufzustellen, trotzdem nicht für übervorsichtig, sondern für eine gute Vorsichtsmaßnahme.«

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