11. Juli 2018, 05:00 Uhr

Trockenheit

Wenn eine Zigarette zur Gefahr wird

Die Feuerwehren sind wachsam. Sie haben Feld und Wald im Blick, um schnell reagieren zu können, wenn es brennt. Karbens Stadtbrandinspekor Christian Becker gibt Tipps zum Schutz.
11. Juli 2018, 05:00 Uhr
Karbens Stadtbrandinspektor Christian Becker betrachtet die trockenen Felder. Die Gefahr für Wald- und Flächenbrände ist enorm hoch. Drei Flächenbrände haben die Feuerwehrleute in den vergangenen Tagen bereits gelöscht. (Fotos: Rinkart/Archiv: cf)

Mit Stadtrandinspektor Christian Becker in diesen Tagen durch die Karbener Landschaft zu fahren, ist ein aufregendes Unterfangen: »Dort hinten könnte etwas sein«, ruft er und blickt weit in die Ferne. Vom Parkplatz an der Waldhohl in Groß-Karben erspäht er irgendwo am Wald hinter Okarben eine rauchartige Säule.

Gestiegenes Risiko

Becker weiß: »Es könnte jederzeit irgendwo anfangen zu brennen.« Anhaltende Trockenheit und Hitze haben das Feuerrisiko auf Feldern und in Wäldern massiv steigen lassen.

Die auffällige Rauchsäule am Horizont verfliegt schnell wieder, vermutlich war es nur Staub. Becker atmet auf. Sein Blick lässt jedoch erahnen, dass er gleich doch noch einmal am Wald von Okarben vorbeifährt – zur Sicherheit. Denn wenn ein Feld Feuer gefangen hat, zählt jede Sekunde: »Trotz der Wärme ist es leicht windig«, erklärt Becker. Schon ein kleines Feuer kann sich so in kürzester Zeit über ein ganzes Feld ausbreiten und einen Flächenbrand verursachen. »Deswegen ist es umso wichtiger, sofort die Feuerwehr zu rufen, wenn es irgendwo in der Natur brennt«, erläutert Becker. Da gibt es keine Ausreden. Immer wieder höre er davon, dass Personen, die ein Feuer entdeckt haben, nicht die Feuerwehr rufen, weil sie Angst vor möglichen Kosten haben. »Das ist völliger Humbug«, schimpft Becker, und noch mehr: »Es hätte schon vieles verhindert werden können, wenn immer sofort die Feuerwehr gerufen worden wäre.« Erst vor wenigen Tagen sei es richtig knapp gewesen. Ein Flächenbrand unmittelbar neben dem Karbener Wald war diesem schon bedrohlich nahe gerückt. »Ich dachte ich muss Verstärkung rufen, weil gleich der Wald brennt«, schildert Becker. Doch die Brandschützer hatten Glück: Die Senioren, die das Feuer meldeten, waren schnell genug. Gerade noch rechtzeitig konnte ein Überspringen auf den Wald verhindert werden.

Schon drei Flächenbrände

Drei Flächenbrände zählte Becker in den vergangenen zwei Wochen. Und die nächsten werden sicher folgen. Schuld ist daran meist der Mensch, explizit: Raucher. Denn brennende Zigaretten, die achtlos in die Umwelt geworfen werden, sind immer noch die Ursache Nummer eins für ein Feuer in der Natur. Ebenfalls gefährlich sind Glasscherben oder nicht gelöschte Holzkohle vom Grillen. Doch sogar ein Auto, dass auf einer Wiese parkt, kann durch seine Hitze bereits ein Feuer unter sich auslösen.

Nicht mit offenem Feuer hantieren

»Es ist überall strohtrocken. Die Bevölkerung muss sehr darauf achten, jetzt nicht mit offenem Feuer zu hantieren«, warnt auch Bad Vilbels Stadtbrandinspektor Karlheinz Moll. »Wir sind innerlich darauf vorbereitet, dass es jederzeit irgendwo brennen könnte.«

In Feld und Wald gibt es kaum Hydranten

Ein Problem für die Brandbekämpfer ist dabei, dass es in weiter Flur kaum Hydranten gibt. Deshalb sind derzeit alle verfügbaren Löschfahrzeuge bis zum Rand mit Wasser gefüllt. 4000 Liter fasst etwa das größte Tanklöschfahrzeug der Stadt Karben, das zweitgrößte immerhin 2400 Liter.

Ein Tag Landregen ist nötig

 

Gartenabfälle nicht verbrennen

Tipps Waldbrände zu vermeiden, hat auch Kreisbrandinspektor Lars Henrich. »Rauchen ist im Wald grundsätzlich nicht gestattet. Waldbrandgefahr geht ebenfalls von liegen gelassenen Flaschen und Glasscherben, aber insbesondere auch entlang von Straßen durch achtlos aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippen, aus«, sagt er. Henrich rät die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren. »Autos dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen«, informiert er. Henrich bittet darum auf das Anmelden von Nutzfeuern zum Verbrennen von Garten- und Baumschnitt aktuell zu verzichten. (pm)

Einzelne Tropfen, die vom Himmel fallen, beruhigen Becker nicht: »Es müsste jetzt schon einen ganzen Tag regnen, damit das Risiko gebannt ist«, erklärt er. Ein solcher Regen ist jedoch nicht in Sicht, im Gegenteil: »Die Situation wird sich weiter zuspitzen.«

 

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