24. Februar 2019, 19:26 Uhr

Weiter mit den Brummis leben?

An den Durchgangsstraßen von Rendel und Klein-Karben wünschen sich die Anwohner ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen. Immer wieder wird diese Forderung auch in den politischen Gremien laut. Doch erscheint es aktuell fraglich, ob Sperrschilder, wie sie an der Ortseinfahrt von Groß-Karben angebracht wurden, auch für die anderen Stadtteile möglich sind.
24. Februar 2019, 19:26 Uhr
Welcher Lastwagen fährt durch und welcher ist Anliegerverkehr? Und wie viel Lärm machen die Lkw? Diese und andere Fragen müssten geklärt werden, bevor die Landesstraße 3205 in Rendel für den Schwerlastverkehr gesperrt werden könnte. (Archivfoto: dpg)

Wer sich in diesen Tagen einmal in den alten Ortskern von Rendel stellt, so zwischen Altem Rathaus und dem Abzweig nach Gronau, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Kein schwerer Lastwagen kurvt durch die engen Straßen. Allenfalls der eine oder andere Anlieger-Lkw wird gesichtet. Im Grunde genommen herrscht jetzt, bedingt durch die großräumige Umleitung wegen der Baustellen, relative Lastwagen-Ruhe im alten Ortskern. Im Nachbarstadtteil Klein-Karben sieht es ähnlich aus. Weil dort noch Vollsperrung wegen der umfassenden Straßensanierung ist, müssen die Brummis außen herum fahren. Damit haben die Anwohner jetzt den Zustand, den sie schon lange fordern. Auch in den politischen Gremien wird die Forderung nach einem Lkw-Durchfahrtsverbot immer wieder erhoben.

Vor gut einem Jahr hat die SPD in der Stadtverordnetenversammlung einen Antrag für ein Lkw-Durchfahrtsverbot eingebracht, und zwar dann, wenn die Ortsdurchfahrt komplett saniert sein wird. So lange wollen die Anwohner der Landesstraße 3205, Ortsdurchfahrt Rendel, nicht warten. In der Ortsbeiratssitzung im November verlangten sie ein Lkw-Durchfahrtsverbot, dem schloss sich das Stadtteilgremium an. In der jüngsten Sitzungsrunde der Gremien stand eine Anfrage der Freien Wähler (FW) auf der Tagesordnung. Aus der Antwort geht hervor, dass es einige gewichtige Argumente gegen ein Durchfahrtsverbot gibt. Als Bürgermeister Guido Rahn (CDU) die Anfrage des FW-Fraktionsvorsitzenden Torsten Schwellnus beantwortete, zitierte er zunächst Ausführungen der Verkehrsbehörde Hessen Mobil.

Aufgrund der letzten Zählung von 2015 seien im Tagesdurchschnitt 188 Lkw oder Fahrzeuge über 3,5 Tonnen registriert worden. Hiervon seien 70 auf Linienbusse entfallen. Von den verbliebenen 118 Lkw sei noch ein kleiner Teil dem Anliegerverkehr zuzurechnen. »Demzufolge werden die Aktivitäten der Stadt bezüglich eines Lkw-Durchfahrtsverbotes von den zuständigen Verkehrsbehörden nicht unkritisch bewertet«, heißt es in der Antwort des Magistrats.

Lärmpegel muss ermittelt werden

Dennoch hält die Stadt die Forderungen der Anwohner für berechtigt und setzt sich bei den übergeordneten Behörden, Kreis und Land für ein solches Verbot ein. Am 14. März 2018 habe man beim Wetteraukreis ein Lkw-Durchfahrtsverbot für die L 3205 in Klein-Karbe und Rendel beantragt. Bei einem Abstimmungsgespräch im Oktober mit allen Behörden sei herausgekommen, dass es gemäß dem Hessischen Straßengesetz für klassifizierte Straßen keinen Ausschluss von Benutzern geben dürfe. Sprich: Es ist nicht erlaubt, Lastwagen von der Landesstraße zu verweisen. Einziger Hebel sind die Lärmschutz-Richtlinien. Dabei sei zu prüfen, ob Maßnahmen zum Schutz vor Lärm eingeleitet werden könnten. Dazu wären neue Verkehrsdaten zu erheben und durch Befragung auch der Anteil des Liefer- und Anliegerverkehrs zu erfassen. Danach müsse ein sogenannter Lärm-Beurteilungspegel ermittelt werden. Erst wenn der 72 dB (A) am Tag und 62 dB A) in der Nacht überschreiten, könnten Maßnahmen ergriffen werden. In der Antwort der Stadt ist von Tempo 30 in der Nacht oder ganztags ebenso die Rede wie von einem nächtlichen Lkw-Fahrverbot.

Bis solche Zählungen und Messungen jedoch durchgeführt werden könnten, müssten erst einmal die laufenden Bauarbeiten beendet sein, informierte Rahn weiter. Das aber könnte noch bis Jahresende dauern. »Wir können solche Lärmmessungen also frühestens nächstes Jahr beantragen«, dämpft das Stadtoberhaupt die Erwartungen. Seine Bemerkung, für Lastwagen müsste im Falle einer Sperrung der Durchfahrt eine »zumutbare und geeignete Umleitungsstrecke« vorhanden sein, lässt die Anwohner wenig Erfolg hoffen. Eine solche weiträumige Umleitung gibt es: sie wird gerade genutzt. Die ganzen Lastwagen dauerhaft dort drüber zu schicken, hänge von den Lärmwerten ab.

Kreissprecher Michael Elsaß verweist, dass es in Karben viel Ziel- und Quellverkehr gebe. Um die Landesstraße für Laster zu sperren, müsse zunächst ein Lärmgutachten erstellt werden. Elsaß weiter: »Eine Landesstraße kann sehr wohl für Lkw gesperrt werden. Aber nur unter Voraussetzungen, die in Karben so nicht gegeben sind.«

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