06. Dezember 2018, 11:00 Uhr

Karben

Stadt schließt Flüchtlingsheim

Aus fünf mach vier: Weil immer weniger Flüchtlinge nach Karben zugewiesen werden, hat die Stadt jetzt die erste Unterkunft geschlossen. Dennoch bleibt für die Mitarbeiter der Stadt jede Menge zu tun. Aber möglicherweise nicht mehr lange.
06. Dezember 2018, 11:00 Uhr
Die Stadt hat eine der Flüchtlingsunterkünfte Am Spitzacker räumen können, weil immer weniger Schutz suchende Menschen in die Stadt kommen. (Fotos: pe)

An die Jahre 2015 und 2016, als Hunderttausende Flüchtlinge ins Land kamen, kann sich Fachdienstleiterin Soziales, Susanne Schubert, gut erinnern: »Da hatten wir jeden Tag Zuweisungen. Die Menschen mussten wir schnell unterbringen.« Die Zuweisungen kamen vom Wetteraukreis, der für die Flüchtlinge zuständig ist, die Städte für deren Unterbringung. Die Stadt schuf entsprechende Plätze. 223 stehen in mittlerweile vier Unterkünften zur Verfügung. Vor Kurzem konnte die Stadt die Unterkunft Am Spitzacker 14 abgeben. »Die Flüchtlinge konnten wir auf andere Unterkünfte verteilen, sie sind zurückgegangen oder abgeschoben worden«, sagte Stadtrat Mario Schäfer (Grüne), der in Karben für die Flüchtlinge und Integration zuständig ist. 194 Menschen leben in den vier Unterkünften, »wir haben also als Reserve noch ein paar Plätze frei«. Das sei gut so, denn nicht immer passten Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen.

Sorge bereitet dem Stadtrat, dass in den Gemeinschaftsunterkünften noch 52 anerkannte Personen leben. Das sei der Tatsache geschuldet, dass der Wohnraum knapp sei, preisgünstiger zumal. Anhand der Zahlen machte Schäfer den Mitgliedern des Ausschusses für Jugend, Soziales und Kultur manche Problematik deutlich. So seien 131 Personen in laufenden Verfahren, das heißt, sie hätten entweder erst den Asylantrag gestellt, oder das Verfahren laufe noch, aber bei Ablehnung würde auch der Rechtsweg beschritten.

Aktuell beschäftigt sei man mit dem Familiennachzug. Elf Personen seien in diesem Jahr im Zuge der Familienzusammenführung nach Karben gekommen. Dafür suche man immer wieder Wohnungen, die aber nur schwer bis gar nicht zu finden seien. Der Stadtrat erwähnte in diesem Zusammenhang, dass die Stadt eines der Häuser in der Rathausstraße, was sie vom Eigentümer erworben habe, aktuell vorbereite, um eine Familie unterzubringen.

Schäfer berichtete desweiteren, dass Karben seit 2015 insgesamt 513 Personen zugewiesen worden seien. »Bei 81 von ihnen wissen wir nicht, wo sie geblieben sind.« 48 Flüchtlinge seien wieder ausgereist, 24 abgeschoben worden.

In diesem Jahr gebe es aber immer weniger Menschen, die neu ankämen. Der Stadtrat für Integration bezifferte deren Zahl auf 64. »Es darf aber niemand denken, nur weil wir weniger Zuweisungen haben, hätten wir weniger zu tun«, sagt Schubert. Während in der Hochphase vielfach Syrer und Afghanen gekommen seien, die man habe zusammen unterbringen können, werde das jetzt schwieriger. Es kämen nämlich einzelne Flüchtlinge aus der Türkei, Sri Lanka oder Kuweit, nennt sie drei Länder. Es sei nicht immer möglich, sie gemeinsam unterzubringen.

Problematisch sei ebenso, dass in den Gemeinschaftsunterkünften viele Menschen lebe, die aktuell eine Arbeit hätten oder Sprachkurse und Fortbildungen absolvieren. »Die leben dann mit anderen in einem Zimmer, die kräftig feiern. Dort finden sie keine Ruhe.« Deshalb sind die Mitarbeiter des Fachdienstes aktuell damit befasst, die Menschen, die arbeiten, zu verlegen. Schubert meint hier vor allem die Halle des ehemaligen Güse-Verlages am Spitzacker. Dort gibt es fast ausschließlich Vier- und Sechsbett-Zimmer. Bürgermeister Guido Rahn (CDU) sagte in der Ausschusssitzung, wenn die Stadt ein weiteres Objekt räumen könne, weil weniger zugewiesen würden, »dann wäre das diese Halle«.

Rahn lobte auch die Unterkunft Fasanenhof, in der Max-Planck-Straße habe die Stadt zwei Häuser mit Flüchtlingen. Während es in dem einen gut laufe, gebe es von dem Nachbarn der anderen Unterkunft Beschwerden über die Verschmutzung des Grundstücks und die Beschädigung von Zäunen.

Die Ausschussmitglieder fragten vor allem nach den Helfern. Dazu antwortete der Stadtrat, deren Zahl sei »ausbaufähig«. »Das Engagement weiterer Helfer wäre sehr wünschenswert.« Als die Ausschussvorsitzende Sabine Helwig vorschlug, im Januar einen Runden Tisch zu diesem Thema einzuberufen, stoppte der Bürgermeister sie. Man wolle zunächst einmal abwarten, ob der Kreis die Flüchtlingsunterkünfte der Städte und Gemeinden übernehme. »Das steht im Raum, ist aber noch nicht entschieden.«

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