11. Januar 2019, 05:00 Uhr

Behindertengerecht?

S6 im Praxistest: Wie behindertengerecht ist die S-Bahn?

Menschen mit Behinderung können in die S-Bahn über eine ausklappbare Rampe einsteigen. Bei einer Testfahrt von Okarben aus gab es in Bad Vilbel jedoch eine böse Überraschung.
11. Januar 2019, 05:00 Uhr
S-Bahn-Fahrer Ronny Senz hat am Bahnhof Okarben die Rampe ausgeklappt und schiebt Testfahrer Reiner Weber in die Bahn. DB-Vertreter Lars Brüning (rechts) freut sich, dass der Einstieg so problemlos funktioniert. (Fotos: Pegelow)

Seit Jahren gibt es Diskussionen um den Bahnhof Groß-Karben. Der ist gerade in Richtung Frankfurt alles andere als barrierefrei. Menschen mit Behinderung, Senioren mit Rollatoren oder Mütter mit Kinderwagen sind auf Unterstützung angewiesen, wollen sie auf den Bahnsteig in Richtung Großstadt. Die Stadt Karben hat deshalb empfohlen, mit dem Bus 76 zum Bahnhof Okarben zu fahren und dort einzusteigen.

Diese Zeitung machte im Juli mit Vertretern des VdK Karben und Wetterau sowie der Stadt den Praxistest. Dabei stellte sich heraus, dass Rollstuhlfahrer in den Stadtbus bequem über eine vom Fahrer ausgeklappte Rampe hinein und so auch wieder herauskommen können.

 

Langer Umweg über die Messe

Dass die Bahnsteige tiefer liegen als die Bahn, erläuterte Brüning so: »Auf Strecken, auf denen auch Fernverkehrszüge fahren, dürfen die Bahnsteige maximal 76 Zentimeter hoch sein.« Eine barrierefreie Höhe betrage aber 96 Zentimeter. Höhere Bahnsteige seien allerdings tiefer und ragten etwas ins Gleis hinein. Gerade als er das erklärt, rauscht ein Güterzug vorbei, vollgepackt mit Containern. »Gerade solche Züge haben eine größere Breite als S-Bahnen.«

Der DB-Vertreter von der S-Bahn Rhein-Main, die im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes den gesamten S-Bahnverkehr betreibt, plädierte deshalb für eigene S-Bahngleise. Dann könnten auch die Bahnsteige, die nur für die S-Bahnfahrgäste seien, entsprechend erhöht werden. Nur dort sei ein barrierefreier Einstieg möglich.

 

Defekter Aufzug

Da wartete die nächste böse Überraschung: Wegen technischer Störungen verzögerte sich die Rückfahrt der beiden um anderthalb Stunden.

Das Gute an der Geschichte: Die Störung des Aufzugs auf dem Vilbeler Bahnhof war bereits bekannt; wann der Reparaturtrupp eintrifft, war zu diesem Zeitpunkt unklar. Wenigstens mussten die beiden kein zusätzliches Ticket ziehen. Der DB-Vertreter: »In diesem Fall ist die Weiterfahrt kostenfrei.«

Info

Eine App gibt weitere Infos

Die Verantwortlichen des VdK Karben und Wetterau zeigen sich zufrieden damit, dass Rollstuhlfahrer über eine ausklappbare Rampe in die S-Bahn kommen. »Damit haben wir eine Alternative, bis die Bahnstrecke aus- und damit der Bahnhof in Groß-Karben barrierefrei umgebaut wird«, sagt die Vorsitzende Ellen Benölken. Überrascht zeigt sie sich darüber, dass es für behinderte Reisende eine extra App gibt. Die App heißt »Barrierefrei« und gibt Auskunft darüber, welche Bahnhöfe behindertengerecht ausgebaut seien und etwa auch, welche Aufzüge auf den Bahnhöfen funktionieren und welche nicht. Benölkens Tipp: Sich vorab über die App erkundigen, ob die Strecke ohne Schwierigkeiten zu meistern ist. (pe)

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