20. Juli 2017, 19:00 Uhr

Vilbeler Kammerorchester

Reise durch drei Jahrhunderte

Musik inspiriert. Dass dies zutrifft, haben die Musiker des Bad Vilbeler Kammerorchesters (BVKO) bei ihrem gut besuchten Konzert in der St. Petrikirche im russischen St. Petersburg hautnah erfahren
20. Juli 2017, 19:00 Uhr
Das Bad Vilbeler Kammerorchester in St. Petersburg. Zum Solo von Geigerin Yvonne Smeulers tanzt Andrej Adamowskij. (Foto: pv)

– Die Begeisterung der Menschen in St. Petersburg für klassische Musik ist groß. Ermöglicht wurde das Konzert in der nördlichsten Millionenstadt der Welt in einer der berühmten »Weißen Nächte« durch eine Einladung der dortigen lutherischen Gemeinde St. Peter und Paul und durch die Unterstützung des Goethe-Institutes.

In Frankfurt bestiegen 29 Musiker mit Dirigent Klaus Albert Bauer, verstärkt durch 17 Ehemalige, Familienmitglieder und Freunde, den Flieger Richtung Osten. Einen Dämpfer erhielt ihre Vorfreude bei der Zollabfertigung im Flughafen von St. Petersburg. Obwohl alle einen Instrumentenpass dabei hatten, mussten Formulare ausgefüllt werden. »Das war ein langes Prozedere, wodurch wir erst nach Mitternacht im Hotel ankamen«, berichtet Vorstandsmitglied Anke Blochwitz. Probleme mit dem Zoll gab es auch bei der Ausreise. »Da hatten wir erneut wegen eines fehlenden Einreisestempels in Instrumentenpässen Theater. Wir hatten vier Bögen für Celli dabei, da wir uns die Instrumente in Russland im Konservatorium geliehen haben. Wir hätten sonst für jedes Cello einen eigenen Sitzplatz buchen müssen.«

Entschädigt für die Querelen wurden alle durch den herzlichen Empfang durch Pastor Michael Schwarzkopf und das nette Hotelpersonal. An den nächsten beiden Tagen standen gemeinsame harte Proben mit vier Studenten, je zwei Geigern und Bratschisten sowie zwei Musikern, einem Cembalisten und Bassisten in einem Saal des Mussorgsky-Konservatoriums an.

»Das Konzert in der St. Petrikirche war ein voller Erfolg. Das im 19. Jahrhundert von der deutschen Gemeinde errichtete Gotteshaus hatte Stalin geschlossen und die Pastoren erschießen lassen. Chruschtschow richtete in der Kirche später ein öffentliches Schwimmbad ein. Das Becken ist im Keller noch zu sehen«, sagt Blochwitz. Seit der Perestrojka sei die schlichte Kirche wieder geweiht und ein beliebter Spielort für Konzerte. Einen Tag vor dem Konzert hatte sie eine neue Orgel erhalten.

Vor dem Altar einer der größten Kirchen Russlands standen, verstärkt durch einen Balletttänzer, 36 Personen. Die Akustik war gut, einzig ein kleiner Nachhall störte. Zu Beginn des festlichen Konzerts mit Musik aus drei Jahrhunderten übergab Klaus Albert Bauer an Pastor Schwarzkopf das Buch »95 Anschläge – Thesen für die Zukunft«, bei dem es sich um ein Buchprojekt der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau und des Literaturhauses Frankfurt handelt.

Mit der Musik reisten die Musiker mit ihren Zuhörern, zu denen ein örtlicher Vertreter des Goethe-Institutes gehörte, zurück an den Hof Friedrichs des Großen. Dessen drittes Konzert für Flöte und Orchester wurde von Cornelia Kuther-Reinhuber meisterhaft interpretiert. Es folgten Werke von Johann Friedrich Fasch, Joseph Haydn und Leoš Janácek. Den Höhepunkt bildete das technisch und künstlerisch-anspruchsvolle Violinkonzert »Weg zum Tempel« von Alexander Sojnikow. Zum Spiel von Geigerin Yvonne Smeulers tanzte Andrej Adamowskij. »Sie spielte den Solopart sensibel-emotional in höchster Konzentration«, betont Blochwitz. Minutenlanger Applaus war der schönste Lohn.

Wer am Montag nicht zurückfliegen musste, nutzte die Gelegenheit, um in kleinen Gruppen die Stadt an den Ufern der Newa zu erkunden. Musikerin Daniela Pfeifer schwärmt: »Es war fantastisch in Sankt Petersburg, dies ist für mich die schönste Stadt der Welt. All das Herzblut, das wir in dieses Projekt gesteckt haben, hat sich gelohnt.« Blochwitz ergänzt: »Wir haben uns monatelang intensiv vorbereitet. Ich bin froh über die Unterstützung, die wir von vielen Seiten in Bad Vilbel, besonders von den Stadtwerken und der Humanistischen Stiftung, erhielten. Ohne dieses Engagement hätten wir das alles nicht geschafft.«

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