26. Februar 2017, 06:00 Uhr

Flüchtlingscontainer

Neun Quadratmeter zum Leben

Sie sind zusammengesetzt wie ein Baukastensystem und nach den Vorschriften eingerichtet. Die Stadt Bad Vilbel hat die umstrittenen Container für Flüchtlinge errichten lassen.
26. Februar 2017, 06:00 Uhr
Die Container für die Flüchtlinge sind aufgebaut. Bad Vilbels Stadtsprecher Yannick Schwander steht auf der umlaufenden Treppe, die aus Brandschutzgründen an die Container angebaut werden musste. (Foto: pe)

Draußen pfeift der Wind, drinnen ist es schön warm. Nicht nur die Heizung, auch die übrige Technik funktioniert. Wer in diesen Tagen die neuen Wohncontainer für die Flüchtlinge betritt, trifft nur noch wenige Arbeiter und Techniker an. Das Gros der Arbeiten ist beendet, der städtische Fachdienst Bauen hat seine Aufgaben erledigt. »Hier sehen Sie eines der Standardzimmer«, zeigt Fachdienstleiter Erik Schächer in eines der Zimmer. Zwei Betten stehen hintereinander, es gibt einen Schrank mit abschließbaren Türen, einen Tisch mit zwei Stühlen. An der Decke hängen Neonröhren und ein Feuermelder. Der ist voll vergittert. »Das Gitter ist mit Spezialschrauben befestigt«, sagt Schächer. Das hat seinen Grund: »Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir unter den Flüchtlingen viele Bastler haben, die gerne herumschrauben.« Dabei sei schon Feueralarm ausgelöst worden. Die Melder in den Containern für Flüchtlinge sind direkt mit dem nahen Feuerwehrstützpunkt verbunden.

Die Feuerwehr ist nicht weit, ebenso das Sportgelände, aber auch die viel befahrene Main-Weser-Bahnstrecke. Als durch einen Bericht in der WZ das Vorhaben der Stadt, diese Wohncontainer für Flüchtlinge zu errichten, bekannt geworden war, hatten sich Anwohner gemeldet. Eines ihrer Argumente: Der Standort sei ungeeignet und zudem zu dicht an der Bahn. Das würde eine zu große Lärmbelastung für die später dort Wohnenden bedeuten.

Zweckmäßige Herberge

Doch bei der Stadt sieht man das anders. Der Standort sei bewusst gewählt worden, er sei stadtnah. Die Bahnstrecke bereite keine Probleme. Sogar ein zu ihren Gunsten ausgefallenes Gutachten zur Lärmbelastung hatte die Stadt in Auftrag gegeben. Und die Fachleute vom städtischen Bauamt haben zudem zu einem Trick gegriffen. Die Container sind so angeordnet, dass sie mit den Treppenhäusern und den Bädern und Toiletten zur Bahnstrecke hin stehen, die Wohnräume zur Huizener Straße und zum Sportplatz hin. »Die Menschen müssen also nicht unmittelbar in der Nähe der Bahn schlafen und wohnen«, sagt Stadtsprecher Yannick Schwander, der an diesem Morgen mit Schächer der WZ einen Einblick in das neue Flüchtlingsdomizil gewährt.

Container mit Treppen? Ja, die gibt es. Das neue Domizil setzt sich aus 15 Einzelcontainern zusammen. Man merkt es kaum, wenn man innen unterwegs ist. Hier mal eine Schwelle, dort mal ein Türrahmen, gemeinsam bilden sie eine Einheit. Genauer: zwei Einheiten. Da das Grundstück einen schrägen Zuschnitt aufweise, habe man die Container in zwei Blöcken aufgestellt. Beide Blöcke sind auch mit einer umlaufenden Brüstung und Treppenabgängen versehen. »Das ist der zweite Fluchtweg«, sagt Schächer. Ursprünglich war er nicht vorgesehen. Aber in München seien vor einigen Monaten Flüchtlingscontainer in Brand geraten. »Seitdem ist an solchen Wohncontainern wie an allen anderen Wohnhäusern ein zweiter Fluchtweg vorgeschrieben.« Bei Gefahr könnten die Flüchtlinge aus dem Fenster steigen und den Gang bis zur Treppe laufen.

Vorschriften hat es auch gegeben bezüglich der Größe der Räume. »Jeder Flüchtling muss rechnerisch neun Quadratmeter zur Verfügung haben«, informiert Schächer. Sechs Quadratmeter seien das im eigenen Zimmer, die neun Quadratmeter ergäben sich durch die Gemeinschaftsräume. Beim Rundgang stoßen die Besucher auf einen solchen Gemeinschaftsraum. Küche und Waschküche sind hier eines. In einem großen Raum stehen drei Herde, zwei Sieben-Kilo-Waschmaschinen und zwei Spülen.

Ein weiterer großer Raum ist für Familien gedacht: Er ist in etwa so groß wie zwei Doppelzimmer und enthält vier Betten. »Aber wir haben nicht so viele Familien«, sagen Schwander und Schächer. Das Gros der Flüchtlinge seien alleinstehende Männer. Aber es sei für das Klima in der Unterkunft gut, wenn auch Familien untergebracht seien. In Kürze soll das Erdgeschoss des kleinen Containerdorfes für insgesamt 66 Flüchtlinge mit den ersten 20 Bewohnern belegt werden. »Die Menschen leben jetzt noch im Georg-Muth-Haus auf dem Heilsberg und werden hierher umgesiedelt«, informiert Schwander. »Aber das Bürgerhaus halten wir uns weiterhin als Flüchtlingsunterkunft offen. Man weiß ja nie.«

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