03. Dezember 2018, 17:00 Uhr

Weitere Optionen

Neues in Sachen Windräder

Ein Hauch von Hoffnung weht: Könnten sich am Ende doch zwölf Windräder im Städtedreieck von Frankfurt, Bad Homburg und Karben drehen?
03. Dezember 2018, 17:00 Uhr
Bekommen die vier Windräder in der Kloppenheimer Gemarkung bald noch Zuwachs? Oder geht das aus Gründen der Flugsicherheit nicht? (Foto: dpg)

Die Landschaft an der nördlichen Spitze der Frankfurter Gemarkung könnte heute schon anders aussehen. Statt nur vier Windräder könnte dort ein kleiner Windpark mit zwölf Rotoren längst von sauberer Energieerzeugung künden.

Auf Nieder-Erlenbacher Gemarkung möchte der Frankfurter Energieversorger Mainova samt seines Projektplaners Abo-Wind aus Wiesbaden weitere vier Windräder bauen. Nur einen Steinwurf entfernt haben die Städte Karben und Bad Homburg mit dem ostfriesischen Windradbauer Enercon weitere vier Rotoren vorgesehen – grenzübergreifend auf ihren Gemarkungen.

 

Neu entwickelte Drohne

Doch die Projekte liegen seit Jahren auf Eis. Das Nieder-Erlenbacher Vorhaben hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) gerade im Oktober aufs Abstellgleis geschoben. Die Richter sprangen der Deutschen Flugsicherung (DFS) bei, die den Bau weiterer Windräder in der Gegend untersagte, weil andernfalls die Navigation in der Luftfahrt gefährdet werden könnte. Das erklärt Richter und VGH-Sprecher Helmut Schmidt.

In der Region sei »das zulässige Störpotenzial« nach Überzeugung des Senats »in einem Umfang überschritten, der eine Zulassung weiterer Windenergieanlagen aus Gründen der Flugsicherung verbiete«. Revision ließen die Richter nicht zu.

 

Neue Forschungs-Erkenntnisse

Allerdings hat der Planungsverband erst im November die finale Fassung des Plans für den Windkraft-Ausbau im Rhein-Main-Gebiet veröffentlicht. Darin sind die Flächen im Städtedreieck von Frankfurt, Bad Homburg und Karben weiterhin enthalten. Ein Fehler? Nein, betont Frank Tekkiliç, Sprecher des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main. Die Standorte im Norden Frankfurts gehörten zu jener Kategorie, bei denen die Flugsicherung nicht generell Nein sage. Es bleibe aber dabei, »dass für jede Anlage eine Einzelfallprüfung nötig ist«, sagt Tekkiliç. Wieso aber sollen Standorte erhalten bleiben, bei denen am Ende doch die Richter Nein sagen? Weil sich die Situation in Kürze wohl grundlegend ändert: Neue Erkenntnisse aus der Physik-Forschung könnten womöglich mehr Windräder in Funkfeuernähe ermöglichen. Es stehe »eine Revolution« bei der Betrachtung von Funkstrahlung »für den kompletten Raum« bevor, erklärt Dr. Thorsten Schrader von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Seit 2015 widmen er und sein Team sich dem Problem. Kein Wunder, hat der Konflikt doch teure Folgen: Mehr als fünf Milliarden Euro lägen auf Eis, erklärt die PTB.

Erste Ergebnisse gibt es schon: Mit einer neu entwickelten Drohne können die Forscher die tatsächlichen Auswirkungen der Windräder auf die Funkstrahlung messen. »Wir müssen verstehen, was dort passiert«, erklärt Schrader. »Bisher gab es nur Vermutungen, aber keine belastbare Auswertung.« Auf Basis der Vermutungen entschied die Flugsicherung bislang im Zweifel gegen das Windrad – laut ihres vorrangigen Auftrags, den Luftverkehr sicher abzuwickeln.

 

Berechnungsmethoden der Flugsicherung verbessern

Aktuell arbeitet das Team von Dr. Schrader bereits an einem »Interimsmodell«, um die Forschungsergebnisse »sofort in die Praxis überführen zu können«. So sollen die Berechnungsmethoden der Flugsicherung verbessert werden – und zwar schon »in einem relativ kurzfristigen Zeitraum von einem halben Jahr«, schätzt der Experte.

Deshalb legt man beim Windradentwickler Abo-Wind den Standort Nieder-Erlenbach trotz des jüngsten Urteils nicht auf Eis. Wenn sich im Konflikt zwischen Windkraft und Flugsicherung etwas ändere, »würden wir gegebenenfalls auch unser Projekt weiterverfolgen«, sagt Firmensprecherin Lena Fritsche.

Auch in den Nachbarstädten hält man sich die Hintertür offen: »Unser grundlegendes Interesse besteht weiterhin«, sagt Karbens Bürgermeister Guido Rahn. In Bad Homburg betont Andreas Möring, Sprecher von Bürgermeister Matern, zwar: »Die Stadtwerke verfolgen das Projekt nicht weiter.« Die Aussage gelte für den aktuellen Zeitpunkt. Aber: »Ich kann nicht in die Zukunft schauen.«

Infokasten

Funkfeuer »Metro«

In einem Radius von 15 Kilometer rund um Funkfeuer der Flugsicherung können Windräder Störungen der Navigationssignale hervorrufen. Die Funkfeuer werden von den Flugzeugen angepeilt und ermöglichen so Piloten das Navigieren. Ein solches Funkfeuer namens »Metro« steht in Niddatal. Es wird für einen Großteil der Abflüge vom Frankfurter Flughafen Richtung Norden genutzt. Im Umfeld von »Metro« gibt es bereits 23 Windräder. Dazu zählen die vier, die sich seit Jahren in Karben direkt an der Stadtgrenze zu Frankfurt drehen. Vier Windräder plant der Frankfurter Energieversorger Mainova zusammen mit der Wiesbadener Firma Abo-Wind nördlich von Nieder-Erlenbach unweit des bestehenden Windparks. Und nur wenige hundert Meter entfernt wollen Bad Homburg, Karben und Windradbauer Enercon aus Aurich vier weitere Anlagen zwischen Petterweil und Ober-Erlenbach bauen. (dpg)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Drohnen
  • Enercon GmbH
  • Energiewirtschaftsunternehmen
  • Flugsicherung
  • Guido Rahn
  • Helmut Schmidt
  • Mainova
  • Rotoren
  • Windräder
  • Karben
  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


2
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.