14. März 2019, 09:45 Uhr

Seniorenheim

Nach Vorwürfen gegen Dortelweiler Alloheim: Aufregung ist abgeebbt

Die emotionalen Wogen schlugen hoch. Angehörige von im Dortelweiler Alloheim wohnenden Senioren klagten über Mängel. Die Heimaufsicht kam. Inzwischen hat sich einiges hat sich verändert.
14. März 2019, 09:45 Uhr
Die 80-jährige Erika Hoffmann ist mit Pflegedienstleiterin Alessandra Blake auf dem Weg in einen der Gemeinschaftsräume des Alloheims in Dortelweil. In der Seniorenunterkunft haben sich die Wogen offenbar geglättet, die Beanstandungen scheinen abgestellt. (Fotos: pe)

Häufige Personalwechsel, viele Aushilfen, Dusch- und Pflegepläne nicht eingehalten, kaum schriftliche Informationen, Reinigung der Toiletten nicht dokumentiert – viele Mängel hatten die Angehörigen von Alloheim-Bewohnern im vergangenen Herbst aufgezählt. Die Beschwerden waren so laut, dass die Heimaufsicht in Gießen einschritt, »Mängel in unterschiedlichen Bereichen« feststellte und einen Aufnahmestopp für die Dortelweiler Einrichtung verhängte. Bis Ende Januar hatte die das Heim betreibende Gesellschaft Zeit, die Beanstandungen abzustellen. Kürzlich kam die Heimaufsicht, um das zu überprüfen.

Regionalleiter Silvio Neubauer, der auch die Leitung der Dortelweiler Einrichtung innehat, sagt: »Die Mängel haben wir abgearbeitet.« Als Beispiel nennt er das Trink- und Essverhalten der Senioren. Bewohner mit einem Body-Mass-Index von unter 21 erhielten eine Zwischenmahlzeit oder hochkalorische Drinks. Einer der Vorwürfe habe gelautet, dass diese Dinge nicht gut dokumentiert worden seien. Das habe man nachgeholt. »Das Trinken wird jetzt genauso dokumentiert wie die Medikamentengabe.« Man könne niemanden zwingen, zu trinken und zu essen, »aber wir müssen das dokumentieren, wenn das jemand ablehnt«.

Als die Heimaufsicht vor Ort gewesen sei, seien 30 Patienten kontrolliert worden, laut Neubauer deutlich mehr als die Zahl derer, die zuvor beanstandet worden waren. Der Regionalleiter, der auch für die Heime in Niddatal, Nidderau und Rosbach verantwortlich ist, betont, dass die Prüfungen »vorher nicht angekündigt worden waren«.


 
Mehr Personal eingestellt
 

Regelmäßig treffen sich der Vorsitzende des Heimbeirates, Rudi Glaser (l.), und  Heimleiter Silvio Neubauer zur Besprechung.
Regelmäßig treffen sich der Vorsitzende des Heimbeirates, Rudi Glaser (l.), und Heimleite...

Neubauer nennt als Konsequenzen aus der Mängelliste, dass man in Küche und Wäscherei »personell nachgebessert« habe. Alloheim-Sprecher Rüdiger Stahlschmidt sagt, man liege »sieben Vollzeitkräfte über dem Personalschlüssel für diese Pflegeeinrichtung«. Man erfülle zudem den gesetzlich vorgeschriebenen Schlüssel von 50 Prozent an Fachkräften. Im vergangenen Herbst habe es einen hohen Krankenstand gegeben, »den wir kurzfristig mit teurem externen Personal haben auffangen müssen«. Positiv wirkten sich laut Neubauer die Gespräche mit den Angehörigen sowie der ständige Kontakt mit dem Heimbeirat aus. Vorsitzender des siebenköpfigen Heimbeirats ist Rudi Glaser. Der 77-Jährige sagt von sich, er selbst sei »hier sehr zufrieden«. Er habe natürlich von den Vorwürfen gehört. »Ich war aber überrascht, was da kam. Was ich hier höre, klingt oft anders: Da sind die Leute eher zufrieden«, sagt er.

Der Heimbeirat komme alle vier Wochen zu den regulären Sitzungen zusammen und biete zudem eine Bewohnersprechstunde an. »Da kommen aber nur wenige. Von den Bewohnern gab es nur sehr wenige Beschwerden. Das meiste kam von den Angehörigen«, weiß Rudi Glaser.

Auch Pflegedienstleiterin Alessandra Blake meint, in erster Linie hätten die Angehörigen die Emotionen hineingebracht. »Von den Bewohnern gab es vergleichsweise wenig Beschwerden.« Bei einer Führung durchs Haus fällt auf, dass es eine Stabsstelle Qualitätsmanagement gibt. Die mit zwei Mitarbeiterinnen besetzte Stelle prüft die Arbeit des Pflegepersonals, informieren Neubauer und Stahlschmidt. »Sie sind nicht im normalen Pflegedienst eingesetzt.«


 
Angehörige: Pflege verbessert

Eine Rückfrage bei einem der Angehörigen ergab, dass man auch dort Verbesserungen registriert hat. Claus Metz etwa sagt: »Die Alltagspflege ist besser geworden, trotz oder wegen der akribischen Doku, die auch für die Ärzte eher überzogen und nervig, weil zeitraubend ist.« Allerdings fehlten nach wie vor »für nicht eingearbeitete Leihkräfte schriftliche handliche Kitteltaschen-Infos für die Besonderheiten, wie etwa Demenzart, Anwendung von Asthmasprays oder Neigung zu Komplikationen«.
Zwar habe man bei dem Termin vor Ort positive Rückmeldungen bekommen. Ein offizieller Bericht der Heimaufsicht aus Gießen liegt jedoch noch nicht vor.
Derweil hat sich eine andere Angehörige gemeldet, deren 94-jährige Mutter dort lebt. Sie äußert sich durchweg zufrieden mit dem Heim. »Meine Mutter sieht sauber aus – und das Wichtigste: Es geht ihr gut.«

Info

64 Mitarbeiter, 92 Bewohner

Im Bad Vilbeler Alloheim kümmern sich nach Angaben von Konzernsprecher Stahlschmidt 64 Mitarbeiter in der Pflege um 92 Bewohner. Bei der jüngsten Überprüfung der Heimaufsicht seien 30 Bewohner geprüft worden, in der Regel seien es neun. Aktuell seien 36 Vollzeitmitarbeiter in der Pflege mit den Kassen vereinbart. Alloheim setze aber sieben Vollzeitmitarbeiter mehr ein. Den Anteil der Zeitarbeiter bezifferte Stahlschmidt auf etwa 30 Prozent. »Dabei arbeiten wir, um bei Zeitarbeit für die Bewohner eine Kontinuität in Pflege und Betreuung sicherzustellen, mit einem Dienstleister zusammen, der uns hoch qualifiziertes und zuverlässiges Personal langfristig zur Verfügung stellt.« Der Krankenstand sank bis Januar. Laut Betreiber hat die Krankheitsquote im Oktober 2018 bei 17,6 Prozent gelegen, im Januar bei 5,7 Prozent.

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