Kunstprojekt

Malen, um sich auszudrücken

Kunst gehört zum Alltag in der Kita-Wirbelwind in Klein-Karben. Von Künstlerin Sanaz Ghavami lernen die Kleinen, dass malen ganz viel mit akribischem Beobachten zu tun hat.
16. April 2018, 11:00 Uhr

Bananen, Äpfel, Birnen und Kiwis liegen in der Mitte des Tisches. Drum herum verteilt sind Wachsmalstifte, Scheren, Kleber und bunte Papierreste. Leise läuft das Radio. »Ich habe schon eine Banane gebastelt und jetzt mache ich einen Apfel«, verrät Auin. Die Sechsjährige schnappt sich ein Exemplar des rotbackigen Obstes, um es zu betrachten.

Genau anschauen

Dass man Objekte genau anschauen muss, bevor man sie gut malen kann, hat sie von Sanaz Ghavami gelernt. Seit Januar malt und bastelt Ghavami mit den 60 Kindern der Kindertagesstätte »Wirbelwind« in Klein-Karben. »Wir werden sogar mit Ton arbeiten«, erzählt sie. »Als Einstieg haben wir uns einfache Formen angeschaut.« Jeweils in Fünfergruppen gestaltete die Malerin mit den Kindern einen Ball und einen Fisch. »Der Ball hat mir besonders viel Spaß gemacht. Es war einfach, den Kreis zu zeichnen«, erinnert sich Finn (6). Nun sind verschiedene Obstsorten an der Reihe. Das ist schon etwas schwieriger, da mehrere Objekte in einem Bild angeordnet werden müssen.

»Mein Apfel wird rosa«, entscheidet Auin. Ghavami reicht ihr ein quadratisches Stück rosa Papier, auf das Auin mit rotem Wachsmalstift die Umrisse zeichnet. Anschließend schneidet sie den Apfel aus und klebt ihn neben ihre gelbe Banane. Gegenüber ist Finn damit beschäftigt, seine Erdbeere knallrot anzumalen. Er verrät: »Ich habe einen Apfel, eine Birne und eine Erdbeere gemacht. Das sind meine Lieblingsobstsorten.«

Ghavami nutzt Geschichten, Bilder, Musik oder Theater, um jedes neue Thema für die kleinen Künstler greifbar zu machen. Auch Exkursionen integriert sie in das Projekt. »Gestern waren die Kinder bei der Feuerwehr. Sie hatten den Auftrag, sich gut zu merken, was sie dort gesehen haben.« Das funktioniert: Regelmäßig kommen Kinder vorbei, um nachzufragen, wann sie ihr Feuerwehrauto malen dürfen.

Ghavami malt Portraits der Kinder

Die kleinen Künstler werden nicht nur selbst kreativ, sie werden auch von Ghavami portraitiert. »Dadurch sehen sie, wie eine Malerin mit einem Bild umgeht. Sie können beobachten, wie oft ich sie anschaue und wie ich mit den Farben umgehe. Dadurch werden sie mutig«, erklärt Ghavami. Die Malerin hilft den Kindern bei schwierigen Formen, gibt Tipps oder macht Vorschläge, sie lobt sie für gelungene Bilder.

Ghavami sagt, dass die Fähigkeit, gut malen zu können, das Selbstbewusstsein fördere. Das wirke sich auf die seelische und körperliche Entwicklung aus. »Die Kinder können lernen, sich und ihre Welt auszudrücken. Malerei ist eine Sprache. Kinder können nicht schreiben, sich aber mit Stift und Farbe ausdrücken. Sie können zum Beispiel Probleme in ein Bild bringen.« Außerdem kräftige das Arbeiten mit Ton und Schere die Muskeln der Hand.

»Sanaz, dürfen wir jetzt mit Pinseln malen«, fragen die kleinen Künstler, nachdem sie verschiedene Obstsorten ausgeschnitten haben. Besonders Pablo Emilio und Collin (beide 5) freuen sich darauf. Mit Acrylfarbe gestalten sie nun den Hintergrund. Pablo Emilio bettet seine Kokosnuss und seinen gelben Apfel, der eine glänzende grüne Krawatte trägt, auf eine grasgrüne Wiese. Der Himmel wird blau. »Das Malen ist toll. Am besten hat mir der Fisch gefallen, weil ich Meerestiere mag.« Auch Collin hat das am meisten Spaß gemacht, Er schwärmt: »Das Projekt ist cool, weil wir malen.«

Kinder malen zu Hause mehr

Als sie fertig sind, hüpfen die Kinder von ihren Stühlen und tragen die Bilder zum Trocknen in den Nebenraum. Später werden sie zu den anderen bunten Kunstwerken an die Wände gehängt. »Eltern melden sich und erzählen, dass ihre Kinder zu Hause nun mehr malen. Sie können durch das Projekt ein neues Interesse entwickeln«, berichtet Ghavami über erste Erfolge ihres Angebots.

Ein besonders spannender Tag wird für die kleinen Künstler der 16. Juni. Dann präsentieren sie in einer Ausstellung die Bilder, die sie bereits gestaltet haben. Ghavami sagt: »Das ist eine wichtige Sache, dass die Kinder ihren Eltern mit Stolz ihre Bilder zeigen und darüber sprechen können.«

Info

Künstlerin aus dem Iran

Vor fünf Jahren hat sich Sanaz Ghavami als Kunstlehrerin bei der Stadt Karben beworben. Seitdem hat sie bereits Kunstprojekte im Glückskindergarten (Kita und Hort), im Kinderhaus (Kita und Hort), in der Kita und dem Hort "Am Zauberberg", in der Schülerbetreuung der Pestalozzischule, in der Kita "Am Breul" und in der Kita "Wirbelwind" organisiert. Zuvor hatte sie zehn Jahre im Iran als Mallehrerin mit Kindern, Schülern und Erwachsenen gearbeitet und auch Vorlesungen an Universitäten in Teheran gehalten. Sie ist Malerin, Kunstpädagogin und Kunsthistorikerin.

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