29. Mai 2017, 11:00 Uhr

Flüchtlinge

Lea Weber will Helferin auf Augenhöhe sein

Idomeni, Calais und Belgrad – dort hat Lea Weber schon humanitäre Hilfe für Flüchtende geleistet. Die 20-Jährige, in Bad Vilbel aufgewachsen, ist Gründungsmitglied des Vereins »Rigardu«.
29. Mai 2017, 11:00 Uhr
Lea Weber kann anpacken: Hier baut sie gerade eine Mauer für einen Garten in Belgrad. (Foto: pv)

»Es ist schön zu sehen, dass man mit einem Fußball 20 Leute eine Stunde glücklich machen und sie von ihrem Elend ablenken kann«, sagt Lea Weber. Idomeni in Griechenland, Calais in Frankreich und Belgrad in Serbien – das sind die Stationen, an denen sie schon humanitäre Hilfe für Flüchtende geleistet hat. Die 20-Jährige ist Gründungsmitglied des Vereins »Rigardu«.

In den Semesterferien fahren Lea Weber und andere junge Leute an Orte, von denen sie wissen, dass Freiwillige benötigt werden. »Vor Ort schauen wir, wie wir uns am besten nützlich machen können. Dadurch bin ich viel spontaner und flexibler geworden.« Im Fokus ihrer Arbeit steht, den Menschen Trinkwasser und Duschmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. »Das ist mit vielen Herausforderungen verbunden, da unser mobiles Duschsystem komplex ist«, erzählt Weber. Im Sprinter transportieren die Helfer einen 1000-Liter-Tank, erwärmen das Wasser im Durchlauferhitzer. Zelte dienen als Duschkabinen für etwa 50 Menschen pro Tag.

Aufgewachsen ist Lea Weber in Bad Vilbel. Nach der Mittelstufe am Georg-Büchner-Gymnasium machte sie ihr Abitur an der Waldorfschule in Frankfurt. Seit letztem Herbst studiert sie in Jena Politikwissenschaft mit Nebenfach Humangeografie. Dennoch ist sie Bad Vilbel weiter verbunden, ist dort immer noch bei den Pfadfindern aktiv.

Unterkünfte aus Holz und Plastik

2015 hatten Weber und eine Freundin die Idee, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Sie hatten sowohl Zeit als auch ein Auto und fuhren kurzentschlossen mit drei weiteren Freunden nach Griechenland ins Flüchtlingslager in Idomeni. »Dort haben wir aus Holzkonstruktionen und Plastikplanen Schlafunterkünfte gebaut«, erzählt Weber. Finanziert durch Spenden von Verwandten und Freunden. »Nachdem wir zurück waren, haben das viele Freunde mitbekommen. Als wir im Winter nach Calais fuhren, waren wir bereits 20 Leute.« Heute sind über 40 Personen aus ganz Deutschland dabei, 2016 haben die jungen Leute ihren Verein gegründet.

»Es macht viel Spaß mit den Menschen, sowohl den Deutschen als auch den Flüchtenden. Wir versuchen, auf Augenhöhe zu sein.« Sie wollten nicht als »die weißen Helfer« wahrgenommen werden, deshalb trügen sie auch keine Uniformen. Denn nicht nur die Versorgung stehe im Zentrum. »In Belgrad haben wir zum Beispiel Deutschunterricht gegeben«, erzählt Weber. Im dortigen kulturellen Zentrum konnten die Flüchtenden auch Karten spielen, Workshops besuchen oder sich bei einer Tasse Tee unterhalten.

Es entstünden immer interessante Gespräche: »Manche Flüchtende erzählen von ihrer Heimat, ich weiß jetzt viel mehr über die afghanische Geschichte.« Auch habe sie viele Einzelschicksale und Fluchtgeschichten mitbekommen: »Am Anfang ist mir das sehr nahegegangen. Ich finde das nicht gut, aber mit der Zeit härtet man ein bisschen ab.«

Gespräche ergäben sich auch dadurch, dass sie eine weiße und unverschleierte Frau sei. Im kulturellen Zentrum in Belgrad habe sie geholfen, einen Garten anzulegen, für den erst eine Begrenzungsmauer gebaut werden musste. »Als die Flüchtenden sahen, wie ich diese ›Männerarbeit‹ mache, wollten sie mir alles abnehmen. Nach einiger Zeit haben sie aber gemerkt, dass ich das auch kann, es respektiert und sich gefreut, helfen zu können.«

Hinschauen statt wegschauen

Seit Sommer 2016 gibt es den Verein »Rigardu«, was auf Esperanto so viel wie »Hinschauen« bedeutet. Zumeist Studenten leisten für einige Wochen humanitäre Hilfe an verschiedenen Krisenorten in Europa. Aktuell sind sie in Serbien in Šid nahe der kroatischen Grenze aktiv. Dabei steht die Versorgung mit Trinkwasser und Duschmöglichkeiten im Vordergrund. »Wir kümmern uns um die Menschen, die sich nicht registrieren lassen, weil sie Angst haben, in geschlossene Lager zu kommen oder abgeschoben zu werden«, erklärt Lea Weber. Außerdem engagieren sich die jungen Leute in der Bildungsarbeit: Unter anderem an Schulen berichten sie über ihre Arbeit. Wer »Rigardu« unterstützen will, kann dies mit einer Spende auf folgendes Konto tun: Rigardu e.V.; IBAN: DE49 4306 0967 6047 3109 00; BIC: GENODEM1GLS. Zudem läuft gerade eine Crowdfunding-Kampagne für ein erstes eigenes Vereinsfahrzeug: betterplace.org/p53288.

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