23. Oktober 2018, 17:30 Uhr

Berufsschule in Karben

Karbener Schülern die Angst vorm Wahllokal nehmen

Viele Schüler der Karbener Berufsschule haben kein Interesse an Politik und obendrein Angst, ein Wahllokal zu betreten. Um dem entgegenzuwirken, findet kurz vor den Landtagswahlen das Großprojekt »Juniorwahl« statt.
23. Oktober 2018, 17:30 Uhr

Fragt man junge Berufsschüler danach, ob sie sich für Politik interessieren, hätte man zu Schuljahresbeginn eher Achselzucken geerntet. Der Schulsprecher an der Staatlichen Berufsschule in Karben, Herve Zulu, gibt das unumwunden zu: »Ich habe mich eher nicht interessiert.« Sein Vater habe ihm den Anstoß gegeben, sich mit den anstehenden Landtagswahlen zu beschäftigen. Und die Schule. Denn dort läuft seit einigen Wochen das Projekt »Juniorwahl«. Das ist eine Simulation dessen, was am kommenden Sonntag in Echt abläuft.

Der Wahlvorstand.
Der Wahlvorstand.

Und so stehen die Schüler zu Beginn der Woche in zwei langen Schlangen im Flur des Obergeschosses an. In der ersten Schlange stehen die, die ihre Wahlbenachrichtigung beim Wahlvorstand abgeben, in der zweiten die mit dem Stimmzettel. Dort geht es augenscheinlich besonders konzentriert zu: Viele schauen auf die Namen auf dem Zettel. Ja, da stehen tatsächlich Tobias Utter und Mirjam Fuhrmann und all die anderen Landtagskandidaten drauf, die auch bei der »richtigen« Landtagswahl angekreuzt werden können. Die rund 450 jungen Leute können bis Donnerstag ihre Stimme für die Kandidaten und die Parteilisten abgeben.

 

Finale eines größeren Projekts

Die eigentliche Wahl, von einem Schüler scherzhaft als »Fake Wahl« tituliert, markiert das Finale eines größeren Projektes, in das gut die Hälfte der Lehrer involviert war. Im Politik- und Wirtschaftsunterricht drehte sich in den vergangenen Wochen alles um die Landtagswahl, ums Wählen allgemein und um Politik. Die Lehrer bedienten sich dabei des Materials, das vom Berliner Verein »Kumulus« zur Verfügung gestellt worden ist. Von dort stammt auch die Idee zu diesem landesweiten Projekt.

»Wir wollen damit die Politikverdrossenheit unserer Schüler abbauen und ihr Interesse an Politik wecken«, definiert Sabine Beilke das Ziel. Sie und Schulleiter Johannes Lüke wissen um die Schwere dieser Aufgabe. Denn die Schüler weisen unterschiedlichste Behinderungen und Beeinträchtigungen auf. Deshalb nutze man leicht verständliche Unterrichtmaterialien, »die einen geringen Stand von Vorkenntnissen berücksichtigen«. Die Schüler wurden mit Wahlen und dem Wahlkampf vertraut gemacht, haben über Themen wie etwa Sicherheit, Diskriminierung oder die AfD diskutiert. Plakate wurden gemalt, es wurde Zeitung gelesen.

 

Wahl-Procedere ist vielen Berufsschülern fremd

Patrick Grund
Patrick Grund

»Das ist prima. Man kriegt alles erklärt«, freut sich der 20-jährige Patrick Grund. »Das ist gut für uns junge Leute, denn viele haben einfach Angst zur Wahl zu gehen.« Angst? Ja, bestätigen die verantwortlichen Pädagogen. Denn das gesamte Procedere ist vielen Berufsschülern schlicht fremd. Deshalb wird es komplett simuliert. Es werden Wählerlisten erstellt, Wahlbenachrichtigungen und Infos über den Wahlvorgang versandt. An einer Wand hängen die Landtagskandidaten, die sich am Sonntag zur Wahl stellen. Es sind zwei Wahlkabinen aufgestellt, in denen die jungen Leute ihre Stimme geheim abgeben können.

Das Ergebnis wird erst nach den Landtagswahlen verkündet. »Ich denke schon, dass ich am Sonntag zur Wahl gehe«, sagt Herve Zulu. Und auch Patrick Grund will ins Wahllokal gehen. »Sonst wird etwas entschieden, was wir jungen Leute nicht wollen, wie das in England war«, sagt Grund. Und auch Zulu hat schon über Konsequenzen des Nicht-Wählens nachgedacht: »Ehe die AfD gewinnt, gehe ich lieber zur Wahl.«

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