13. April 2019, 18:00 Uhr

Biogasanlage

Karbener Biogasanlage: Ganzes Dach muss ausgetauscht werden

Bei einer der routinemäßigen Überprüfungen der Karbener Biogasanlage wurde entdeckt, dass das Dach undicht ist. Deshalb gibt es auf dort nunmehr eine Premiere.
13. April 2019, 18:00 Uhr
So sieht ein Gärbehälter (Fermenter) ohne Dach von innen aus. (Foto: pe)

Langsam hebt sich die große Schaufel aus dem Behälter. Aus allen Seiten tropft schwarze Masse. Dann wird die Schaufel langsam in den Traktoranhänger gehievt und vorsichtig geöffnet. Ein knappes Dutzend Mal geht es so, dann gibt Traktorfahrer Daniel Jüngling Gas. Weit muss er nicht fahren, denn 100 Meter weiter kann er die riechende Fracht abkippen. Dort befindet sich nämlich das Lager der Biogasanlage. Das Material, das den ganzen Tag über immer wieder transportiert wird, war zuvor in dem Fermenter gewesen. Zwei dieser Fermenter, in denen das Substrat vergärt, stehen auf dem Gelände der Karbener Biogasanlage.

Einer der 3500 Kubikmeter fassenden Behälter wird nun genauer kontrolliert. Denn bei einer der routinemäßigen Kontrollen hat das dreiköpfige Team der Anlage festgestellt, dass etwas nicht in Ordnung wart. Geschäftsführer Ralf Döpp, der einmal wöchentlich aus Kassel anreist, erläutert das so: »Es handelt sich um ein Doppelmembrandach. Außen hat es einen festen Wetterschutz aus einer Folie, die dicker ist als eine Lkw-Plane. Die innere Schicht jedoch hat Ermüdungserscheinungen gezeigt.«

 

50 Millionen Kilowattstunden

Messungen hätten Methan angezeigt, das sich in dem Raum zwischen beiden Dachhäuten nicht hätte bilden dürfen. Also habe sich die GmbH und Ko KG »vorsorglich entschlossen, das komplette Dach auszutauschen«. Da der Behälter dazu völlig leergepumpt werden müsse, habe man beschlossen, auch die darin befindlichen vier Rührwerke zu überprüfen. »Es könnte sein, dass wir zwei davon austauschen müssen.«

Mit dem Leerpumpen ist eine Spezialfirma aus Visselhövede seit Montag beschäftigt. Mehrere Tage wird sie zu tun haben. Etliches an Vorarbeit hat das Personal der Anlage bereits geleistet. So hat es die Flüssigkeit schon mal umgepumpt. Dafür stand eines der beiden Gärreste-Lager zur Verfügung. Jetzt im Frühjahr sei die günstigste Zeit, da die Landwirte sich die Gärreste zur Düngung für die Felder geholt hätten. Dadurch sei eines der Lager freigeworden.

p>Nachdem die Flüssigkeit umgepumpt war, kam die Spezialfirma, deckte das Dach ab und verlegte eine mobile Pumpe, die bis auf den Boden des Behälters reichte. Damit wurde dann weiter abgepumpt. Ein Bagger schob im Innern die verbliebenen Feststoffe zusammen. Der Kran hievte sie durch das abgedeckte Dach nach oben und verlud alles in den Traktor. »Diese Gärreste können sich die Landwirte auch abholen«, sagt Betriebsleiter Michael Vogler.

 

Ein Drittel Leistung weniger

Lagebesprechung (v.l.): Betriebsleiter Michael Vogler, Daniel Jüngling und Ralf Döpp. (Foto: pe)
Lagebesprechung (v.l.): Betriebsleiter Michael Vogler, Daniel Jüngling und Ralf Döpp. (Fot...

Wegen dieser Arbeiten läuft die Anlage, die rund 5000 Haushalte mit Strom und 1000 Haushalte mit Wärme versorgt, derzeit mit einem Drittel Leistung weniger. Insgesamt rund 43 000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe und Wirtschaftsdünger kommen als Input in die Anlage, die rund 50 Millionen Kilowattstunden pro Jahr an Bio-Rohgas erzeugt, das zum größten Teil ins Erdgasnetz eingespeist wird. Zudem werden 43000 Tonnen Gärreste an die Landwirte zurückgegeben. Hauptsächlich wird die Anlage mit Mais betrieben, aber auch Hühnertrockenkot, Zuckerrüben und Mist dienen als Futter für die Biogasanlage. Das Material wird auf dem Gelände gelagert.

Alle halbe Stunde befüllt ein Radlader die beiden Festoffdosierer, von dort aus wird das Material in die Fermenter gepumpt, wo es unaufhörlich bewegt wird. Da die Anlagen Tag und Nacht laufen, sieht man bei der Biogas GmbH und Co. KG Handlungsbedarf für Erneuerungen. In den Fünf-Jahresplan habe man entsprechende Investitionskosten eingestellt, sagt Geschäftsführer Döpp.

Ganz wenig wird das nicht sein. Allein die gerade laufenden Arbeiten werden »annähernd einen sechsstelligen Betrag« kosten, wie er ausgerechnet hat. Ab diesem Wochenende will man den Fermenter wieder »nach und nach« in Betrieb nehmen. Und damit soll dann nächste Woche wieder die volle Leistung erbracht werden.

Info

Fünf Anlagen in Hessen

Die Karbener Energie AG, die Städtische Werk AG Kassel sowie Landwirte und Marktpartner sind zu je einem Drittel die Gesellschafter der Karbener Biogas GmbH & Co. KG. Die Kasseler Stadtwerke sind hessenweit an insgesamt fünf Biogasanlagen beteiligt. Aus der Stadt kommt auch Geschäftsführer Ralf Döpp. Einmal pro Woche ist er auch in Karben. Hier hat er jetzt auch die Geschäftsführung übernommen, nachdem die aus Bad Nauheim stammende Jennifer Bahm sich beruflich verändert hatte. Einige Zeit hatte auch Ekkehart Böing aus der Karbener Stadtverwaltung die Geschäftsführung vor Ort. Döpp wäre es durchaus recht, wenn man wieder eine Geschäftsführung vor Ort hätte. (pe)

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