20. Februar 2019, 11:00 Uhr

Radar-Kontrollen

Karben: Wo Stadtpolizisten Rekorde messen

Im Stadtparlament wurden jetzt die Statistiken der jüngsten Kontrollen präsentiert – mit zum Teil gewaltigen Überschreitungen. Interessant ist auch, wo die Raser erwischt worden sind.
20. Februar 2019, 11:00 Uhr
Mit diesem Radargerät hat sich Stadtpolizist Udo Kürten in diesem Monat gleich an mehreren Orten im Stadtgebiet platziert. Dabei hat er rekordverdächtige Geschwindigkeiten gemessen. (Foto: Holger Pegelow )

 

Udo Kürten ist seit vielen Jahren Stadtpolizist in Karben. Aber vielen Menschen ist er nicht bekannt. Dabei ist er an der Front tätig, und zwar bei den Tempokontrollen im gesamten Stadtgebiet. Zeigen muss er sich dabei nicht, denn aus einem Bus heraus werden die Temposünder festgehalten.
In diesem Februar war er mit einem seiner Kollegen aus Bad Vilbel besonders häufig im Einsatz. An markanten Orten im gesamten Karbener Stadtgebiet hat er sich mit seinem grauen Bus aufgestellt. Vor gut einem Jahr hatte diese Zeitung ihn im Einsatz besucht an einem Ort, wo er häufiger steht. An der städtischen Kindertagesstätte in der Dieselstraße. Dort hatte die Stadtpolizei im Jahr 2017 besonders viele Verstöße festgestellt. An Tempo 30 hatte sich dort kaum jemand gehalten.

Ungewöhnlicher Kita-Standort


Allerdings ist der Standort für eine Kita an der Einfahrt ins Gewerbegebiet eher ungewöhnlich. Dennoch ist die Einrichtung namens »Kinderwelt« dort hineingezogen, als der Montessori-Kinderhort die Räume verlassen hat. Die Stadt hat daraufhin Schilder aufgestellt, Tempo-30-Markierungen auf der Straße angebracht und Parkplätze quasi als Tempobremse eingezeichnet. Zudem gibt es dort eine automatische Tempo-Erfassung mit Smiley: Wer zu schnell fährt, dem werden herunterhängende Mundwinkel präsentiert, wer sich an das vorgegebene Limit hält, erntet ein elektronisches Lächeln.
 
Es geht ans Geld
 
Zusätzlich gibt es regelmäßige Kontrollen, bei denen es auch an den Geldbeutel der Autofahrer geht. »Im Vergleich zu vorherigen Messungen ist eine deutliche Verbesserung erkennbar«, schrieben die städtischen Ordnungshüter dem Bürgermeister auf. Der macht zu Beginn jeder Stadtverordnetensitzung seine Mitteilungen, so diesmal auch die zu den jüngsten Tempomessungen. Zwischen 7 und 11 Uhr wurden dort am Stichtag 2021 Fahrzeuge gemessen, von denen 99 oder fünf Prozent geblitzt wurden. Das Radarmessgerät löst jedoch erst aus, wenn das Auto mindestens 39 km/h fährt. »Diese Messtoleranz ist vom Gesetzgeber angeordnet worden«, weiß Kürten.

Ausreißer nach oben

Bei der jüngsten Messaktion schlug das Gerät beim schnellsten Autofahrer jeweils·mit 50 km/h in jede Richtung an. Das waren jedoch eher die Ausreißer nach oben. Ansonsten ist man bei der Stadt mit lediglich fünf Prozent »Blitzern« an dieser Stelle durchaus zufrieden. Denn schließlich heißen fünf Prozent Verstöße auch: 95 Prozent der gemessenen Autos halten sich an das vorgegebene Limit.
Ganz anders sieht es an anderen Orten im Stadtgebiet aus. Bürgermeister Guido Rahn (CDU) hat zur jüngsten Sitzung weitere Ergebnisse nachgereicht, die doch manchen im Saal erschaudern ließen. Weniger wegen der prozentualen Zahl der Überschreitungen, als vielmehr mit den gemessenen (abzüglich Toleranz) gefahrenen Geschwindigkeiten. 118 Stundenkilometer ist laut Bürgermeister der Schnellste in Höhe des Trimmpfades am Stadtwald gerast. Gemessen worden seien in knapp viereinhalb Stunden auf der K 246 gleich 2245 Fahrzeuge, von denen 120 geblitzt worden seien. »Dort ist eigentlich nur Tempo 70 erlaubt«, rief Rahn in Erinnerung. Laut Jagdpächter habe es an dieser Straße schon 20 tote Rehe in diesem Winter gegeben.
 
Temporekorde bei Rendel
 
Tempo-Rekorde wurden allerdings an ganz anderer Stelle aufgestellt. Als Stadtpolizist Kürten und seine Kollegen am vergangenen Mittwoch auf der Bundesstraße 521 ihre Messgeräte in Höhe der Abfahrt Rendel aufgebaut hatten, gab es jede Menge Überschreitungen. Mit zwölf Prozent liegt diese Straße einsam an der Spitze sämtlicher Messpunkte in Karben. In nur zweienhalb Stunden seien 1030 Fahrzeuge registriert und 123 geblitzt worden. Vor allem in Richtung Frankfurt tappten doppelt so viele Autofahrer in die Radarfalle wie in Richtung Büdingen. Rekordhalter fuhren 136 Stundenkilometer. In einem Achtziger Bereich seien 56 km/h Überschreitung deutlich zuviel. »Manche werden demnächst laufen«, kündigte Rahn an, denn bei derart hohen Überschreitungen droht Führerscheinentzug.

Messpunkt: Landstraße zwischen Burg-Gräfenrode und Groß-Karben
Ein weiterer wichtiger Messpunkt ist die Landesstraße zwischen Burg-Gräfenrode und Groß-Karben. Auf der L 3351 , hat es bereits tödliche Unfälle gegeben, vor allem in der Kurve. Dort war Kürten am vergangenen Montag im Einsatz und hat 969 Autos gemessen, von denen 79 geblitzt wurden. Laut Statistik war hier der Schnellste 111 km/h, erlaubt ist Tempo 70.
Ein Augenmerk richteten die Stadtpolizisten schließlich auf die inoffizielle Umleitungsstrecke, den Lindenweg in Klein-Karben. Aufgrund der Vollsperrung der Homburger Straße zwischen Rathausstraße und Kreisel an der Kirche müssen die Autos den Bereich umfahren. Hier zollte die Polizei den Verkehrsteilnehmern indes ein Lob: Das vorgegebene Tempo 30 hätten lediglich fünf Prozent überschritten. Der Schnellste sei 46 km/h gefahren. Rahn kündigte an, die Radarkontrollen würden fortgesetzt. »Wir lassen nicht locker.«

Es muss gerichtsfest sein

Wenn der Karbener Stadtpolizist Udo Kürten seine Radaranlage aufbaut, ist dies mit erheblicher Vorleistung verbunden. So muss das Equipment genauestens ausgerichtet werden; das dreiteilige Set besteht auf zwei Kameras und einem Messstrahl-Gerät. Dann muss er eine genaue Skizze anfertigen und noch Probeaufnahmen schießen. Grund: Die Aktion muss gerichtsfest sein. Denn nicht wenige Autofahrer klagen gegen einen Bescheid aus dem Rathaus oder, bei gravierenden Verstößen, aus Kassel. Seit 18 Jahren übt Kürten diesen Job aus, anfangs stand er 15-Mal pro Jahr vor Gericht und musste Beweise vorlegen, jetzt noch rund fünf Mal. Auf Fehler von Kürten sollte kein Temposünder hoffen. »Ich habe noch keinen einzigen Prozess verloren.« (pe)

 

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