05. Februar 2019, 20:26 Uhr

Jüdische Gemeinde lehnt Versetzen ab

05. Februar 2019, 20:26 Uhr
Das Mahnmal für Opfer des Holocaust soll auf dem Platz vor dem Alten Rathaus in Bad Vilbel bleiben, findet die Jüdische Gemeinde. (Foto: Pfeiffer-Goldmann)

Nur ganz beiläufig hat er es erwähnt. Dass die Flächen vor dem Alten Rathaus und dem Brunnen- und Bädermuseum am Marktplatz in Bad Vilbel stadtgestalterisch aufgeräumt werden sollten, erläuterte Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) vergangene Woche (diese Zeitung berichtete).

Er sprach in der öffentlichen Sitzung des Planungsausschusses des Stadtparlaments. Dort gab er die Ideen des Planungsbüros wieder, wonach unter anderem Bäume wegfallen sollen, Bänke versetzt, der Platz wieder freier, größer wirken soll. Neu war allein die Information über den Zeitplan der Umsetzung.

Berichterstattung im Fokus

Eher beiläufig erwähnte Wysocki auch »das Denkmal«. Er erklärte, dass der Planer vorgeschlagen habe, dieses vor das Museum zu versetzen – eben im Sinn des Freimachens der Plätze. Darüber sei die Stadt im Gespräch mit den Verantwortlichen, sagte der Erste Stadtrat. Das »Denkmal« ist das Mahnmal für die Opfer des Holocaust. Dass es versetzt werden könnte, ruft Protest hervor: »Es erschüttert die Jüdische Gemeinde, dass in Ihrem Artikel von einem ›Aufräumen‹ und in Bezug auf das Denkmal von einer Verlegung gesprochen wird«, greift Vorsitzende Vered Zur zugleich die Berichterstattung in dieser Zeitung wie auch die Planung der Stadt an.

Zur: »Wir sind ausdrücklich dagegen, dass dadurch ›aufgeräumt‹ wird, indem das Denkmal verlegt wird.« Das Mahnmal mit zwei Gedenksteinen, das an die Gräueltaten und die Verfolgung und Ermordung jüdischer Einwohner erinnert, wurde 1999 errichtet. Ausgearbeitet hatten es der damalige Gemeindevorsitzende Rafael Zur und Bürgermeister Günter Biwer (CDU).

Der Standort, zentral und auffällig gegenüber dem Alten Rathaus, sollte zum Nachdenken anregen, erinnert Vered Zur. Außerdem solle das Mahnmal umrundet werden können und das Umfeld groß genug sein, damit »sich auch eine Gruppe von mindestens zehn Männern zum Beten treffen kann, wie es der jüdische Ritus verlangt«.

Das Denkmal sei nicht konzipiert, »um an einer Wand zu stehen, an der sich Rosen entlangranken«, erläutert die Gemeindevorsitzende. »Das Denkmal sollte auch keine Kulisse für Hochzeitsbilder werden.« Ein Umzug kommt für Vered Zur nicht infrage: »Die Jüdische Gemeinde möchte ausdrücklich, dass das Denkmal an der Stelle, für die es geplant und errichtet wurde, verbleibt.«

Umzug kommt nicht infrage

Sauer ist sie dabei auf die Stadt. Zum einen, weil Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) ihr bereits nach der Bürgerversammlung zum Hessentag im vergangenen Jahr zugesagt habe, dass das Denkmal an seinem angestammten Platz bleibe. »Das scheint jetzt nicht mehr zu gelten«, kritisiert Vered Zur. Seine Zusage gelte weiter, betont hingeben Stadtoberhaupt Stöhr. »Die Aufregung lohnt nicht«, sagt er. »Es besteht und bestand keine Absicht, den Gedenkstein gegen den Willen der Jüdischen Gemeinde zu versetzen.« Im Ausschuss sei nur »der Konzeptvorschlag der Agentur« vorgestellt worden »und nicht der endgültige Umsetzungsplan«.

Kritik äußert Vered Zur allerdings auch daran, dass sie nicht von der Sitzung wusste. »Das Kulturdezernat hat es nicht für nötig gehalten, die Jüdische Gemeinde – anders als einige andere Institutionen – zu dem Termin, bei dem das Thema Hessentag konkretisiert wurde, einzuladen.« Die Stadt hatte allerdings gar keine »anderen Institutionen« zur Sitzung des Planungsausschusses gebeten. Sondern die Verwaltung hatte – ganz ordnungsgemäß und wie immer – die gesamte Öffentlichkeit eingeladen.

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