15. April 2019, 08:00 Uhr

Expertin

Hundeflüsterin Christine Roth über ihre Passion

Katzen sind ihr zu egoistisch, und Pferde kann man nicht mit nach Hause nehmen. Die Bad Vilbeler Bloggerin Christine Roth hat nur ein Lieblingstier: den Hund.
15. April 2019, 08:00 Uhr
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Bloggerin Christine Roth genießt jede Sekunde, die sie mit ihren beiden »Aussies« Vida und Bliss verbringen kann. (Fotos: Dominik Rinkart)

Christine Roth liebt die frische Luft. Das Spazierengehen in den frühen Morgenstunden ebenso wie die beruhigende Stille des Sonnenuntergangs. Alleine ist sie jedoch nie auf den Bad Vilbeler Wald-, Feld- und Parkwegen anzutreffen, stets sind es acht muntere Pfoten, die treu neben ihr her tapsen. Diese gehören zu Bliss und Vida, zwei junge und wilde Australian-Shepherd-Hunde, die nicht von ihrem Frauchen lassen können. Vorbildlich an der Leine geführt, drehen sie selbst beim Geradeauslaufen ihre strubbeligen Köpfchen immer wieder nach oben und suchen den Blickkontakt. Das Trio wirkt eingespielt, vertraut und verbunden.

Dem Hunde-Kenner mag das wie eine Kunst erscheinen, denn Australian-Shepherds sind wahrlich keine einfachen Hunde. Eigentlich wurden sie gezüchtet, um Schafherden zu hüten. Der Kurpark wirkt gemessen an diesem tierischen Anspruch vergleichsweise langweilig. Hinzu kommt die städtische Leinenpflicht, wild rumtoben ist also schlichtweg nicht möglich – und dennoch wirken die zwei jungen Hunde ausgelastet und zufrieden.»Man muss den Hund Hund sein lassen«, betont Christine Roth und setzt sich auf eine Parkbank. Auch die Vierbeiner wissen, was sie zu tun haben, legen sich entspannt auf den Boden.

 

Fleißig Theorie lernen

Seit sie sieben Jahre alt war, wünschte sich Christine Roth nichts sehnlicher als einen Hund. Ein Jahr lang, so blickt sie zurück, lag sie ihren Eltern bettelnd und flehend in den Ohren, bis sie schließlich ihr Ziel erreichte. Familienhund Emil stammte aus einer genügsameren Rasse, nicht zu vergleichen mit den agilen »Aussies«. Bis ins hohe Alter von 13 Hundejahren war Emil ein Teil der Bad Vilbeler Familie, und so glücklich diese Jahre auch waren, fehlte der hundeverrückten Tochter doch immer etwas: »Ich wollte mit meinem Hund mehr im Alltag erleben und mich aktiver mit ihm beschäftigen.«

Wer kann da schon »Nein« sagen? Bliss und Vida achten sehr auf ihr Frauchen.
Wer kann da schon »Nein« sagen? Bliss und Vida achten sehr auf ihr Frauchen.

So recherchierte sie, welche Hunderasse zu ihr passen könnte. Dabei stieß sie auf die amerikanischen Hütehunde »Australian Shepherd« – eine Rasse, die fordert. Um den energiegeladenen und wissbegierigen Hütehunden gerecht zu werden, bedarf es einiger Vorbereitung. So galt es für Christine Roth zunächst, fleißig Theorie zu lernen: »Ich habe ein Jahr lang regelmäßig die Züchterin besucht, um die Rasse kennenzulernen.« Die selbst ernannte Hundemama will nicht einfach nur Frauchen sein, sie will genau wissen, was sie tut, sicherstellen können, dass es ihren Hunden gut geht und ihr Wissen weitergeben. Auf ihrem Blog dogsoulmate.de berichtet sie einmal im Monat aus ihrem Alltag. Da sie der erst sieben Monate alten Vida noch viel beibringen muss, liegt Roths thematischer Fokus aktuell auf der Welpenerziehung. Doch auch ihre eigenen Gedanken bringt sie immer wieder in ihrem Blog unter.

»Die Hunde haben mich auch beruflich weitergebracht«, erklärt Roth, die Vollzeit im Produktmarketing einer Frankfurter Bank arbeitet. So sei es im Alltag mit Hunden enorm wichtig, stets einen klaren Kopf zu bewahren: »Ich muss erst überlegen, was will ich überhaupt, und es dann klar formulieren.« Diese Regel gelte sowohl im Umgang mit den Hunden als auch mit Chefs.

 

Klare Regeln beim Gassigehen

Hundeverrückt, dieses Adjektiv würde die Bad Vilbelerin nicht verneinen. Immer wieder streichelt sie ihren Hunden über die Schnauze, redet mit ihnen in verniedlichter Stimme, lobt die Vierbeiner und füttert sie freimütig mit Leckerli. Doch Roth kann auch anders, denn in ihrem kleinen Rudel ist definitiv sie der Boss: »Hunde brauchen Grenzen«, macht sie unmissverständlich deutlich. Zu Hause dürften sie zwar aufs Sofa, doch das Bett sei tabu. Und auch beim Gassigehen gelten klare Regeln. So führt sie eine nur kurze Leine mit sich und trainiert sogenanntes Fuß-Laufen. Dicht an ihrer Seite müssen die Hunde spazieren und immer fokussiert auf ihr Frauchen sein.

»Mehr Freiraum bedeutet auch mehr Stress«, erklärt Roth. Einem Hund, dem alles erlaubt sei, fehle die Orientierung. Gerade für energische Hunde wie ihre »Aussies« könne diese Ratlosigkeit zu einer fatalen Überforderung führen. Mit ihrem Frauchen müssen sich Bliss und Vida diese Sorge nicht machen. Mit der dreieinhalb Jahren alten Bliss praktiziert die Bloggerin Dog-Dancing, dabei lernen beide kleine Choreografien – vergleichbar mit dem Dressurreiten für Pferde. Für die sieben Monate alte Vida, wäre dieses Training noch zu früh, doch Roth erkennt bereits: »Vida hat eine sehr gute Nase.«

Konzentriert achtet Bliss beim Dog-Dancing auf ihr Frauchen.
Konzentriert achtet Bliss beim Dog-Dancing auf ihr Frauchen.

Keine zehn Meter vergehen beim Gassigehen, ohne dass Vida an etwas schnüffeln möchte. Dieses Talent will ihr Frauchen fördern. Eine Win-win-Situation: Die Hund sind gefordert, ausgelastet und glücklich, und Christine Roth kann so viel Zeit wie nur irgendwie möglich mit ihren Lieblingstieren verbringen. Das ist alles, wovon sie immer geträumt hat. Denn Hunde sind ihr Leben, ihr Lebenssinn und ihr Hobby: So bestückt sie nicht nur regelmäßig ihren Blog und liefert ihren 19 000 Fans mehrmals täglich auf Instagram spannende und lehrreiche Alltagstipps, sondern betreibt ihren eigenen kleinen Online-Shop mit liebevoll gestalteten Hunde-Artikeln: Stoffbeutel, Tassen, Mützen, Notizbücher – alles selbstverständlich mit eigenem Hundelogo. Neu im Sortiment ist ein Leine aus Leder, das ganz natürlich mit Stoffen aus der Rhabarberwurzel gegerbt wurde.

 

Hundeleine mit Rhabarber

Hundeleinen gibt es in Geschäften zwar schon zuhauf, doch alle hatten einen entscheidenden Makel: »Sie waren einfach nicht von mir«, erklärt Christine Roth mit einem Lachen. Jede freie Sekunde fließe in ihre Leidenschaft ein. In Sachen Wissbegierde steht die Bad Vilbelerin ihren Hunden in nichts nach. Die Begleithundeprüfung hat sie bereits bestanden, aktuell absolviert sie eine Weiterbildung zur Verhaltensberaterin. In zwei Jahren könne sie sich vorstellen, nebenberuflich Hunde-Beratungen anzubieten.

»Mein Tag müsste mehr als 24 Stunden haben«, betont Christine Roth, ohne gestresst zu wirken. Ihre Hunde sehen dass allerdings anders und liegen inzwischen dösend unter der Parkbank. Selbst Hütehunde schlafen gerne, weiß auch deren Frauchen und streichelt ihnen sanft über die Schnauze.

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