Tote Telefone

Größeres Telekom-Problem in Petterweil

Fast zwei Wochen waren in Petterweil rund 100 Telefonanschlüsse gestört. Die Telekom hat ein größeres Problem.
24. Januar 2018, 08:00 Uhr

Von Holger Pegelow , 1 Kommentar
Die Petterweiler Büchereileiterin Ursula Hauer versucht vergebens, über den Festnetzanschluss zu telefonieren. Der war seit über zwei Wochen tot. (Fotos: pe)

Wer ein Auto an- oder ummelden und sich telefonisch einen Termin bei der Karbener Kfz-Zulassungsstelle holen will, hört nur ein schnelles Tuten. Ebenso derjenige, der die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei in der Außenstelle Petterweil der Karbener Verwaltung erreichen möchte. Das schnelle Tuten bedeutet: Es liegt eine Störung vor. »Das geht schon seit fast zwei Wochen«, sagt Peter Wolf-Schwalm, der in dem Karbener Stadtteil wohnt. Während es bei Ursula Hauer und ihrer Kollegin Marion Schwalm lediglich darum geht, neue Werke zu bestellen oder mit den Lesern in Kontakt zu treten, geht es bei Peter Wolf-Schwalm um mehr. Er ist nämlich an MS erkrankt und über die Festnetzleitung seines Telefons an den Hausnotruf angeschlossen. »Es kann passieren, dass ich umkippe, und dann brauchen wir über den Notruf schnelle Hilfe.«

 

Fehler an der Hauptleitung

Vertragspartner für seinen Anschluss ist Vodafone, wie Schwalms Frau erzählt, die in der Bücherei arbeitet. »Die haben dreimal einen Techniker geschickt. Der letzte hat eindeutig festgestellt, dass es an der Hauptleitung liegt.« Und die gehört der Telekom. Offiziell heißt es auf der Störungsseite des Unternehmens im Internet: »Es liegen keine Störungen vor«. Viele Petterweiler hätten das auch nicht lesen können, denn wer beim Internet auf die Telekom setzt, kommt auch nicht ins Netz.

Ebenso erging es dem Berufsbildungswerk Südhessen. Die große überbetriebliche Ausbildungsstätte war nach Angaben ihrer Sprecherin Valeska Falkenstein vom 10. bis 15. Januar telefonisch und per Netz nicht erreichbar. »Zunächst gab es nur leichtere Störungen, am vergangenen Montag dann einen Komplettausfall.«



Die Bonner Pressestelle der Telekom teilt auf Nachfrage der WZ mit, dass die Störung seit 11. Januar besteht. Pressesprecher Dirk Becker informiert, aufgrund der starken Regenfälle sei Wasser in einen fünf Meter langen Kabelstrang an der Brunnenstraße im Bereich der Nordumgehung eingedrungen. Das Finden und Beseitigen sei eine aufwendige Angelegenheit gewesen, da die Kabel alle unterirdisch verliefen. Das beschädigte Stück sei mittlerweile gefunden und beseitigt. Das neue Stück müsse aber auf beiden Seiten gespleißt werden. Es müssten also mehrere Hundert Kupferadern miteinander verknüpft werden. »Das macht keine Maschine, das ist richtige Handarbeit. Da muss ein Kollege in die Baugrube und die Adern miteinander verbinden«, beschreibt Becker die Arbeiten, die am Dienstagmittag abgeschlossen worden sind.

 

Seit Dienstag werden Anschlüsse hochgefahren

Seit den Mittagsstunden des Dienstags werden die Anschlüsse wieder hochgefahren. Die Verantwortlichen der Stadt sind auf die Telekom nicht gerade gut zu sprechen. Verwaltungsleiter und Pressesprecher Hans-Jürgen Schenk sagt, man habe die Störung der Telekom gemeldet und von dort ein sogenanntes Ticket erhalten. Das ist eine Nummer, nach der Störungen abgearbeitet werden. »Dann ist das Ticket einfach geschlossen worden, ohne dass es erledigt war.« Sprich: Bücherei und Zulassungsstelle waren immer noch nicht erreichbar. »Wir wissen von nichts«, sagen auch die beiden Mitarbeiter in der Zulassungsstelle. Sie konnten, genauso wie die anderen 100 Kunden, zunächst nur abwarten. Am Abend sollten alle Anschlüsse wieder funktionieren. Wolf-Schwalm hat schon wieder einen funktionierenden Anschluss. Im Berufsbildungswerk kann auch wieder telefoniert und gesurft werden.

 

Zwischenruf

Bitte mehr Information

Es kann durchaus passieren, dass Telefon und Internet ausfallen. Besonders in dieser nassen Jahreszeit, in der es viel geregnet hat. Hundert Anschlüsse gestört, kein Telefon, kein Internet. Was sich die Telekom in Karben angesichts dieses Blackouts geleistet hat, ist schon blamabel. Es gab dazu keine offizielle Information. Schlimmer noch: Im Internet behauptete der ehemalige Staatsbetrieb sogar, es lägen gar keine Störungen vor. Die Kunden müssen sich doch veräppelt vorkommen. Zudem hat es lange gedauert, bis der Fehler gefunden und eine Fremdfirma mit der Reparatur beauftragt war. Die Telekom darf sich nicht wundern, wenn sie in Karben Kunden verliert. Verständlich wäre das. (pe)

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