19. Februar 2019, 13:00 Uhr

Golfanlage

Golf statt Ackerboden: Erweiterung der Freizeitanlage bei Petterweil geplant

Zusätzlich zu den Golf- und der Fußballgolfanlagen soll bei Petterweil ein Neun-Loch-Golfplatz mit Kurzbahnen enstehen. Dafür müsste eine Abweichung vom Flächennutzungsplan beantragt werden.
19. Februar 2019, 13:00 Uhr
Die Familie Gauterin, hier mit (v. l.) Florian, Eckart, Gija und Albrecht, will einen Neun-Loch-Golfplatz mit Kurzbahnen errichten. (Foto: dpg)

Als der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, musste einer den Saal verlassen: CDU-Stadtverordneter Albrecht Gauterin. Er und seine Familie betreiben den landwirtschaftlichen Hof und die Freizeitanlage vor den Toren Petterweils am Eckhardsgraben. Das bestehende Freizeitgelände auf dem Hofgut Gauterin möchte die Familie gerne erweitern. Nicht so stark, wie ursprünglich geplant, dennoch aber müsste landwirtschaftliche Fläche in Anspruch genommen werden. Um einen Zielkonflikt zu vermeiden, will die Stadt nun eine Abweichung vom Regionalen Flächennutzungsplan beantragen.

Gut 500 Golfspieler kommen pro Jahr nach Petterweil, um auf der öffentlichen Anlage ihre Abschläge zu verbessern. Seit 2004 besteht diese Golf-Übungsfläche, in der  Fachsprache auch Putting Green und Driving Range genannt. Seit über vier Jahren bietet Albrecht Gauterin mit seinem Bruder Florian und den Eltern Gija und Eckart auch Fußballgolf an. Jung und Alt kommen zum Teil aus ganz Hessen dorthin, um einen Fußball durch und über verschiedene Hindernisse zu schießen. Seit Jahren schon ist der Freizeitsport neben der Landwirtschaft zu einem zweiten wirtschaftlichen Standbein der Familie geworden, wie auch ein Gutachten feststellt, das die Stadt in Auftrag gegeben hat.

Nun will sie noch einen Neun-Loch-Golfplatz als Ergänzung bauen. Eigentlich hatte die Familie vor, einen großen Golfplatz zu errichten, auf dem auch sportlich ambitionierte Golfer die Möglichkeit haben sollten, auf 250 bis über 400 Meter langen Bahnen zu spielen.

 

Bedenken der Landwirtschaft

Doch die übergeordneten Behörden machten nicht mit, wollten dafür keine wertvolle landwirtschaftliche Fläche hergeben. »Es gab große Bedenken der Landwirtschaft«, fasste der Leiter des Fachdienstes Bauen, Heiko Heinzel, zusammen. Weil die großen Pläne aber nicht durchsetzbar waren, hat die Familie die Pläne zu den Akten gelegt, die 6,4 Hektar große Driving Range um über 30 Hektar zu vergrößern.

Aktuell geht es um eine abgespeckte Version. Es soll zwar weiterhin einen Neun-Loch-Golfplatz geben, aber mit Kurzbahnen. Das neue Vorhaben soll nur noch 7,3 Hektar Fläche umfassen. Davon würden 3,9 Hektar »erstmals und nicht unwiederbringlich der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen«, so die Magistratsvorlage.

Genau das ist der Konflikt: Die Nutzung als Freizeitanlage würde verhindern, dass auf dem Ackerboden beispielsweise Gemüse, Kartoffeln oder Weizen angebaut würden. Im Regionalen Flächennutzungsplan des Regionalverbandes ist die Fläche entlang der Alten Heerstraße so definiert, dass »die landwirtschaftliche Bodennutzung Vorrang vor anderen Nutzungsansprüchen hat«.

 

Projekt deutlich geschrumpft

»Das Projekt ist nun deutlich eingedampft worden«, sagte der Leiter des Fachdienstes Bauen, Heiko Heinzel, anlässlich der Einbringung der Magistratsvorlage in die Gremien. Dennoch sei das Verfahren zur Zielabweichung notwendig.

Die Grünen stehen dem Projekt nach wie vor skeptisch gegenüber. Stadtverordneter Marcus Klötzl meinte, man stimme aus den »bekannten Gründen« gegen den Antrag für ein Abweichungsverfahren. Schon beim noch laufenden Bebauungsplanverfahren hatte Klötzl Bedenken geäußert. »Wir sehen nicht den Nutzen für die Allgemeinheit, wenn der Betrieb expandiert und dort guter Wetterauer Boden dafür draufgeht«, erklärte Klötzl.

In dem Gutachten, das der Magistrat in Auftrag gegeben hatte, heißt es zu diesem Punkt: »Eine Inanspruchnahme der in Rede stehenden, hier beantragten Flächen ist grundsätzlich reversibel, d.h. ein Rückbau und die Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist im Bedarfsfall problemlos in wenigen Arbeitsschritten und ohne große Eingriffe möglich.«

Die anderen Fraktionen stimmten dem Projekt zu und votierten für den Antrag auf Zielabweichung. Der Stadtverordnete Gauterin, der als Betroffener weder mitdiskutieren noch mitstimmen durfte, konnte nach der Abstimmung wieder in den Saal des Bürgerzentrums zurück.

 

Vorrang für Landwirtschaft

Das steht im Flächennutzungslan

Der Flächennutzungsplan für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet macht verbindliche Vorgaben für die Flächennutzung. Er setzt somit den planerischen Rahmen für die räumliche Entwicklung der gesamten Region. Früher gab es zwei Pläne, den Regionalplan und den Flächennutzungsplan. Sie wurden zu einem gemeinsamen Planwerk zusammengefasst. Gegenüber den Vorgängerplänen weise der Plan insgesamt deutlich weniger neue Siedlungsflächen aus, schreibt das Regierungspräsidium in seinem Vorwort. Damit berücksichtige er die vorhandenen Flächenreserven und trage den erkennbaren demografischen Entwicklungen Rechnung. »Zugleich werden Natur, Landschaft und Landwirtschaft durch erhebliche Flächenausweisungen gestärkt.« (pe)

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