13. März 2018, 13:00 Uhr

Selbsthilfekontaktstelle

Gemeinsam lachen hilft

Wenn Ärzte ratlos sind, die eigene Situation ausweglos erscheint, hilft der Besuch einer Selbsthilfegruppe. Fast 50 Gruppen gibt es in Bad Vilbel. Einige stellen sich am Freitagabend in Dortelweil vor.
13. März 2018, 13:00 Uhr
In der Gemeinschaft einer Selbsthilfegruppe tauschen und stützen sich Betroffene. In Bad Vilbel gibt es fast 50 dieser Gruppen zur Selbsthilfe. 	(Foto: Archiv/Fotolia)
In der Gemeinschaft einer Selbsthilfegruppe tauschen und stützen sich Betroffene. In Bad V...

Die erste SH-Gruppe war vor 30 Jahren ein Eltern-Kind-Treff, in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund«, erinnert sich Silke Schöck von der Bad Vilbeler Selbsthilfekontaktstelle. Sie weiß, wie wichtig diese Gruppen sind, wenn Diagnosen wie eine Autoimmunerkrankung oder Krebs die Betroffenen unerwartet aus ihrem Alltag reißen. »In einer Selbsthilfegruppe gibt es Gelegenheit, zum persönlichen und fachlichen Erfahrungsaustausch«, erklärt sie. Unterstützt wird die Arbeit der Kontaktstelle durch ein Team ehrenamtlicher In-Gang-Setzer, die neue Selbsthilfegruppen in der Startphase, aber auch bestehende Gruppen in Krisensituationen begleiten.

Erfahrene Akteure als In-Gang-Setzer

Beim Selbsthilfetag am Freitag, 16. März, stellen sich einige der Gruppen vor. Auch die Gruppe, der Sabrina Krause, Brigitte Dietrich und Udo Knietsch angehören. Knietsch ist In-Gang-Setzer und besucht regelmäßig die Anonymen Alkoholiker und die Männergruppe. »Ich musste mich überwinden, in der Gruppe über meine Probleme zu sprechen. Das ist ein Lernprozess«, sagt der 72-Jährige. Fast 50 Selbsthilfe- und Begegnungsgruppen haben sich mittlerweile etabliert. »Psychische Probleme nehmen zu. Junge Menschen haben durchweg befristete Arbeitsverträge, müssen flexibel sein, fühlen sich überfordert«, sagt Schöck.

Der Autoimmun-Gesprächskreis werde vor allem von Frauen besucht. Bei Autoimmunerkrankung wird das körpereigene Abwehrsystem vom eigenen Körper angegriffen. Autoimmunerkrankung ist ein Sammelbegriff für etwa 60 Krankheitsbilder wie Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Rheuma, Diabetes oder Schuppenflechte.

Schlecht informierte Fachärzte

Sabrina Krause leidet an Lichen Sclerosus, einer entzündlichen Hauterkrankung im Intimbereich. »Fachärzte sind schlecht informiert. Autoimmunerkrankungen kommen im Studium nicht vor, oder nur bedingt«, sagt sie. Brigitte Dietrich gehört zu den 2,5 Prozent der Deutschen, die unter Hashimoto leiden. »Bei dieser Krankheit greift der Körper alle hormonbildenden Organe an«, sagt die 68-jährige. Sie litt viele Jahre unter Antriebslosigkeit, Schwindel, Konzentrations-und Sehstörungen. »Man wird sofort in die Psychoecke geschoben. Eine solche Diagnose ist häufig mit langer Facharztsuche verbunden.« Dietrich bemängelt auch den fehlenden Aufklärungsbedarf bei Haus- und Fachärzten. Sie sagt, dass es noch keine Fachliteratur gegeben hat, als sie vor acht Jahren die Diagnose erhielt.

Frauen sind offener

In den Vilbeler Selbsthilfegruppen sind 80 Prozent der Teilnehmer Frauen. Frauen gingen offener mit Krankheiten um, während Männer der Ansicht sind, das allein bewältigen zu können. Für Krause, Dietrich und Knietsch ist der Austausch in der Gruppe sehr wichtig. Gemeinsam lassen sie Dampf ab, geben sich die fehlende Unterstützung, die sie von medizinischer Seite oft nicht erhalten und sie lachen zusammen. Manchmal bilden sich auch Freundschaften.

»Wenn eine Gruppe sechs Teilnehmer hat und etwa drei Monate besteht, gibt es die Möglichkeit Gelder für Referenten, Raummiete zu beantragen«, erklärt Schöck.

Die Selbsthilfekontaktstelle beteiligt sich am Freitag, 16. März, von 18 bis 21 Uhr am Selbsthilfetag im Sport- und Kulturforum Bad Vilbel-Dortelweil.

 

 

Infokasten

Drei Fragen an Silke Schöck

Welche Selbsthilfegruppen bezeichnen sie als »exotisch«?

Silke Schöck: Es sind die Selbsthilfegruppen, die seltene chronische Erkrankungen berücksichtigen, wie Leukodystrophien oder die Syringomyelie.

Welche Bedeutung haben Selbsthilfegruppen?

Schöck: Für die Betroffenen stellen Selbsthilfegruppen einen großen Gewinn und eine Hilfe dar. Wenn andere in der Gruppe das gleiche Krankheitsbild haben, gibt es viel Verständnis und Empfehlungen untereinander.

Welche Gruppen werden derzeit nachgefragt?

Schöck: Gruppen im Bereich psychischer Erkrankungen. Derzeit gibt es sechs Gruppen für Betroffene und Angehörige. Wir gründen gerade die siebte Gruppe. Depressionen, Angst und der Druck im Beruf nehmen zu. Die Jahrgänge 1980 bis 85 sind stark betroffen. (geo) * Silke Schöck ist bei der Bürgeraktive für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

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