Bad Vilbel

Freibad bei Familien und Berufstätigen beliebt

Whirlpool, Saunabereich, Riesenrutsche oder eine Cocktailbar findet man hier nicht. Dennoch erfreut sich das altehrwürdige Bad Vilbeler Freibad großer Beliebtheit. Vor allem bei Familien und Berufstätigen. Was macht den Reiz dieses Uraltbades eigentlich aus?
11. Juli 2018, 14:00 Uhr

Das alte Hallenbad im westlichen Kurpark, das in diesen Tagen abgerissen wird, hatte viele Stammgäste. Es entsprach allerdings keineswegs mehr dem, was man heute unter modernem Standard versteht. Die Technik war zwar in Ordnung, aber den Charme der frühen Sechzigerjahre spürte man in der Einrichtung überall. Nicht anders sieht es im Freibad aus. Auch hier kann keine Rede davon sein, dass viele in die modernen Thermen abgewandert wären. Im Gegenteil: Das Bad erfreut sich regen Zulaufs. »Vor allem an den Wochenenden und nach 18 Uhr brummt es hier«, sagt Schwimmmeister Lutz Buchner, der zusammen mit Jörg Lau die Einrichtung an der Huizener Straße leitet. Der Fachangestellte für Bäderbetriebe, so die offizielle Berufsbezeichnung, kennt den täglichen Ablauf. »Morgens kommen 20 bis 25 Frühschwimmer, die vor dem Beruf noch ein paar Runden drehen. Ab 10 Uhr kommen die, die Zeit haben, nachmittags kommen viele Jugendliche, und abends dann wieder Berufstätige.«

 

Viel los im Kleinkindbecken

 

Auch an diesem Tag mitten in der Woche ist das Freibad gut besucht. Dabei ist nicht mal knalliger Sonnenschein, es ist schwülwarm. Das Wasser hat 24 Grad; es ist durch den Sonnenschein der Vortage gut aufgewärmt worden. Denn eine Möglichkeit zum Beheizen des Wassers gibt es in dem 1936 eröffneten Bad nicht.

Auf der Liegewiese ist zwar noch viel Platz, hier haben sich etliche Jugendliche auf ihre Decken gelegt, und man sieht einige Familien mit Kindern. Am Rand des Schwimmerbeckens liegen einige Frauen und sonnen sich oder lesen ein Buch.

 

Stammgäste am Beckenrand

 

Am meisten los ist am Kinderbecken. Hier planschen die Jüngsten im 80 Zentimeter flachen Wasser oder rutschen, mithilfe von Geschwistern, Oma oder Mama, die kleine Rutsche runter. Am Rand gibt es Sitzgelegenheiten, die gut besetzt sind. Hier sitzen auch Corina Jonas und Andrea Dürrwand, die beide zu den Stammgästen des alten Hallenbades gehört haben. »Wir sind definitiv traurig, dass das Bad jetzt abgerissen wird«, sagen sie. Ins Freibad gehen die beiden Dortelweilerinnen mit ihren Kindern Lana (8 Jahre), Raphael (3) und Philipp (5) allerdings auch öfter. »Uns gefällt der Kleinkinderbereich sehr gut«, sagen die beiden Mütter, die selbst auch Bahnen schwimmen. »Wir sind halt alle Wasserratten«, lächeln sie.

 

Auf der anderen Seite, am Erwachsenenbecken, liegt Anja Folkmayer-Frinta. Sie sei fast täglich hier, sagt sie. Auch die Dortelweilerin schwimmt gerne Bahnen, kommt zumeist ab 16 Uhr ins Bad, »nach dem Büro«. Sie und ihre beiden Kinder haben Dauerkarten bzw. Saisonkarten. »Das Bad reicht völlig aus«, sagt sie. »Es ist zwar ein altes Bad, aber immer sehr sauber«.

 

Badewasser in Trinkwasserqualität

 

Das ist ein Lob für die vier sogenannten Badewärter. Sie sind unter der Leitung von Beate Hauser für die gesamte Sauberkeit der Einrichtung zuständig. Für die Reinhaltung des Wassers sind die beiden Schwimmmeister Buchner und Lau verantwortlich. Drei Filter und die Chlorgasanlage machen das »Herzstück« des Bades aus. Einmal pro Woche würden die Filter komplett gereinigt, alles werde kontrolliert, es gebe seitens der Behörden keine Beanstandungen. Buchner schaut ein wenig stolz, als er sagt: »Unser Badewasser hat Trinkwasserqualität.«

Davon sind auch diejenigen überzeugt, die nicht weit weg vom Technikraum im Gastrobereich an Tischen sitzen. Manuela und Annelore Kaufmann sowie Mechthild Kunzmann gehören seit Jahrzehnten zu den Stammgästen des Freibades. »Wir haben hier das Schwimmen gelernt«, sagt Manuela Kaufmann. Die Dauerkarteninhaber sind in der Sommerzeit »jeden Tag hier, und das seit bald vierzig Jahren. Uns gefällt es hier sehr gut. Die Atmosphäre ist sehr persönlich, auch weil es nicht so ein großes Bad ist.« Unisono sagen die drei: »Wir brauchen kein neues Kombibad. Uns reicht dieses nette Familienbad völlig aus«. Wenn der Sommer weiter anhält, können sich diese und andere Stammgäste bis Mitte September hier treffen. Und an Schließung denkt in Bad Vilbel jetzt sowieso noch niemand. Denn der Bau des modernen Kombibades hat noch gar nicht begonnen.

Freibad

Besucherzahl auf Rekordkurs

Ob es nun das seit Anfang Mai anhaltende Sommerwetter ist oder mit der Schließung des alten Hallenbades zusammenhängt, darüber kann nur spekuliert werden. Aber für das Freibad könnte es ein gutes Jahr werden. Von Mitte Mai bis Anfang Juli, haben schon 38 000 Badegäste die Kassenhäuschen passiert, rund 7000 mehr als im selben Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2017 waren es 52 633 Besucher. Den absoluten Rekord hält das Jahr 2003 mit rund 118 000 Besuchern. Da gab es allerdings im August eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad. Hält das aktuell schöne Wetter an, will die Stadt das Bad bis mindestens Mitte September offen halten. Die Zahlen könnten Richtung Rekord marschieren. (pe)

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