Babysitter-Diplom

Fantasievoll mit Kindern umgehen

Wie eine Handpuppe oder eine Knalltüte beim Babysitten helfen, haben neun angehende Babysitter in einem Kurs im Karbener MüZe gelernt. Das MüZe vermittelt die jugendlichen Betreuer.
13. März 2018, 16:00 Uhr
Eine Handpuppe kann dabei helfen, Kontakt zum Kind aufzunehmen und Konflikte zu thematisieren, lernen die angehenden Babysitter im MüZe-Kurs. (Fotos: fkl)

Mechthild Schenk lässt ein aus blauem Karton gefaltetes Dreieck durch die Luft sausen. Es ertönt ein Knall. »Die Knalltüte ist einfach zu basteln. Sie ist etwas nervig für den Babysitter, aber super für die Kinder«, sagt die Erzieherin und Erwachsenenbildnerin. Vom Klecksbild bis zum Memory-Spiel hat Schenk weitere Vorschläge, wie junge Kinder altersgerecht beschäftigt werden können.

Neun Teenager lauschen den Tipps ihrer Ausbilderin. In einem sechsstündigen Kurs im Mütter- und Familienzentrum (MüZe) lernen die 13- bis 18-jährigen fürs »Babysitter-Diplom«. Seit sieben Jahren schult Schenk im MüZe angehende Babysitter. 71 zumeist junge Frauen hat sie in dieser Zeit ausgebildet. Besprochen wird, wie sich Kindern im Alter von null bis sechs Jahren entwickeln. Es gibt Tipps, wie die Aufpasser mit Ängsten und Trotz umgehen.

Oder, wie sie die Situation meistern, wenn Kinder merken, dass die Eltern weg sind. »Wenn ein Kind weint, weil seine Mutter gegangen ist, sollte man es in seinen Gefühlen unterstützen.« Da helfe der Satz: »Du bist jetzt traurig, weil die Mama weg ist, das kann ich gut verstehen«, erklärt Vivienne (15). Sie hat schon Erfahrungen im Umgang mit kleinen Kindern gesammelt. »Ich spiele manchmal mit einem Mädchen, das sehr schnell abgelenkt ist und sehr aktiv ist.« Im Kurs habe sie bereits sinnvolle Anregungen erhalten: »Ich denke, dass ich jetzt besser damit umgehen kann, wenn sie in einer Trotzphase ist.«

Handpuppen helfen

Zwei Handpuppen – eine flauschige graue Ratte und einen braunen Bären – hat Schenk mitgebracht. »Eine Handpuppe kann bei der Kontaktaufnahme mit dem Kind helfen und kann auch als dritte Person in einen Konflikt aufgenommen werden«, erklärt sie. So mischt sich in ihrem Beispiel die Ratte ein, als der kleine Junge den Fernseher nicht ausschalten will, obwohl seine Sendung schon vorbei ist.

Einfühlsam und mit vielen Beispielen vermittelt Schenk den Jugendlichen, wie Kinder die Welt wahrnehmen. Immer mehr Zettel, auf denen die Inhalte zusammengefasst sind, stapeln sich vor den angehenden Babysitterinnen. Mit einer Babypuppe im rosa Strampelanzug üben die Teilnehmerinnen, wie ein Säugling richtig getragen wird.

Lob hilft viel

»Ein Babysitter sollte Fantasie und Freude am Umgang mit Kindern haben«, erklärt Schenk. Sie vermittelt den Teilnehmerinnen eine wertschätzende und positive Haltung gegenüber Kindern. Lob helfe viel. Beispielsweise wenn schon drei Spielzeugautos aufgeräumt seien, aber noch 20 weitere auf dem Boden verstreut sind. »Dass man die Kinder für alle kleinen Sachen loben und nicht so viel verbessern sollte, war für mich neu«, erzählt Anna (15). »Ich besuche den Kurs, weil ich gerne Babysitten möchte. Hier kann ich die Sicherheit bekommen, wie man das macht. Mit dem Kurs bin ich sehr zufrieden, wir haben viel mehr Informationen bekommen als ich gedacht hätte.« Auch Alisha (14) kann sich nun vorstellen, als Babysitterin ihr Taschengeld aufzubessern. »Die Arbeit mit Kindern ist sehr schön und macht Spaß.« Auch Tipps zum ersten Kontakt mit den Eltern, zum Honorar und zur Versicherung sowie zum Verhalten in Notfällen, etwa bei Feuer oder Verletzungen, kommen zur Sprache. Schenk sensibilisiert die Mädchen für Gefahren in der Wohnung. »Ich würde euch empfehlen, einmal durch die Wohnung zu krabbeln«, sagt sie. Auf Augenhöhe der Schützlinge entdecke man vielleicht eine ungesicherte Steckdose, eine Plastiktüte oder Putzmittel.

»Es kann passieren, dass man mit einem Kind oder seinen Eltern nicht gut auskommt. Dann ist es besser, auf weitere Termine in der Familie zu verzichten. Davon hat sonst niemand etwas«, rät Schenk. Zum Abschluss erhalten die Mädchen das »Babysitter-Diplom«, eine Bescheinigung über die Inhalte des Kurses, mit der sie interessierten Eltern zeigen können, dass sie über Wissen zum Umgang mit jungen Kindern verfügen. Außerdem können sie sich in die Vermittlerkartei des MüZe eintragen lassen. Dann steht dem ersten Einsatz als Babysitter nichts mehr im Wege.

 

Infokasten

Drei Fragen an Mechthild Schenk

Welche Vorteile hat das Babysitter-Diplom für die Jugendlichen?

Mechthild Schenk: Die Jugendlichen kriegen dadurch einen Einblick, wie Kinder ticken. Sie bekommen mehr Sicherheit im Umgang mit Kindern.

Was ist Ihr ultimativer Tipp, wenn ein Kind schreit oder bockt?

Schenk: Ein Tipp ist, sie in ihren Gefühlen zu bestätigen, anstatt sie ihnen auszureden. Wenn ein Kind wütend ist, kann man zum Beispiel sagen: »Du bist jetzt echt wütend, das kann ich verstehen, aber wir schalten den Fernseher trotzdem aus.« Manchmal muss man das mehrmals sagen.

Wie kann man als Babysitter den ersten Kontakt zum Kind gestalten?

Schenk: Die Kontaktaufnahme sollte auf Augenhöhe erfolgen. Man sollte das Kind nicht so schnell berühren, nicht so schnell eine Grenze überschreiten. Das ist wie Flirten. Das Kind soll zeigen, dass es berührt werden will. Man kann es auch fragen, ob man es anfassen darf. (fkl) * Mechthild Schenk ist Erzieherin und in der Erwachsenenbildung tätig.

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