12. September 2018, 19:50 Uhr

Fahrradstraße

Diese Straße in Bad Vilbel gehört den Radlern

Seit Mai gibt es in Bad Vilbel zwei Fahrradstraßen. Radler dürfen hier, wenn sie den Gegenverkehr nicht behindern, nebeneinander fahren. Dennoch sind die Straßen weiterhin nutzbar für Autos, wenn diese maximal Tempo 30 fahren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat an der Sinnhaftigkeit dieser Verkehrsänderung noch Zweifel.
12. September 2018, 19:50 Uhr
MDB
Die Stadt Bad Vilbel hat Fahrradstraßen in der Saalburgstraße (Foto) und in der Wiesengasse eingerichtet. (Foto: Kopp)

Freie Fahrt für Radler in der Wiesengasse und der Saalburgstraße. Da beide Straßen für den normalen Kfz-Verkehr in einer Sackgasse enden, stellt sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Bad Vilbel jedoch die Frage, ob diese Änderungen mehr als nur einen symbolischen Akt darstellen. »In der kurzen Zeit können wir noch nicht beurteilen, ob die Fahrradstraßen etwas verändert haben«, meint die ADFC-Vorsitzende Dr. Ute Gräber-Seißinger, »trotzdem sind wir froh, dass so etwas jetzt auch in Bad Vilbel eingeführt wurde«.

Der ADFC sei dennoch skeptisch gegenüber den Erfolgsaussichten, da keine entscheidenden Veränderungen in den Straßen ausgelöst würden. »Die Autos können immer noch durchfahren, nur dass jetzt die Fahrräder nebeneinander herfahren dürfen«, sagt Gräber-Seißinger. In einer reinen Fahrradstraße dagegen dürften nur Fußgänger und Radfahrer die Fahrbahn benutzen. Dies ist in den beiden Vilbeler Fahrradstraßen allerdings nicht der Fall.

 

Besser verkehrsberuhigt?

Für die Wiesengasse wäre nach Meinung des Vereins die Einführung einer verkehrsberuhigten Zone sinnvoller gewesen. Denn die Straße sei eigentlich zu eng, um nebeneinander radeln zu können. Zudem sei die Wiesengasse als Teil eines Schulwegs stark frequentiert. »Der Nachteil an dieser Fahrradstraße ist, dass Radfahrer nach der Unterführung ihr Fahrrad über die Brücke schieben müssen«, findet die Vorsitzende. Dennoch seien die beiden Fahrradstraßen ein wichtiger Punkt im aktuellen Radverkehrskonzept der Stadt Bad Vilbel gewesen.

Sinn sei es eigentlich, den Radverkehr durch eine solche Maßnahme zu fördern. »Die neue Regelung tut dem Autoverkehr aber nicht weh«, schildert Gräber-Seißinger. »Vielleicht möchte man die Bürger auch erst an ein solches Konzept gewöhnen.« Letztlich sei die Saalburgstraße an ihrem oberen Ende nur noch für den landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen und die Wiesengasse sowieso eine Sackgasse.

Als weitere Straße für Radfahrer könnte sich die Vorsitzende die Huizener Straße vorstellen: »Dort fahren viele Pendler mit dem Fahrrad an der Nidda entlang bis nach Frankfurt.« Sie selbst sei dort häufig unterwegs und kenne den starken Fahrradverkehr. Freier Autoverkehr für Anlieger wäre an dieser Stelle ausreichend. Als weitere Fahrradstraße fände sie die Straße An den Banggärten in Massenheim sinnvoll. Diese Strecke werde täglich von Schülern genutzt, um zum Schulzentrum zu gelangen.

ADFC-Mitglied Theo Sorg hat sich bereits zu der Einführung der Fahrradstraßen kritisch auf der Internet-Seite des Fahrradclubs geäußert. Er schlägt die Frankfurter Straße dafür vor. Denn für ihn sei der einzige fließende Verkehr in der Innenstadt der Fahrradverkehr. Durch das häufige Parken im Halteverbot und Anlieferungen für Geschäfte könnten die vielen Autos oftmals nicht aneinander vorbeifahren. Außerdem würden viele Radfahrer aus Angst auf die Bürgersteige ausweichen. Sorg meint, mit seiner Lösung den Fahrradverkehr in der Innenstadt ankurbeln zu können. »Die Fahrradstraßen sind ein Schritt in die richtige Richtung«, findet Gräber-Seißinger, »im ADFC bestand der Wunsch, solche einzuführen und sich damit mehr um den Radverkehr in Bad Vilbel zu kümmern«. Deshalb begrüße sie jede Maßnahme für die Stärkung und Verbesserung der Fahrradwege. In anderen Städten seien Fahrradstraßen jedoch bereits weiter verbreitet.

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