19. November 2018, 19:48 Uhr

Der Nachwuchs will mitgestalten

19. November 2018, 19:48 Uhr
Thierry Hertzog, Zara Sahin, Victor Schäfer und Julia Siegemund vom Georg-Büchner-Gymnasium sprechen über politische Teilhabe von Jugendlichen. (Foto: Kopp)

Heute ist der Tag der Kinderrechte. Kinder und Jugendliche haben in der politischen Realität oft nur wenig mitzureden. In Bad Vilbel soll ein Gremium entstehen, ob als Parlament oder Jugendbeirat, ist noch offen. Wir haben bei jungen Bad Vilbelern im Georg-Büchner-Gymnasium nachgefragt. Julia Siegemund (16), Victor Schäfer (16), Thierry Hertzog (14) und Zara Sahin (12) geht es dabei nur am Rande um Vergnügungen.

Julia findet es gut, dass es ein Gremium in der Stadt geben soll. »Aber nur, wenn man etwas verändern kann und nicht aus Alibi-Gründen nur angehört wird.« Dem stimmt Victor zu. »Das, was wir vorschlagen, soll möglich gemacht werden können.« Vier Treffen im Jahr sollten durchaus reichen, schätzt Victor das mögliche Arbeitspensum.

Dabei ist ihnen bewusst, dass es in politischen Diskussionen immer auch um Geld geht. Millionenbeträge müssten es gar nicht sein, die die Stadt in die Jugend investieren solle, »absurde Wünsche haben wir nicht«, sagt Victor. Und weiter: »Heute ist es schnell möglich, Schwerpunkte festzulegen und Umfragen zu starten, etwa über Instagram.« Dann zeige sich schnell, ob die Mehrheit eher für einen neuen Sportplatz oder eine Skatebahn ist.

Die Altersstufen denken dabei gar nicht so unterschiedlich, macht die Jüngste im Bunde, Zara, klar. Die Siebtklässlerin schildert, dass die Jugend heute oft frühreif sei, sich ihre Interessen mit jenen von 16-Jährigen durchaus decken könnten. Wichtig sei der Konsens. Deswegen plädiert auch Neuntklässler Thierry dafür, dass sich Jugendliche erst einmal untereinander austauschen müssten. Mit einer für sie einvernehmlichen Lösung könne man dann auf die Erwachsenen-Politik zugehen. »Wichtig ist, dass der Vorschlag nicht schon vorab durch Kompromisse verfälscht wird.«

»Wir wollen Transparenz und Möglichkeiten, uns aktiv einzubringen«, sagt Julia. So etwa in Sachen Umweltschutz. Victor hat im Stadtwald bemerkt, dass dort viele Bäume gefällt werden. Er will wissen, warum. Auch im Kurpark wurden für die neue Stadthalle Bäume gefällt, ebenso für den Bau der Neuen Mitte. »Die hätte man auch in der Nähe wieder pflanzen können«, sind sich Zara und Julia einig.

Nicht umsonst hatten die Grünen und die Tierschutzpartei bei den schulinternen Jugendwahlen vor der Landtagswahl hohe Werte erzielt. »Wir wollen unsere Meinung sagen dürfen und wollen, dass diese auch gehört wird«, sind alle überzeugt. Deswegen spielen Nachwuchsorganisationen der etablierten Parteien bei ihnen keine Rolle. »Da sitzt man meist nur herum, wird als Kind angesehen. Eine unabhängige Gruppe wäre besser«, sagt Julia.

Problem: Kein Schwimmbad

Ein großes Problem für die Schüler ist die Vakanz des Hallenbads. Klar, würden sie sich darüber freuen, ein großes neues Kombibad zu bekommen, »aber nicht erst in sechs Jahren oder so«, ist für Thierry klar. Denn dann würden viele Kinder die lebensnotwendige Fertigkeit Schwimmen gar nicht erlernen. Das beklagt auch Zara. In diesem Jahr hätte sie letztmalig Schwimmunterricht. Der aber fällt aus, die Anfahrt nach Karben ist für eine Doppelstunde oft zu knapp. So wie das Hallenbad in Karben könnte sich Victor auch gut einen Neubau in Bad Vilbel vorstellen, mit erschwinglichen Eintrittspreisen, »und das in zwei Jahren«.

Auch sonst werde wenig geboten. »Es gibt keinen öffentlichen Sportplatz«, klagen sie. Außerhalb eines Vereines sei Kicken oder Basketballspielen kaum möglich. »Tore sind zu klein, Plätze nicht gepflegt«, sagt Thierry.

Noch trauriger sei es für sie abends. Obwohl die Schüler je nach Alter bis um Mitternacht ausgehen dürfen, finden sie keine ansprechenden Angebote. Die Neue Mitte bestehe nur aus Geschäften, aus der Bibliothek werde man nach fünf Minuten herausgeworfen. Es ist laut Victor kaum verwunderlich, dass sich zumindest die Älteren dann an der Mulde, auf Spielplätzen oder im Park träfen und herumsitzten. Manche nähmen dann ihren Müll nicht wieder mit, was zu Beschwerden führe.

Genug Aufgaben

Geld für Bars sei nicht bei jedem vorhanden. Und die Angebote der Jugendarbeit, etwa im Efzet in Dortelweil seien kaum bemerkbar. Viel lieber wollen die Jugendlichen etwas in eigener Regie führen. Doch hier fängt wohl die Diskussion mit den Erwachsenen an. Hier muss erörtert werden, was rechtlich machbar ist und was nicht. Genügend Aufgaben für einen Beirat gibt es also. Einer Aufgabe, der sich Zara, Julia, Thierry und Victor gerne stellen würden.

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