14. Februar 2019, 05:00 Uhr

Café Kleeblatt

Demenzerkrankte in eine Gemeinschaftbringen

»Nun schick ich täglich Rosen hin, wie heißt denn wohl die Spanierin?« Die Gäste überlegen. »Oh, Donna Clara!«, ruft jemand. Kollektive Freude. Schlager-Raten kommt im »Café Kleeblatt« gut an.
14. Februar 2019, 05:00 Uhr

Akkordeonklänge ziehen durch das Café Kleeblatt in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Wiesengasse 2: Es ist das Lied »Harlekin«, passend zur Faschingszeit. Um einen großen Tisch sitzen Senioren, die mitwippen. Manch einer trommelt mit den Fingern mit.

2005 veranstalteten die AWO und ihre Partner erstmals das Café Kleeblatt, eine Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz. »Ausgerichtet ist es für acht Gäste, im Moment haben wir sieben«, erzählen Vorsitzender Doktor Hans-Ulrich Callies und Altenpflegerin Lucia André. Angestrebt ist eine Eins-zu-eins-Betreuung, wonach sich um jeden Gast ein ehrenamtlicher Helfer kümmert. Bedarf an Helfern ist immer, weshalb die Einrichtung weitere Mitstreiter sucht.

Ziel der Treffen ist es, einerseits die Angehörigen zu entlasten, andererseits, die Demenzerkrankten in Gemeinschaft zu bringen. Einer der Helfer ist Georg Schmidt, der eine ältere Dame betreut. »Empathie ist das Wichtigste. Dass man herausfindet, wo der Gast steht, wo man ihn abholt und wo seine Interessen sind«, sagt er. Meist sei bei den Senioren die Vergangenheit präsent, die Gegenwart weniger. Wichtig sei auch: »Alles, was gesagt wird, ist gültig. Wir berichtigen und hinterfragen nicht kritisch. Dadurch fühlen sich die Gäste wohl.«

Authentizität ist wichtig

Auf den Gedanken, hier aktiv zu werden, kam er nach dem Eintritt in den Ruhestand. »Ich habe überlegt: Was will ich tun?« Schmidt geht gern mit Menschen um, er schätzt die positiven Rückmeldungen: von den Gästen, aber auch den Angehörigen. Elisabeth Gölz ist bereits seit 2005 mit von der Partie. In ihrem Arbeitsleben bei einer Bank hatte sie immer mit Menschen zu tun – das wollte sie weiterhin. »Aber ich wollte mal etwas anderes tun als am Schreibtisch sitzen«, erzählt sie. Wichtig für die Gäste des Cafés sei der gleichbleibende Rhythmus, das gebe ihnen Sicherheit.

»Wir kommen hier an, machen kurze Begrüßungsrituale. Dann singen wir, gehen spazieren und anschließend gibt es Kaffee.« Im zwischenmenschlichen Kontakt sei nicht der große Auftritt, sondern die kleine Geste gefragt: das Lachen, die helfende Hand, der liebevolle Blick. »Man muss authentisch sein«, betont sie. Der Gast, der ihr gegenübersteht, sei in diesem Moment die wichtigste Person. »Es kommt so viel zurück«, sagt Gölz ebenfalls.

Manchmal gehe es allerdings auch nah. Wenn Menschen abbauen, zu denen eine Beziehung entstanden ist, schmerze dies. »Man muss gut auf sich aufpassen«, sagen Gölz und Schmidt.

Akkordeon bringt Freude

Nun ist Singen angesagt. Der Künstler Guido Faludi kann mit seinem Akkordeon jeden musikalischen Wunsch erfüllen. »Aber der Wagen, der rollt!«, singen die Senioren gemeinsam. Gölz hat ein Spiel mitgebracht. Schlager raten. Schnell lösen die Senioren die gestellten Aufgaben. Beispielsweise, in welchem Lied ein Mädchen Lisbeth eine Rolle spielt, dessen Rocksaum zu lang ist. Das stimmt sie angst und bang, da sie befürchtet, dass kein Mann mehr ihre Beine sieht. »Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt«, ruft jemand.

Anschließend singt die Gruppe das jeweilige Lied. Wippen, schunkeln – die Senioren sehen zufrieden aus. Basteln und spielen sind weitere Beschäftigungen. Oder Sprichwörter raten. Und wenn ein jahreszeitliches Ereignis ansteht, wird es gestaltet.

Auch, weil Feste geeignet sind, um sich an Bräuche zu erinnern. Bevor es Kaffee und Kuchen gibt, steht noch ein kleiner Spaziergang an der Nidda auf dem Programm. Jede Helferin, jeder Helfer unterstützt seinen Gast dabei, den Mantel anzuziehen. Dann geht es an die frische Luft. Wenn nötig mit Rollstuhl und Rollator.

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