Bahnausbau in Bad Vilbel

Asbesthaltiges Materiallager am Südbahnhof

Die Deutsche Bahn lagert auf der zurzeit verwaisten Baustelle am Bad Vilbeler Südbahnhof asbesthaltiges Material. Ganz in der Nähe ist ein Trampelpfad entstanden, weil Fußgänger durch die Baustelle laufen. Sind auch wartende Bahnpendler in Gefahr?
13. Juni 2018, 08:00 Uhr

Von Holger Pegelow , 2 Kommentare
Unter einer weißen Plane verdeckt lauert die Gefahr: Am Bad Vilbeler Südbahnhof unweit der Fußgängerbrücke (l.) wird asbesthaltiges Material gelagert. (Foto: pe)

Die beiden Jugendlichen suchen an diesem heißen Tag das städtische Freibad. Sie sind hinter dem Wartehäuschen am Südbahnhof durch den weit offen stehenden Zaun auf das Gelände der Baustelle für den Gleisausbau gelaufen. »Da geht’s lang«, ruft einer von ihnen und läuft den Hang hinunter auf den früheren Weg, der an den ehemaligen Kleingärten vorbeiführte. Dazwischen hat sich ein Trampelpfad gebildet, was darauf schließen lässt, dass noch weit mehr als diese beiden jungen Schwimmbadbesucher hier gelaufen sind.

Unweit von dem Pfad türmt sich ein weißer Hügel auf, drumherum verläuft ein Trassierband. Schon von der nahen Fußgängerbrücke aus ist von oben der Warnhinweis zu lesen: »Vorsicht Asbestfasern!«. Kommt man dem Hügel näher, warnt ein großes Schild vor der Berührung.

 

Krebserregender Stoff

 

Keine Frage: Hier lauert Gefahr. In der Tat, handelt es sich bei Asbest doch um einen krebserregenden Stoff. Das Umweltbundesamt warnt: »Asbest ist ein eindeutig krebserregender Stoff. Charakteristisch für Asbest ist seine Eigenschaft, sich in feine Fasern zu zerteilen, die sich der Länge nach weiter aufspalten und dadurch leicht eingeatmet werden können. Die eingeatmeten Fasern können langfristig in der Lunge verbleiben und das Gewebe reizen.« Weil der in den Achtzigerjahren in zahlreichen Werkstoffen eingesetzte Asbest so gefährlich ist, wurde er 1993 in Deutschland verboten, 2005 dann in der gesamten EU.

Für die Zwischenlagerung gelten nach einem Runderlass des Bundesumweltministeriums strenge Vorschriften. »Die Zwischenlagerung hat grundsätzlich geschützt vor Witterungseinflüssen und mechanischen Beanspruchungen in geeigneten und gekennzeichneten Behältnissen zu erfolgen, sodass keine Asbestfasern freigesetzt werden«, heißt es dort. Am Bad Vilbeler Südbahnhof ist das anders: Hier ist nur eine weiße Plane drüber.

 

Asbestzement mit Schutt vermischt

 

Offenbar gibt es zu dem Problem aber unterschiedliche Wahrnehmungen. Bei der Recherche, wer für dieses Materiallager zuständig beziehungsweise Aufsichtsbehörde sei, winkt der Wetteraukreis ab. Pressesprecher Michael Elsaß sieht zudem keine Gefahr: »Wenn da keiner hingeht, kann auch nichts passieren. Die Fasern werden ja erst freigesetzt, wenn sich etwas bewegt.« Für die Bahnanlagen sei der Wetteraukreis ohnehin nicht zuständig. Für nicht zuständig erklärt sich auch die Stadt. Sprecher Yannick Schwander verweist auf das Regierungspräsidium Darmstadt, das sei genehmigungsbefugt. Von dort heißt es: »Nach unseren Informationen gibt es derzeit zwei asbestbelastete Bauschuttmieten: Eine in Bad Vilbel, eine weitere im Bereich Frankfurt-Ginnheim (ehemalige Kleingartenanlage). Bauherr, dessen Projektsteuerer und das ausführende Generalunternehmen sind informiert.« In der offiziellen Stellungnahme heißt es: »Derzeit besteht keine akute Gefahr für Dritte, da es sich bei dem asbesthaltigen Material um stark gebundenen Asbestzement handelt, der mit Boden und Bauschutt vermischt ist.«

 

Gutachter eingeschaltet

 

RP-Sprecher Christoph Süß informiert, der Bauherr habe für die ordnungsgemäße Entsorgung eine entsprechende Verantwortliche bestellt. Diese habe ein Sanierungskonzept mit einem Gefahrstoffgutachterbüro erstellt und beim RP vorgelegt. »Nach Prüfung in Sachen Arbeitsschutz wurde diesem zugestimmt.«

Seitens der Deutschen Bahn, die Firmen mit der Freiräumung des Baufeldes für den späteren Gleisausbau beauftragt hat, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung: »Das Material ist beim Rückbau alter Gartenhütten angefallen und wird in Kürze fachgerecht entsorgt. Bevor ein lizenzierter Fachbetrieb mit der Entsorgung beauftragt werden kann, muss das Material zunächst beprobt und die erforderlichen Begleitscheine ausgestellt werden. Für die veranlasste Zwischenlagerung des Materials bis zur endgültigen Entsorgung ist keine besondere Genehmigung erforderlich.«

 

Kommentar

Verharmloser

Nein, es bestehe keine Gefahr, heißt es seitens der Behörden, wenn man nach dem Asbestlager am Bad Vilbeler Südbahnhof fragt. Nach dem immer gleichen Stereotyp werden Gefahren für die Bevölkerung heruntergespielt. Die Verharmloser setzen auf das Nichtwissen der Bevölkerung. Dabei gilt dieser Baustoff als krebserregend. Das Drama kommt schleichend, viele Jahre, nachdem die Fasern eingeatmet wurden. Ganz gefeit sind die vielen Fahrgäste, die täglich hier ein- und aussteigen, dagegen nicht. Man kann nur den Kopf schütteln über das Vorgehen von Bahn und RP. Zunächst wird ein solches Bauschuttlager aufgetürmt, und erst dann ein Konzept zu dessen Entsorgung erarbeitet. Es dürfte Wochen dauern, bis das Material abtransportiert sein wird. Bleibt nur zu hoffen, dass die zurzeit verwaiste Baustelle für den Gleisausbau und das Lager so abgeriegelt werden, dass niemand in dessen Nähe kommt. Schon gar keine Kinder, die den Weg ins Freibad suchen.

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