04. Juni 2014, 17:58 Uhr

»Krümelchen«, »Charlie«, »Mona« und »Anna« beringt

Bad Vilbel (cf). »Hallo, hallo« rufen 48 Kinder aus der Gronauer Kita »Löwenburg« und winken voller Freude dem Gronauer Storchenpaar Fritz III. und Frieda zu. Die Storchendame wirft von ihrem Horst in zwölf Metern Höhe aus einen neugierigen Blick auf die Besucher. Anlass des Besuchs: Die jährliche Beringung der in diesem Jahr vier Gronauer Juingstörche.
04. Juni 2014, 17:58 Uhr
(Foto: Christine Fauerbach)

Während Fritz III., der seit 2006 mit der Pariserin Frieda Junge in Gronau groß zieht, aufgeregt hoch oben in der Luft über seiner Familie kreist.

Unter den Besuchern sind mit dem Oberurseler Beringer Richard Mohr und dem Rendeler Unternehmer Helmut Mertins zwei gute Bekannte der Storchenfamilie. Wie immer hatte Richard Mohr die »Personalausweise« für die vier Jungstörche mitgebracht. Er nähert sich vorsichtig auf der zum zehnten Mal kostenlos zur Verfügung gestellten Arbeitsbühne von Helmut Mertins dem Horst. Kurz bevor die Bühne sich der Kinderstube in luftiger Höhe nähert, verlässt Frieda ihren Nachwuchs. Die vier Jungstörche fallen in Akinese (Totstell-Reflex), als ihnen Richard Mohr einen ELSA-Ring (European Laser Signed Advanced Ring) unterhalb vom Sprunggelenk am rechten Bein befestigt.

Mit dem schwarzen, laserbeschichteten Kunststoffringen werden Störche in Deutschland seit 2003 beringt. In weißer Schrift ist der Buchstaben-Ziffern-Code (Ringnummer) aufgedruckt. Die Ringnummern sind senkrecht angeordnet und können mit einem Teleskop bis auf etwa 200 Meter Entfernung abgelesen werden. Der Ring wird in ungeraden Jahren am linken, in geraden Jahren am rechten Bein befestigt. Die Daten über die Jungtiere und deren Ringnummern werden in den Beringungszentralen auf der Vogelwarte Helgoland (Wilhelmshaven), Hiddensee (Neuenkirchen) und Radolfzell gespeichert.

»Wir verwenden amtliche Ringe der Vogelwarte Helgoland«, berichtet Mohr. Durch die Beringung erhalten Vogelkundler aktuelle Erkenntnisse über Brutgebiete, Flugrouten, Zugverhalten, Alter, Nachkommen, Sterbe-Ursachen und Überwinterungsgebiete der Adebarpopulation.

Aus sicherer Entfernung beobachten die Storcheneltern sowie die Drei- und Vierjährigen aus dem Gronauer Kindergarten gemeinsam mit ihren fünf Erzieherinnen und einer Praktikantin die Aktion. Storchenvater Klaus Hermann fragt die Jungen und Mädchen, wie sie die vier Störche nennen wollen. Die Kinder aus den drei Gruppen Bastel-, Bau- und Spielzimmer hatten sich zuvor auf die Namen »Krümelchen« und »Charlie«, die Vorschulkinder auf »Mona« und »Anna« geeinigt.

Beringer Mohr, der für die Regierungsbezirke Darmstadt und Gießen zuständig ist, berichtet den Kindern: »Eure vier Patenkinder sind gut genährt und schon bald flügge. Sollte es kein Unwetter mit Kälteeinbruch geben, dann müssten alle vier überleben. Ein Jungstorch braucht mindestens zehn Mäuse am Tag als Futter. Da hatten Fritz III. und Frieda viel zu tun, um ihren Nachwuchs satt zu bekommen.«

Kaum war die Beringung vorbei, kehrten die Storcheneltern auf den Horst zurück. Mit lautem Schnäbelklappern verteidigten sie ihren Nachwuchs und ihr Revier. »Dieses Jahr ist ein sehr gutes Jahr für Jungstörche, das Wetter war viel besser als 2013«, sagt Mohr. Helmut Mertins fügt hinzu: »Das Rendeler Storchenpaar hat ebenfalls vier Jungstörche und die Groß-Kärber Störche haben drei Junge.« Mohr berichtet den interessiert zuhörenden Kindern, dass viele Störche den Winter nicht mehr in Westafrika verbringen, sondern nur noch in den Süden nach Spanien und Frankreich fliegen. Einige wie Fritz und Frieda überwintern in Deutschland.

Zur Belohnung gab es für jedes Kind einen leckeren Lutscher von den Erzieherinnen. Das Gronauer Storchennest wurde am 7. März 2000 aufgestellt. Frieda bezog es mit ihrem ersten Partner am 2. April 2000. Seither dulden die Gronauer Störche keine Nachbarn in ihrem Revier.

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