03. Juni 2012, 17:48 Uhr

Eine überzeugende Premiere voller Spiellust

Bad Vilbel (jas). »Ein ausgesprochen stimmiges Ensemble«, hatte sich Egon Baumgarten bei den Proben zu »Kiss me Kate« begeistert gezeigt. Dass der Regisseur nicht zu viel versprochen hat, davon konnten sich die Festspielgäste, die am Samstag zur Premiere des Musicals in die Wasserburg gekommen waren, überzeugen.
03. Juni 2012, 17:48 Uhr
»Küss mich doch«, fordert Petruchio (Thorsten Tinney, li.) mit Nachdruck und wird dabei von (v. re.) Lucentio (Marc Lamberty), Gremio (Luigi Scarano) und Hortensio (Daniel-Erik Biel) unterstützt. Doch Katharina (Sigrid Brandstetter) weigert sich bis zuletzt. (Foto: jas)

Gesanglich und tänzerisch stark, voller Spiellust und darstellerisch absolut überzeugend präsentierte sich die Truppe um Baumgarten, Regieassistent Alexander Katt und Choreograf Stephan Brauer auf der Bühne. Ein Auftakt nach Maß also für die 26. Burgfestspiele.

Immer wieder mit Zwischenapplaus und anerkennenden Pfiffen bedacht wurden vor allem die beiden Hauptdarsteller, deren schauspielerische und gesangliche Leistung im anspruchsvollen Musical voll zur Geltung kam. Herrlich zickig, kratzbürstig, dickköpfig und aufbrausend agierte die gebürtige Wienerin Sigrid Brandstetter als divenhafte Schauspielerin Lilli Vanessi und widerspenstige Katharina im Shakespeare-Stück. Ein bisschen Angst konnten vor allem die Männer im Publikum bekommen, als die rothaarige Furie mit der wunderschönen Sopranstimme ihre Abscheu gegen das männliche Geschlecht im Lied »Nur kein Mann« zum Ausdruck brachte. Doch immer wieder kam auch die andere Seite Lillis und Katharinas durch – beides Frauen voller Selbstzweifel und voller Hunger nach wahrer Liebe.

Ebenfalls auf ganzer Linie überzeugte Thorsten Tinney in seiner Doppelrolle als in sich selbst verliebter, überheblicher Fred Graham und angeblicher Frauenheld Petruchio. Tinney, der im vergangenen Jahr bei den Festspielen als Rabbi im Musical »Anatevka« zu sehen war, begeisterte gesanglich mit Liedern wie »Wunderbar«, »Ich will mich reich beweiben hier in Padua« und »Küss mich doch«. Auch schauspielerisch stand er Brandstetter in nichts nach. Mal prahlend und protzend, mal herrlich verzweifelt, dann wieder herzzerreißend seine Wunden beklagend und energiegeladen beim Bändigen der Widerspenstigen – Tinney zeigte viele Facetten seiner Schauspielkunst.

Zum Erfolg des Musicals mit bekannten Cole-Porter-Songs wie »Viel zu heiß«, »Premierenfieber« und »Bianca« trugen auch die anderen Darsteller einen erheblichen Teil bei. Verena Mackenberg zum Beispiel, die nicht nur als naive Nachtclubtänzerin Lois Lane, sondern auch als süße Bianca mit viel Sex-Appeal und guter Stimme den Männern reihenweise die Köpfe verdreht. Gleich drei Freier – Lucentio (Marc Lamberty), Gremio (Luigi Scarano) und Hortensio (Daniel-Erik Biel) – werben auf der Shakespeare-Bühne um sie. Auch im »wahren Schauspielleben« ist sie begehrt und macht daraus kein Geheimnis. Außerdem ist da noch Baptista (John Wiseman), der an der Dickköpfigkeit seiner Tochter zu verzweifeln scheint, sowie Axel Kraus als Lillis steinreicher Verlobter Harrison Howell. Ihren großen Auftritt haben die beiden Ganoven, gespielt von Dirk Hinzberg und Raphael Koeb, mit Porters Song »Schlag nach bei Shakespeare« – eine vom Publikum umjubelte Einlage. Zu Grahams Theater-Personal gehören außerdem Garderobier Paul (Oliver Polenz), Inspizient Ralph (Sebastian Coors) und die Schneiderin (Stephanie Marin).

Ein Stück im Stück

Kurz zur Geschichte: »Kiss me, Kate« handelt von einer Theatergruppe, die das Shakespeare-Stück »Der Widerspenstigen Zähmung« aufführt; zu sehen ist daher ein Stück im Stück. Produzent Fred Graham spielt die männliche Hauptrolle des Petruchio. Für die Rolle der widerspenstigen Katharina hat er seine Ex-Frau Lilli Vanessi engagiert. Lilli ist mit dem Geldgeber des Stückes Harrison Howell verlobt, und Fred hat eine Affäre mit der Nachtclub-Schönheit Lois Lane, die im Shakespeare-Stück die umschwärmte Bianca spielt. Kurz vor Beginn der Aufführung sendet Fred Blumen an Lois, die landen jedoch irrtümlich bei Lilli. Ausgerechnet während der Aufführung stellt sie fest, dass der Strauß eigentlich für Lois gedacht war. Auf der Bühne kommt es zum Eklat. Lilli ist außer sich, will das Stück abbrechen. Da kommen Fred unerwartet zwei Gangster zu Hilfe, die Lilli mit Drohungen davon abhalten, zu gehen – sie muss vorerst weiterspielen. Dann aber wendet sich das Blatt. Zum Schluss entscheidet sich Lilli – zu Freds Überraschung – für die Rückkehr ins Theater. Dem Happy-End steht nichts mehr im Weg.

Die spezielle Herausforderung, ein Stück im Stück zu zeigen, meisterten Darsteller, Regisseur Baumgarten und Ausstatter Professor Thomas Pekny mit Bravour. So agierte das Ensemble auf verschiedenen Bühnenebenen, Beleuchtung und Musik gaben zusätzliche Orientierung. Einen Sonderapplaus verdienten sich zum einen die von Benedikt Bach vorbereiteten Sänger des Chores »VilBelcanto«, zum anderen die Musiker um den musikalischen Leiter Thomas Lorey. Auf engstem Raum boten Thomas Elsner (Schlagzeug), Stefan Kreuscher (Kontrabass), Andreas Pompe (Reed), Markus Privat (Trompete), Sven Pudil (Reed), Andreas Weil (Posaune) und Alexandra Wiedner (Violine) eine fabelhafte Leistung.

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