11. Oktober 2010, 18:54 Uhr

Detaillierte Arbeit über »einzigartiges Mosaik«

Bad Vilbel (süd). »Von Enten und Eroten - Neue Forschungen zum Meerwesenmosaik von Bad Vilbel«: Das ist der Titel des 53. Bandes der Heimatblätter, die der Verein für Geschichte und Heimatpflege herausgibt.
11. Oktober 2010, 18:54 Uhr
Claus-Günther Kunzmann stellt im Römermosaik den neuesten Band der Heimatblätter vor. (Foto: Südhoff)

Vorsitzender Claus-Günther Kunzmann stellte das Buch, das soeben erschienen ist, am Montag im Römermosaik im Kurpark vor. Es enthält die Magisterarbeit von Martina Hundt, die sie zu diesem Mosaik geschrieben hat. Zuvor hatte Hundt die Fehlstellen im Original rekonstruiert.

Kunzmann erinnerte daran, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam. Als die Idee geboren wurde, für die Quellenstadt eine Kopie des 1849 entdeckten Mosaiks anzufertigen, dessen Originalteile seit 1906 im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt aufbewahrt werden, sei die Frage aufgeworfen worden, ob die fehlenden Teile rekonstruiert werden können. Dann könne man das Gesamtkunstwerk in der Form präsentieren, wie es in der Antike einmal bestanden hat. Professor Egon Schallmayer, Landesarchäologe und Direktor der Saalburg in Bad Homburg, stellte den Kontakt zur Universität Köln her, damit die Rekonstruktion im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit geschehe. Hundt befasste sich dann im Rahmen ihrer Magisterarbeit mit dem Vilbeler Mosaik. Diese diente dann als Grundlage für die Kopie des Fußbodenschmucks, die sich seit Mai 2007 im Römermosaik befindet. Gefördert wurde die Arbeit durch ein wissenschaftliches Stipendium der Humanistischen Stiftung von Dr. Hansgeorg Jehner.

Analytische Herangehensweise

Hundt sei das Thema analytisch angegangen, habe untersucht, welche Systematik in dem erhaltenen Original stecke und was sich übertragen lasse. Danach habe sie das Mosaik rekonstruiert, bevor es von der sizilianischen Künstlerin Rosangela Ruta angefertigt wurde.

In seinem Vorwort zum Schriftband schreibt Schallmayer, Hundt sei es nicht nur gelungen, »das Vilbeler Mosaik in den durch die Altgrabungen unzureichend dokumentierten Bauzusammenhang zu stellen und diesen neu und eindeutig als Badetrakt einer Großvilla zu interpretieren sowie Aussagen über Person und Herkunft des antiken Künstlers zu treffen, vielmehr hat sie das Kunstwerk anhand von Parallelbefunden plausibel ergänzt und damit die Rekonstruktion des Gesamtmosaiks erreicht.«

Die wissenschaftliche Abschlussarbeit wurde nun vom Geschichtsverein der Öffentlichkeit vorgelegt. Sie gehe »erstmals genauer auf eines der bedeutendsten Kunstwerke der Römerzeit in Deutschland ein«, so Schallmayer. Das »einzigartige Mosaik« von Bad Vilbel könne nun »mit Blick auf den modernen Forschungsstand als systematisch bearbeitet gelten«, erklärte der Landesarchäologe. Die Arbeit wurde im akademischen Verfahren mit der Note »sehr gut« bewertet. Hundt hatte die Magisterarbeit im Fach Archäologie der römischen Provinzen 2009 eingereicht.

Das Vilbeler Mosaik war erstmals 1862 Bestandteil einer wissenschaftlichen Abhandlung, als Dr. Boßler, Gymnasialdirektor aus Darmstadt, über »Die Römerstätte bei Vilbel und der im Jahre 1849 daselbst entdeckte Mosaikboden« schrieb und Hintergründe zum Fund darlegte, wie Kunzmann erklärte. Klaus Parlasca legte 1959 »Die römischen Mosaiken in Deutschland« vor, Dr. Wilhelm Belz folgte 1965 mit »Das Mosaik von Bad Vilbel«.

36 Abbildungen

Nach dieser bisherigen Literatur zum Mosaik liege nun mit dem neuesten Band der Heimatblätter die umfassendste Abhandlung vor, die unter anderem die abgebildeten Figuren im Detail erläutere. Außerdem werde von der Autorin erklärt, wie sie das Kunstwerk rekonstruiert und die Lücken aufgefüllt habe.

Das Buch enthält neben der kompletten wissenschaftlichen Arbeit und 36 Abbildungen auch das Mosaik als Faltblatt. Somit könne der Leser die Erläuterungen zum Detail gleich nachvollziehen, so Kunzmann.

Das 110 Seiten umfassende Buch wurde in einer Auflage von 1000 Exemplaren gedruckt. Es kostet zehn Euro und ist über das städtische Kartenbüro gegenüber der Wasserburg erhältlich. Weitere Informationen dazu sind unter Telefon 0 61 01/55 94 55 erhältlich.

Großes Besucherinteresse

Seit seiner Eröffnung vor rund drei Jahren erfreut sich das Römermosaik im Kurpark eines großen Besucherinteresses. Das Museum ist noch bis Ende Oktober dienstags von 17 bis 20 Uhr, freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Von November bis Februar gilt dann die Winteröffnungszeit, sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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