10. Dezember 2013, 10:38 Uhr

TÜV bremst Rosenkorso aus

Bad Nauheim-Steinfurth (ihm). Auf einem städtischen Gelände am Taubenbaum stehen die Prunkwagen des Rosenkorsos, von der einstigen Pracht ist nicht mehr viel zu sehen. Nur eine kaputte Drachenfigur und der Froschkönig aus Draht, mit braunem Moos gefüllt, erinnern daran. Helmut Falk schaut zu den Fahrgestellen, die aufgrund von TÜV-Auflagen Kummer bereiten und deswegen ersetzt werden müssen.
10. Dezember 2013, 10:38 Uhr
Bedingt einsatztauglich: Der Königinnen-Wagen braucht lediglich neue Reifen, die allerdings viel Geld kosten. (Fotos: ihm)

»Zurzeit sieht es so aus, als hätten wir Schwierigkeiten, den Korso im Juli zusammenzustellen«, sagt das Mitglied des Festausschusses.

Im Oktober hatte sich ein Vertreter des TÜV Hanau die zehn Gefährte angesehen und alle für untauglich befunden. Lediglich der Königinnen-Wagen sei bedingt nutzbar. Falk: »Er bräuchte neue Reifen, die gibt es aber nicht mehr. Die Felgen auch nicht.« Er zieht eine Nadel aus einer Styroporplatte, die auf dem Wagen befestigt ist. »Damit werden die Rosen angesteckt«, erklärt der Steinfurther. Ob das 2014 wieder geschehen kann, ist derzeit unklar. Ursache ist ein Bundesgesetz, das die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen bei Brauchtumsveranstaltungen regelt und schon 1989 verabschiedet wurde. »Bisher hat sich niemand daran gestört«, sagt Falk. Das habe sich 2012 geändert. »Bei allen Umzügen müssen die Wagen und Gespanne TÜV-geprüft sein, sonst werden sie nicht unfallversichert.«

Bei dem Treffen mit den TÜV-Mitarbeitern seien diverse Punkte moniert worden. »Die Gefährte haben kein Typenschild an der Achse, auf dem steht, wie viel sie tragen kann.« Auch weisen die Zugdeichseln zum Teil Schweißnähte auf, das sei nicht zulässig. Falk schüttelt den Kopf. »Wir reden von einem Tempo von maximal fünf Stundenkilometern, mit dem die Wagen fahren – da platzt kein Reifen. Doch bei jedem Wagen müssen wir die Reifen erneuern – die gibt es aber nicht mehr in der Größe. Wir müssten darum alle Gefährte neu kaufen. Das können sich die Vereine nicht leisten.« Einer der Wagen habe beispielsweise Druckluftbremsen, die überholt werden müssen. Allein das koste 3000 Euro.

Kurzzeitig sah es nach einer Lösung aus. »Wir hatten große Gepäckwagen vom Flughafen in Aussicht, die zum Teil verkauft werden.« Der TÜV habe diese Alternative unbesehen abgelehnt, da die Wagen keine Auflaufbremse hätten. »Hält der Traktor an, schiebt der Wagen nicht. Sobald er einen Widerstand spürt, muss der Wagen selbstständig stehenbleiben«, erläutert Falk die Funktionsweise dieser Bremsen.

Nächster Versuch: ausgemusterte Anhänger der Bundeswehr. »Sie hatten Auflaufbremsen, Typenschilder auf jeder Achse und Vollgummireifen.« Acht Exemplare wurden im Internet versteigert, aber das Gebot der Steinfurther Vereine war etwas zu niedrig. Falk macht sich Sorgen: »Ich kann keine auswärtigen Vereine anschreiben, ob sie mitmarschieren, weil ich nicht weiß, ob der Korso stattfinden wird.« In der Arbeitsgruppe zum Rosenkorso seien verschiedene Lösungsvorschläge unterbreitet worden, beispielsweise ein Steh-Korso. Die geschmückten Wagen würden nicht fahren, bräuchten keine TÜV-Abnahme. Falk winkt ab: »Wer einmal zum Steh-Korso da war, kommt nie wieder.«

Appell an Landwirte und Händler

Wie Bürgermeister Armin Häuser bestätigt, werden acht bis neun gebrauchte oder neue Wagen für den Umzug gesucht. »Die meisten Steinfurther Vereine haben sich bereiterklärt, den Rosenkorso mit ihrer Mitarbeit und Kreativität weiter zu unterstützen. Ich bin überzeugt, dass es auch künftig einen Rosenkorso geben wird«, betont Häuser.

Sein Appell: Sollten Landwirte oder Fahrzeughändler Anhänger abgeben oder verkaufen wollen, die vom TÜV zugelassen und für den Korso geeignet sind, können sie sich an den städtischen Fachbereich für Kultur wenden. Ansprechpartner sind Björn Kral (Telefon 0 60 32/343-237) und Peter Krank (343-282).

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