28. November 2013, 15:48 Uhr

Eisenbahnfreunde: Knochenarbeit an der Bahnlinie

Bad Nauheim (bk). Wären doch nur alle Bestandteile der Strecke so langlebig, mag sich Stefan John, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Wetterau denken. Historisches Prachtstück der Museumszug-Bahnlinie zwischen Bad Nauheim und Münzenberg ist eine Weiche bei Ober-Hörgern, die laut John bereits Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt und 1906 dort eingebaut wurde, wo sie nach wie vor ihren Dienst tut. Doch diese Weiche ist eine Ausnahme.
28. November 2013, 15:48 Uhr
Viele Holzschwellen werden derzeit auf der Wettertalstrecke ersetzt. (Fotos: John)

»Schwellen haben beispielsweise eine Lebensdauer von 50 bis 60 Jahren. In die Unterhaltung der Strecke müssen wir pro Jahr im Schnitt 30 000 bis 40 000 Euro investieren. In diesem und dem kommenden Jahr ist es deutlich mehr, weil der Abschnitt bei Gambach extrem abgenutzt ist und dringend ausgewechselt werden muss.« 200 Schwellen wechseln die Eisenbahnfreunde dort in den kommenden Wochen aus.

Echte Knochenarbeit, die dabei geleistet werden muss. Arbeitstrupps von fünf bis sieben Mann sind laut John derzeit an den Wochenenden im Einsatz. »Letzten Freitag und Samstag haben wir 40 Schwellen und eine Weiche gewechselt. Da wird schon einiges weggeschafft«, sagt der Vorsitzende. Nicht jeder der etwa 30 aktiven Mitglieder (insgesamt gehören dem Verein fast 100 Personen an) sei körperlich in der Lage, diese Arbeit zu leisten. Wobei die Hobby-Eisenbahner auf einen ganzen Fuhrpark an Schienenbaumaschinen zurückgreifen können.

32 000 Holzschwellen

Die Arbeiten werden vom Leiter Streckeninstandhaltung der Vereins minutiös geplant. In diesem Jahr bildet der Abschnitt rund um Gambach den Schwerpunkt, im kommenden Jahr dürften die Teilstücke bei Ober-Hörgern und Münzenberg in Angriff genommen werden. Auf anderen Abschnitten hat die Butzbach-Licher Eisenbahn, ehemaliger Eigentümer der Strecke, vor etwa 15 Jahren noch neue Schwellen verlegen lassen. Jeweils 50 000 Euro stehen dieses Jahr und 2014 im Haushalt der Eisenbahnfreunde für den Erhalt der Gleisanlagen. Etwa 90 Prozent ihren Arbeitszeit investieren die Mitglieder in die Streckenunterhaltung. Minustemperaturen sind dabei – im Gegensatz zum Straßenbau – im Prinzip kein Hindernis. Der Vorsitzende: »Nur wenn hoher Schnee liegt, muss eine Pause eingelegt werden.«

John zufolge liegen auf der rund 20 Kilometer langen Wettertalstrecke etwa 32 000 Holzschwellen. Sie liegen in einem Schotterbett, damit das Wasser abfließen kann. »Ist das Schotterbett verschmutzt, fault das Holz schneller«, erläutert der Vorsitzende. Die Aufsichtsbehörde für die Sicherheit der Bahnlinien ist nach Aussage des Vorsitzenden beim Regierungspräsidium angesiedelt. »Brücken werden beispielsweise alle drei Jahre von einem Sachverständigen überprüft, Blinklichtanlagen an Bahnübergängen mindestens einmal im Jahr.« Der Ingenieur gibt den Eisenbahnfreunden dann eine Liste mit Aufgaben an die Hand, die erledigt werden müssen.

»Für ein Bahnunternehmen betragen die jährlichen Unterhaltungskosten rund 10 000 Euro pro Streckenkilometer. So viel Geld wäre von uns nicht ansatzweise aufzubringen.« Die Eisenbahnfreunde kommen mit deutlich weniger aus, weil keine Personalkosten anfallen – weder für die Instandhaltung der Strecke noch für die Wartung der zahlreichen Loks, Wagen und Baufahrzeuge.

Neben den Ausgaben für die Unterhaltung der Gleisanlagen investieren die Eisenbahnfreunde pro Jahr im Schnitt weitere 100 000 Euro für Neuanschaffungen, Reparaturen und den Erhalt der Bahnhöfe. Dickster Brocken in den letzten Jahren waren die Ausgaben für die Dampflok des Typs T 3 Bismarck. »Es handelt sich um eine der ältesten in Betrieb befindlichen Regelspurdampfloks Deutschlands«, merkt der Vorsitzende an.

30 000 Euro für Zylinderreparatur

In den letzten vier Jahren habe der Klub 155 000 Euro in diese 109 Jahre alte Antriebsmaschine gesteckt. Allein die Reparatur eines defekten Zylinders habe 30 000 Euro verschlungen. Solche Ausgaben sind laut John bis zur nächsten technischen Kontrolle der Lok in sechs Jahren nicht wieder einzufahren. »Doch mit dem Einsatz der T 3 nimmt die Attraktivität des Museumszugs zu, die Fahrgastzahlen steigen.«

Nach Angaben des Vorsitzenden können die Gesamtjahresausgaben von rund 140 000 Euro durch die Einnahmen gedeckt werden. Gleich viel Geld kommt durch die Holztransporte und den Museumszug herein. Eine weitere Einnahmequelle sind Spenden.

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